Wenn der deutschen Titelschmiede einstmals gar nichts mehr Brauchbares eingefallen ist, dann hat sie in den alten Zeiten, als das Rückspulen noch geholfen haben soll, Filme „Killer hinter der Maske“ genannt. Weil, es muss ja nicht catchy sein, manchmal reicht auch, wenn man es freundlich erklärt, was man sowieso zu sehen bekommt.
So geschehen bei „Savage Weekend“, einem dieser cineastischen Fusiongerichte, die alles antäuschen, was gerade hip auf dem Markt ist, aber immer den Stempel vom Chefkoch vor sich her tragen. Wobei das nicht so ganz klar zu sagen ist, wenn es um die Handschrift geht, denn mit diesem Review und dem von „Schizoid“ habe ich den kompletten Kino-Output von David Paulsen abgedeckt und eine einheitliche Handschrift findet sich darin sowieso nicht.
Wobei: das hier ist sein Debütfilm und der riecht noch recht streng nach Bauernhof. Munter wird hier alles auf die Weide getrieben, was auf zwei Beinen laufen kann: bissl Slasher, bissl Sleaze, bissl Backwood, bissl Sexpsycho. Und als Garnitur ne Kettensäge! Das muss ja schiefgehen.
Alles fängt perfekt abgeschmackt mit einer Jagdszene durch die liebe Vegetation an, eine blutbefleckte Frau, ein visuell erkennbarer Idiot, die knatternde Säge. Nur dass das dieser ganze Teaser ein schlimmer Fall von Täuschung ist, denn dieses eh schon nicht sonderlich flüssig gefilmte Stück Terrorkino (man kann es auch unbeholfen nennen) ist nur der Zusammenschnitt dessen, was wirklich geschehen ist, aber bis dahin heißt es erstmal: Rückblende!
Denn was wir zu sehen bekommen, ist die Dekonstruktion des amerikanischen Traums: Marie hat nämlich ihren von diversen Skandalen schwer angeknacksten Männe Greg geschieden und zieht nun mit dem begüterten Aktienhändler Robert ins ländliche Wochenende. Greg ist davon und vom Daheimbleiben wenig angetan, vor allem, als Robert Maries kleinen Sohn ein Geschenk machen will. Der Mann muss deutlich an seiner Impulskontrolle arbeiten. Das schöne Wochenendhaus liegt etwas im Hinterland, die Leute sind wortkarg, der Dorfidiot hat schon mal einen umgebracht, wen nehmen wir also mit nach Redneckhausen?
Natürlich Shirley, Maries semi-nymphomane Schwester und den selbstbewussten Nicky, der für 1979 wohl einmalig im US-Kino Homosexualität und körperliche Überlegenheit gegenüber Redneck-Predatoren zusammen repräsentiert.
Dazu kommt noch Ingenieursfreund Jay, der eigentlich Roberts Boot fertig stellen soll, well Dorfdepp Otis damit nicht in die Pötte kommt. Ist ja auch kein Wunder, der redet halbe Tage mit dem Grabstein seines seligen Papas.
Fehlt also nur noch Holzarbeiter und Mega-Schnauzbart Mac Macauley, der wortkarg-kernig vor sich hin mümmelt.
Was fehlt noch? Genau, der Prominente im Sack!
Angetan mit einer schauerlichen Horrormaske, die sich die Delinquenten vorab selbst noch gekauft haben, geht irgendein findiger Maniac auf die Wochenendgesellschaft los, als diese sich einen frivol-eleganten Abend machen will.
Klingt eigentlich ganz aufregend – wäre es auch, wenn Paulsen seine Themen mal unter einen Hut bekommen hätte und sich eine Tüte Tempo gekauft hätte.
All das Aufregende, was die Personenkonstellation und der „slaying mayhem“ versprechen, lässt fast 60 von 90 Minuten auf sich warten, alles vorher ist die Bereitstellung von Rivalitäten, die Anreise, das Aufmischen einer örtlichen Redneckkneipe und dann heftiges Frohlocken auf Wiese und am See.
Das ist schon fast irre ereignisarm, wäre dann nicht die gewisse Spannung in den Gelenken: Shirley ist nimmt nämlich gern, was immer auch greifbar ist und wird auch selbst gern genommen, was Jay ausnutzt. Marie steht sexuell unter dem Aggro-Druck der Lieberhaberkünste ihres Ex, der offensichtlichen viel zu sanften Roberts und der geradezu mühelos ausgestrahlten Holzfällervirilität von Mac. Robert schürt derweil den Konflikt mit Otis und der schwule Nicky bitcht säurehaltig vor sich hin.
Leider läuft der Motor bei allen schönen Bildern immer wieder leer, denn Paulsen hat kein Händchen dafür, alles auf die 180 zu treiben und seinem Skript fehlen die ganz üblen Schweinehunde, die man von der Leine lassen kann. Eigentlich müsste sich die Dorfbevölkerung zusammenrotten, aber a) so schlimm sind die Gäste nun auch wieder nicht drauf und b) kommen die am Ende noch zur Hilfe.
Als es endlich in die Vollen geht, ist die Spannung dann raus, es gibt zwar Deftiges mit Kreis- und Kettensäge, aber auch ein endloser zwischen geschobener Striptease von Shirley kann daraus kein Fest mehr machen. Paulsen mag seine Schwächen haben, Drive, Panik und vor allem Kämpfe kann er gar nicht. Ich hab selten so mies angetäuschte Faust- und Messerkämpfe gesehen, bisweilen erinnert das mehr an homoerotisches Ringen und so arg spritzt die Suppe hier nun auch wieder nicht.
Wir enden dann bei der Eröffnungsszene unter neuen Voraussetzungen und gönnen dem Täter und uns dann noch einen Kettensägeneinsatz, aber auch der kann die ungelenke Biederkeit des Geschehens nicht mehr aufwerten. Was schade ist, denn Kathleen Heaney, die Darstellerin der Shirley, zieht hier in mindestens vier schweißtreibenden Szenen dreimal so komplett blank, dass die Leinwand qualmt.
Wer es denn am Ende gewesen ist, brauche ich hier nicht zu erwähnen, der Fall ist eh nach Figurenkonstellation relativ schnell klar und überrascht sind da nur die möglichen Opfer, nicht die Zuschauer.
Dennoch, reizvoll ist der Film visuell dennoch, aber es mangelt leider an Präzision, um daraus etwas Besonderes zu kreieren. Aber das Problem mit dem Ensemble und den verschiedenen Erzählsträngen hatte Paulsen dann wieder, als er einen Scherenmörder in „Schizoid“ auf Kläusken Kinski und diverse Mägdelein losließ und das halbgar als US-Giallo inszenierte.
So wird draus halber Schmock und halber Schlonz, aber nichts Ganzes. Und dennoch hat die Mühe dahinter einen gewissen perversen Reiz (4/10)