Übersetzerin Alice (Florinda Bolkan) wird eines Nachts von einem Alptraum geplagt, in welchem ein Astronaut während einer Mondmission allein und sterbend auf der Oberfläche des Trabenten zurückgelassen wird. Der Übergang in den Alltag erweist sich als holprig, als Alice feststellen muss, entweder zwei Tage durchgeschlafen oder die letzten beiden Tage in einem Zeitloch verloren zu haben. Aufschluss erhofft sich Alice mit der Reise nach Garma, einem Küsten- und Kurort, aus dem ihr ein Unbekannter eine Postkarte zukommen lässt. Dort angekommen lernt sie ein rothaariges Mädchen namens Paula kennen, das in ihr ihre Bekannte Nicole erkennt, die erst vor Kurzem aus Garma abreiste. In einem Strudel aus Kindheitserinnerungen und Gedächtnislücken taumelt Alice der Wahrheit um den Kurort entgegen…
FOOTPRINTS ON THE MOON ist italienischer Suspense aus der Hochzeit der Gialli. Allerdings kein Frauenmörderkrimi im Stile von Argento und Co., sondern klapsmühlenreifes Kopfkino zum Mitflippen. Die Fulci-erprobte Florinda Bolkan (DON’T TORTURE A DUCKLING, LIZARD IN A WOMAN’S SKIN) mimt die psychisch ausgebrannte Alice mit Bravur, die sich ebenso unwissend wie der Zuschauer durch ein Labyrinth aus psychischen Falltüren und Irrlichtern kämpft. Treibt jemand ein böses Spiel mit unserer Protagonistin? Ein unaufgearbeitetes Kindheitstraumata? Oder leidet Alice unter einer gespaltenen Persönlichkeit? Fragen über Fragen, die tatsächlich sehr fesseln. Hinzu kommt die Magie der ausdrucksstarken, oftmals malerischen Bilder. Die Sets sind, wie in den besten Gialli, prunkvoll ausstaffiert, siehe u.a. ein Fenster mit einem Pfauen-Ornament. Die fiktive Ortschaft Garma (Drehort war der türkische Küstenort Phaselis) mit ihren Moscheen, Pflastersteingassen und bewaldeten Ufern – einfach traumhaft. Vor allem aber erkennt man, dass hinter der Kamera ein geschultes Auge saß. Licht, Blickwinkel und Perspektiven sitzen 1A und verleihen dem Film einen surrealen Touch, vergleichbar mit den Werken von Kubrick oder Argento.
Des Weiteren: In einer Nebenrolle als finsterer Raumkapselkapitän trifft man Klaus Kinski (NOSFERATU, FITZCARRALDO) an. Wirklich eine Minirolle, die über zwei-drei Dialoge nicht hinausgeht.
FOOTPRINTS ON THE MOON ist ein beklemmender, optisch opulenter Psychothriller, der den Zuschauer an den Nervenstrengen packt und mit sich reißt. Dem Sog dieser psychotischen Abwärtsspirale kann man sich tatsächlich kaum entziehen, zumal das Rätselraten um die Aufklärung schon rag beschäftigt. Diese fällt leider ein bisschen abrupt aus, rundet den Film insgesamt aber stimmig ab und es überwiegt der positive Gesamteindruck.
Fazit:
Ausdrucksstarker, alptraumhafter Italo-Suspense mit einer zum Greifen dichten Atmosphäre. Kopfkino für schizophrene Amnesie-Astronauten und alle, die es werden wollen.