Review

Lieber Federico Zampaglione, es genügt wirklich nicht, ein paar Hauseingänge, Fassaden etc. rot/blau/grün auszuleuchten, um damit einen überzeugenden Giallo zu kreieren. Andererseits ist der Versuch angesichts der Tatsache, dass Dario Argento seit SLEEPLESS nichts mehr wirklich Bahnbrechendes inszeniert hat, durchaus löblich.

Die toughe Geschäftsfrau Lisa frequentiert zum Ausgleich zu ihrem enervierenden Tagesgeschäft im männlich dominierten Finanzmilieu nachts den bizarren Privatclub Tulpa, in welchem sich Personen unterschiedlicher Herkunft anonym ihren erotischen Neigungen hingeben. Dann werden einige von Lisas Gespielen recht bestialisch durch einen geheimnisvollen Killer mit schwarzen Handschuhen hingerichtet, das Motiv bleibt im Dunkeln.

Regisseur Zampaglione spielt mehr oder weniger geschickt mit den Versatzstücken des Giallos. Die Morde sind, vor allem am Anfang, äußerst grausam und explizit inszeniert. Im Verlauf des Films wird das alles uneindeutiger, bis dann nur mehr Blutspritzer von den Taten des Mörders zeugen. Entweder gingen hier zunehmend die Ideen aus ... oder das Geld. Die Musik ist großartig. Eigentlich. Leider wird sie oft suboptimal eingesetzt, indem sie z.B. mitten in einer laufenden Szene abbricht, was den Zuschauer dann rüde aus dem Rhythmus des Films wirft.

Letztlich kommt die Geschichte und damit auch der ganze Film nicht genügend über die sattsam bekannten Klischees hinaus. Das Niveau des grandiosen AMER von Cattet/Forzani wird nicht ansatzweise erreicht. Als Einstieg in eine Revitalisierung des Giallo-Genres ist TULPA insgesamt dennoch recht brauchbar. Und sollte sich Herr Argento dadurch bemüßigt fühlen, mal wieder einen richtig guten Film zu drehen, wäre ja damit schon einiges erreicht.

6/10

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