Wer kennt Sie noch? Die guten alten Spielhallen, in dem der geneigte Nerd Stunden um Stunden vor einem Automaten stand, um digitale Pixelhelden durch weite Welten zu jagen und Bösewichte zu vernichten. Nun gut, hier in Deutschland gab es diese Hallen jetzt nicht in so großer Form, doch in den USA war es in den 80ern Gang und Gäbe, sich die Nachmittage in diesen Spielehallen zu vertreiben. Nun erzählt uns Disney, mit seinem neusten 3D-Abenteuer "Ralph reichts", die Geschichte eines Bösewicht, der eigentlich doch ein ganz Lieber ist. Passend zu Disney alles ganz familientauglich, aber in höchst unterhaltsamer Form.
"Ralph reichts" erzählt die Geschichte von Ralph, der den Bösewicht im Spiel "Fix it Felix" miemt. Tag für Tag muss er ein Wohnhaus zerstören, dass dann von Felix mit seinem Zauberhammer repariert wird, bevor er von den Bewohnern vom Dach geworfen wird. Doch Ralph, der inzwischen schon zu den "anonymen Videospielbösewichten" geht, hat darauf keine Lust mehr. Also schleicht er sich klammheimlich in andere Videospiele, wo er versucht der Held zu sein. Als er sich in das quietschbunte "Sugar Rush" verirrt, lernt er Vanellope kennen, die in ihrem Spiel ebenfalls zu den Ausgegrenzten gehört. Eine ungewöhnliche Freundschaft nimmt seinen Lauf... Die Story ist nett, liebenswert und hat natürlich alles, was eine familienfreundliche Disneykomödie braucht. Sympathische Figuren, nette Gags und natürlich eine moralische Botschaft. Im Gegensatz zu manch anderem Film kommt diese hier aber nicht so sehr mit dem Holzhammer daher, sondern ist turbulent und witzig verpackt.
Sowieso dürfte der Streifen nicht nur Kindern große Freude machen, sondern vor allem auch bei alt gewordenen Gamern für gute Unterhaltung sorgen. Die Detailverliebtheit ist schlicht und ergreifend großartig. Ob nun Games wie "Sonic", "Super Mario", "Diablo" oder gar "Mortal Kombat", alle bekommen sie hier ihre kleine Hommage. Vor allem die Bösewichter dürfen in der ausführlichen Anfangssequenz ihr Leid beklagen, was bei Insidern für einige große Lacher sorgen dürfte. Und danach wird der Spielealltag der Computerfiguren beleuchtet, welche unterm Strich alle auch nur Menschen wie du und ich sind. Kurzum, wer mit dem Videospielmedium aufgewachsen ist, wird einen Flashback nach dem Anderen haben und aus dem Lachen nicht mehr herauskommen.
Aber auch für Nichtspieler hält Ralph eine große Pallette an netten Szenen bereit, zumal Ralph auch eine recht breite Pallette von Genres abdeckt. Actionreich geht es z. Bsp. zu, wenn sich Ralph in ein neuartiges Ballerspiel verirrt oder wenn Vanellope in "Sugar Rush" beim großen Rennen durch die Gegend saust. Hochgradig komisch wird es, wenn Felix und die Bewohner seines Spiels in stockendem Gang durchs Spiel laufen und hüpfen und ein wenig verquere Romantik gibt es auch, wenn Felix sich in die Actiondiva aus dem Ballergame verknallt und diese seine Anmachversuche, früher oder später, erwidert. Natürlich bleibt dabei alles äußerst friedlich und harmlos, doch für Abwechslung ist gesorgt.
Und auch die Animationen können überzeugen. Zwar sind sie teilweise fast schon ein wenig zu quietschbunt ausgefallen, vor allem in der Welt von "Sugar Rush" wo der Rosastich und die kunterbunte Süssigkeitenwelt sicher ganz gewollt Karries verursachen, doch der Detailreichtum und die Geschliffenheit der Animationen fallen äußerst positiv ins Auge. Egal ob im flachen 2D oder im schön räumlichen 3D. So machen Animationsfilme Laune.
Unterm Strich ist "Ralph reichts" somit ein typisches Disneyabenteuer für die ganze Familie geworden, welches vor allem durch seine wunderbare Idee, eine Geschichte rund um einen gefallenen Videospielbösewicht, gefällt und daher auch über die Grenzen der Disneyfans hinaus überzeugt. Viele große und kleine Referenzen an die Welt des Spiele, toll ausgedachte Figuren und hübsch abzusehende Animationen, bieten 100 Minuten Animationsspaß pur. Nur weiter so!
Punkte: 7,5+/10 Punkte