Einige hartgesottene Fans von Found Footage würden Regisseur Olatunde Osunsanmi nach Sichtung seines Streifens wahrscheinlich in die Wüste schicken, doch augenscheinlich war er schon dort, um eben jenen Film mit Wackelkameras zu drehen.
Oder anders gesagt: Die Grundidee schwankt zwischen gut und genial, doch in Sachen Optik muss man verdammt viel Geduld mitbringen.
Die Polizei ist ratlos, denn an einer völlig verlassenen Tankstelle in der Wüste Nevadas finden sie einige Leichen und zwei Überlebende. Auf der Suche nach dem Killer sichten Detective Reese (Stephen Moyer) und Detective Burquez (Radha Mitchell) Digitalaufnahmen von Handkameras und Smartphones und versuchen verzweifelt ein Puzzle zu vervollständigen...
Die Geschichte ist in zwei Stränge aufgeteilt: Einmal die Rahmenhandlung, bei der die Cops in der Zentrale für digitale Auswertung diverse Sichtungen vornehmen und dabei hin und wieder Standbilder analysieren, vergrößern oder spiegeln und die eigentliche Handlung, quasi der Tathergang. Das Hauptaugenmerk ist hierbei auf die Handkamera von Rachel gerichtet, welche eine Doku über ihre Freundin Leann dreht, die wiederum als Schauspielerin groß durchstarten will. Hinzu kommen Fahrer Ben, der den Shuttle-Bus nach Vegas steuerte, eine Tänzerin, ein Ausreißer, die Frau eines Irak-Veteranen und Leanns Freund. Als sich der Bus im Stacheldraht verfängt und überschlägt, sucht die Gruppe Hilfsmittel an der nah gelegenen Ex-Tankstelle, wo der Killer nicht allzu lange auf sich warten lässt.
Durch die Sichtung des gefundenen Materials wird der Zuschauer selbst zum Ermittler, achtet verstärkt auf Kleinigkeiten und Hinweise, während immer wieder falsche Fährten ausgelegt werden, da Motive wie totale Verbitterung oder maßlose Enttäuschung bei einigen Figuren grundlegend auszumachen sind. Der Schlächter mit seinem Schweißgerät geht indes recht grob zur Sache, auch wenn Überwiegendes der Phantasie des Zuschauers überlassen wird.
Denn es gehört sehr viel Wohlwollen und Geduld dazu, die bruchstückhafte Optik nicht als totale Beleidigung fürs Auge einzustufen. Viele Szenen spielen im Halbdunkel, später kommt eine Nachtsichtfunktion mit grobkörnigen Schwarzweißbildern hinzu, dazwischen tummeln sich zahlreiche digitale Bildfehler mit Klötzchenbildung und nicht zu vergessen, das extreme Wackeln der Kamera, sobald ein wenig Bewegung ins Spiel kommt. Doch anderweitig: Der erwähnte Ermittlerinstinkt wird dadurch unter Umständen sogar noch stärker angesprochen, um im Gewimmel eventuell verborgene Details auszumachen.
Jenes Gewimmel rechtfertigt durchaus eine FSK16, denn bis auf einen angedeuteten Kehlenschnitt werden zwar einige Figuren per Schweißbrenner geplättet, doch dies geschieht oft nur schemenhaft oder eben per Nachtsicht aus der Distanz, was für Splatterfans wahrscheinlich einem Schattentheater gleichkommt.
Ohnehin konzentriert sich ab einer gewissen Phase alles auf die Auflösung und diese ist trotz einiger hanebüchener Aspekte beinahe als grimmig zu bezeichnen, denn als Quintessenz geht es um Manipulation und Wahrheitsgehalte, was dem geneigten Betrachter fast schon den Spiegel vorhält.
Anbei performen die Mimen durch die Bank okay, der (natürlich zurückhaltend eingesetzte) Score geht ebenfalls in Ordnung und auch die schlichte Lokalität der verlassenen Tankstelle in der Wüste erfüllt ihren Zweck.
Was den Streifen letztlich so herrlich perfide erscheinen lässt, ist seine Pointe und der Eindruck, sich durch diverse Täuschungen zu simplen Schlussfolgerungen hinreißen zu lassen, während der Schlussakt noch einmal Öl ins Feuer des miträtselnden Betrachters gießt.
Wer sich also von der zugegebenermaßen anstrengenden Optik nicht abschrecken lässt, sollte definitiv einen Blick riskieren, - der Aha-Effekt stellt sich von selbst ein...
7,5 von 10