Review

Während so lieblose Fliesbandprodukte wie "Madagascar" und "Ice Age" ohne jeglichen Inhalt, dafür aber mit viel gaga und schwindelerregendem LSD-Look, Fortsetzungen im Kino feiern, gehen leider manche gute Filme wie "Tad Stones" baden und feiern klammheimlich als DTV-Veröffentlichung Premiere. Ich frage mich warum? Ja, "Ice Age 1" war sensationell mit viel Gefühl und einer guten Story, "Madagascar 1" hatte immerhin die Pinguine auf Dope und sein "I like to move it"-Lied, aber muss man deswegen auch die Fortsetzungen ins Kino bringen?

"Tad Stones" ist da anders, er geht frische, unverbrauchte Wege und auch wenn Herzlichkeit und Moral weitestgehend zurückbleiben, ist der Film nicht schlecht - die FSK 6 vielleicht sogar etwas zu niedrig angesetzt und der verlorene Schatzjäger unterhält eher im "Jason Bourne"-Modus, statt, wie viele wohl im Vorfeld vermuten werden, im "Indiana Jones"-Genre.

Den Filmemachern ist es dabei weitestgehend gelungen, auf komplett durchgeknallte Charaktertüten zu verzichten, auch wenn  der Mexikaner Freddy im Ansatz nah an einer Freakshow kratzt.
 
Die Story ist schnell erzählt: Tad Stones ist Maurer und begnadeter Schatzsucher, allerdings soll die Archäologie nur ein Traum bleiben, da er lediglich Abfall findet. Made in China-Vasen oder gefälschte Colaflaschen sind schon das höchste der Gefühle.  Dennoch begibt er sich durch ein Missgeschick  auf eine abenteuerliche Reise um einen Inka-Schatz zu entdecken. Doch die ominöse Organisation "Odysseus" ist ihm auf Schritt und Tritt hinterher...


Handwerklich sieht dieser Film top aus und kann auch mit den ganz Großen mithalten. Die Figuren sind nicht upToDate, dafür fallen aber das Umfeld und die Landschaften gestochen scharf aus.  Wie gesagt, mein größtes Problem ist eben die Filmart an sich selbst. Wenn ich an Animation oder Zeichentrickfilme denke, wünsche ich mir eher so etwas wie "Rapunzel - Neu verföhnt" oder "Hüter des Lichts", um mal zwei aktuelle Beispiele zu nennen. Wir, die Ü30-Fraktion (oder wer auch noch älter ist) sind mit "Bambi" und den klassischen Disney-Filmen groß geworden, haben uns den Li-La-Laune-Bär mit Freak Metty reingezogen, während wir Sonntags Schokokekse bei Oma mit koffeinfreiem Kaffee aßen.
Heutzutage scheinen ruhige Filme oder Zeichentrick-Serien beinahe ausgestorben zu sein.

"Tad Stones" ist auch nicht ruhig und nett, hat aber im Gegensatz zu meinen persönlichen Most Hated Animations-Filmen eine Geschichte zu erzählen, liebenswerte Charaktere zu bieten und natürlich auch zwei Tiere (Stones´ Schoßhündchen und ein Papagei, der nicht sprechen kann), die  für viele Lacher sorgen.
 Die "Action"-Phase in dem Film hat mich irgendwie gestört, aber auch gleichzeitig fasziniert - denn auch wenn man sich als "Dumbo"-Liebhaber erstmal an die ganzen Soldaten mit MG´s, die hinter Tad und seiner Crew her sind, gewöhnen muss, muss ich zugeben, dass dieser Film in manchen Passagen äußerst spannend rüberkommt. Ja beinahe schon zu spannend, wenn wir uns mal vor Augen halten, dass wir hier lediglich einen Animationsfilm vor uns liegen haben.
Die Erwartungshaltungen von mir selber im Bezug auf Schatzsuche wurden leicht enttäuscht: Bis auf einen Hut, gibt es selten Parallelen zu den "Indiana Jones"-Filmen.
Ein wenig klassische Musik, gepaart mit rockigem Sommer-Punk runden das Ereignis ab.

"Tad Stones" gehört nicht zu den Besten seines Genres - aber er lässt so manch große Produktionen von den letzten Jahren im Regen stehen, die nur den Maßstab "Optik" kennen. Spannend, temporeich und eine Story mit witzigen Momenten. Man merkt nicht, dass dieser Film aus Spanien kommt - was man jedoch bemerkt ist, dass er nicht aus den USA kommen kann, wo nur noch das Einspielergebnis zählt.

7/10

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