Review

Der offensichtliche Siebte

„Tiffany Memorandum“ ist ein waschechter Vertreter der Eurospy-Welle, die im Fahrtwind der James Bond-Hits über Europa schwappte. Wir folgen einem enorm behaarten (daher wohl auch der deutsche Titel!) und breit gebauten Reporter, der in eine Agentengeschichte gezogen wird, die vor Finten, Spionen und schönen Frauen nur so wimmelt, ihn von Paris nach Berlin führt... Etwas James Bond, etwas Mission: Impossible, etwas Hitchcock und viel europäisches Cold War-Feeling. Agentenklassiker sehen natürlich anders aus, aber er hat definitiv seine Vorzüge und sollte nicht vergessen werden. Besonders der Hauptdarsteller, seine Ganzkörperbehaarung, die Kamera und Beleuchtung spielen weit über der eigentlichen Liga dieser verlorenen Perle.

Was mag ich an dieser wirren Agentenhatz? Die absurde Story ist es nicht, die ist unübersichtlich und im Endeffekt nicht der Rede wert. Aber das ist ja nichts Neues für dieses Subgenre, erst recht nicht in solchen Regionalligabeiträgen. Hier wurde gefühlt mehr improvisiert und einfach mal losgelegt als durchdacht und Zeit ins Drehbuch gesteckt. Die Dialoge sind, nett ausgedrückt, nur bedingt clever und die meisten Darsteller bemüht bis hölzern. Doch die Locations können sich sehen lassen, die Farben leuchten und der Score hat dudeliges, psychedelisches Ohrwurmpotenzial. Kein Wunder, bei dem Komponisten von „Cannibal Holocaust“ an den Reglern. Riz Ortolani is the Man! Vor allem die Beleuchtung und einige Kamerakniffe überraschen positiv. Trash trifft auf Kunst. Da macht sich schonmal ein Hauch von „The Third Man“ trifft Dario Argento breit. Die Vorbilder wurden richtig gewählt und er macht aus seinem sicher übersichtlichen Budget eine Menge. Mit den richtigen Erwartungen eine nostalgische Brise aus den Bahnhofskinos einer vergangenen Zeit, aus der dritten Reihe eines bis heute beliebten Action-Subgenres. Muss man nicht sehen, aber man bereut es auch nicht. Clark Kent ist ein Bär!!! Ken Clark, pardon. Aber ein Supermann ist er schon irgendwie.

Fazit: gibt dem Affen Zucker und hält nichts von Körperrasur - ein netter Eurospy-Thriller, der ein paar Momente hat und solide unterhält. Kein James Bond, aber Nostalgiefaktor und Sympathiebonus sind durchgehend hoch. Sowas sollte nicht in der Versenkung verschwinden!

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