Thanatomorphose (2012)
Eine Frau wacht auf und bemerkt dass sie langsam aber sicher beginnt am lebendigen Leib zu verwesen….
Regisseur „Éric Falardeau“ sein Filmdebüt aus dem Jahr 2012 ist ein Genre Beitrag, der seines gleichen sucht. Mir sind keine Filme bekannt, geschweige hätte ich gesehen, die diese Thematik behandeln. Worum geht es? „Éric Falardeau“ sein Film handelt um „Nekrose“. Thanatomorphose ist altgriechisch und setzt sich aus den Wörtern „Tod“ und „Wandlung“ zusammen und meint in dem Zusammenhang nichts weiter als „Verwesung“. Nun stellt man sich darunter ein Film vor, wo eine Leiche oder anderer organischer Körper in seine Atome zerfällt, dem ist aber gar nicht so, denn das interessante und besondere, die Verwesung setzt hier schon bei einer lebenden ein.
Die Story ist sehr schlicht gehalten. Eine Frau, die im Leben schon einige Schicksalsschläge erleiden musste im Job, im sozialen Umfeld und mit der Liebe, wird plötzlich krank und verwest Schritt für schritt am lebendigen Körper. Das Besondere, sie findet sich damit ab und schustert sich im wahrsten sinne des Wortes ihren eigenen Sarg zusammen.
Die Umsetzung: Der Film baut sich progressiv auf. Was nichts ahnend beginnt, steigert sich kontinuierlich Minute zu Minute bis zum Höhepunkt. Detailliert sieht man den Zustand der körperlichen Veränderung bei der Verwesenden. Das Ganze ist natürlich kontrovers und wirkt definitiv verstörend, doch auch interessant. „Thanatomorphose“ ist von seiner Art und Stil ähnlich aufgebaut wie „Nekromantik“. Die Szenen sollen nicht nur einfach schockieren, sonder sind durch die geniale Kamera sehr ästhetisch dargestellt. Das trägt zu einer phänomenalen Atmosphäre mit bei. Er ist ruhig gedreht, und lebt nicht von seinen Dialogen. Es wird generell kaum gesprochen, sodass man ganz klar sagen kann, dass der Film von seinen Bildern lebt. Würde es nur um die Ekel-Szenen gehen, könnte man sagen: „Ja okay war ganz nett“. Doch hier spielt die Inszenierung eine wesentliche Rolle. Der Kunst Anteil ist deutlich zu vernehmen durch die Musik (Dark Wave, Violinen, Noise usw.) und den Bildern. Schnitte und Effekte z.B. wurden in Fade-In und Fade-Out Sequenzen arrangiert. Insgesamt ist das morbide Filmkunst auf hoher Ebene. Ein Beispiel ohne zu viel zu Spoilern: Sie liegt im Bett und hat am Vorabend masturbiert. Als sie wach wird, fängt es bei ihr an zu jucken im Schambereich, sie blickt an die Zimmerdecke, wo eine Beschädigung in Form einer Vagina ist, zunehmend verändert sich diese Beschädigung, gleich mit ihren Gesundheitszustand. Diese wiederkehrende Szene zeigt, dass man sehr viel Wert auf Interpretation und Kunst gelegt hat. Natürlich kommen die Horror Fans auch auf ihre Kosten. Blut, Eiter, Sperma, Urin, Kot, Erbrochenes, Maden, Fleisch und Verwesung wird wundervoll dargestellt. Die Effekte und die Maskenarbeit sind sensationell gut umgesetzt.
Der Mainstream Zuschauer sollte natürlich vorgewarnt sein. Doch da es sich hier nicht einfach nur um möglichst viel Gewalt zu zeigen handelt und das eher in die Richtung kunstvoll experimentell mit viel Anspruch und Niveau geht, könnte das auch für den Stino interessant sein.
Schauspielerisch: „Kayden Rose“ ganz tolle arbeit und Top gespielt.
Subjektiv… Wow… was für ein Film! Selten kann mich ein Film so ergreifen und faszinieren, dass ich nach Ende richtig geflasht den Abspann betrachtete und innerlich dachte, was für ein geniales, filmisches Kunstwerk… „Thanatomorphose“ ist kein Splatterfilm oder Torture Sicko oder dergleichen, würde das noch nicht mal als klassischen Horror bezeichnen. Wenn überhaupt kann man den Streifen als experimentelles Drama einordnen mit viel Kunst Sinn. Also ich bin mehr als begeistert von diesem Film. Für mich persönlich der beeindruckendste Film des Jahres im Genre Bereich. Mit geschätzten CAD 40.000 ein Wahnsinn, was man hier rausgeholt hat und für mich wieder mal ein Indiz dafür, dass originelle, von der Machart völlig neue Filme kein hohes Budget benötigen. Thanatomorphose ist definitiv kein Film von der Stange. Alleine die Thematik wird viele Leute abschrecken, wer aber tolerant ist und in der Filmwelt offen für alles, der wird den Kunstaspekt in diesem Film verspüren.
Fazit:
Sensationelles Meisterwerk der filmischen Künste. Wer Nekromantik gut fand, der wird hier auch auf seine Kosten kommen. Den sollte man einfach aus Interesse schon gesehen haben.
Bewertung:
9,5 / 10 Punkte.