Review

Seit „Psycho“ haben Geschichtenerzähler immer wieder versucht, spannende oder auch lustige Mutter/Sohn – Verbindungen zu verfassen, doch bis auf Loriots „Ödipussi“ ist im Nachhinein nicht viel hängen geblieben. Die Basis eines Road Trips bietet da durchaus Potential für viel turbulente Komik, doch herausgekommen ist eine eher seichte Komödie, die von zwei sehr guten Darstellern gerettet wird.

Andy Brewster (Seth Rogan) hat als Biochemiker ein ökologisch vertretbares Reinigungsmittel erfunden und will es per Marketing-Rundreise an den Kunden bringen. Um das leicht angespannte Verhältnis zu seiner Mutter Joyce (Barbara Streisand) aufzulockern, darf sie ihn bei der Tour begleiten, welche mit einer großen Überraschung für beide enden soll…

Bereits nach wenigen Minuten ist vor allem den Söhnen im Publikum klar: So eine Mutter erhöht den Verbrauch von Kopfschmerztabletten. Bevormundung, pausenlose Quasselei und das Ausplaudern intimer Details im Freundeskreis führten offenbar auch bei Andy dazu, seine Mutter nur einmal im Jahr zu besuchen, während zahlreiche Anrufe bereits während des Vorspanns verdeutlichen, wie anstrengend so eine Begleitperson sein kann.

Andy ist indes ein trockener Typ, der zwar eigenständig ist, sein Reinigungsmittel jedoch kontraproduktiv in Szene setzt, so dass es pausenlos zu Absagen kommt. Die Marketing Zwischenstopps bilden jedoch lediglich Einleitungen zu neuen Kapiteln, welche phasenweise wie eine Anhäufung passabler Ideen wirken, jedoch nie das Potential ausschöpfen, welches mithilfe des gut zusammenspielenden Duos möglich gewesen wäre.

Zu seicht sind die Gags gestrickt, zu wenig in die Tiefe gehen die emotionalen Momente und auch etwaige Probleme lösen sich meistens ohne große Hürdengänge. Kleinere Höhepunkte wie das Verzehren eines riesigen Steaks in einer Bar unter Zeitlimit oder die uralte Unsitte einiger Mütter, zwei Finger mit der Zunge zu befeuchten, um anschließend durch das Gesicht des Kindes zu wischen kommen letztlich zu kurz und auch die Interaktionen einiger interessanter Nebenfiguren wird oftmals zu oberflächlich abgehandelt.

Demgegenüber sind sensiblere Züge vor allem Dank einer stark und nuanciert aufspielenden Streisand mit viel Feingespür in Szene gesetzt, - Ungesagtes wird oft am besten transportiert, wobei auch der gut ausgesuchte Soundtrack einiges beiträgt.
Das verschmitzt kindliche Lächeln von Rogan ist zwar oft angemessen und ein paar Stärken treten während einiger energischer Szenen zum Vorschein, doch seine Präsenz geht gegenüber Streisand beinahe völlig unter.

Am Ende bleibt „Unterwegs mit Mum“ ein lockerer Road Trip zum Wohlfühlen, der zwar ein paar Schmunzler, jedoch keine Lacher bietet, ein paar amüsante Zwischenstopps, jedoch keine Highlights liefert und im letzten Drittel mit dem kleinen Twist kurz den Bereich zum Kitsch streift, um gegen Ende gerade noch einmal die Kurve zu kriegen.
Solide und charmant in Szene gesetzt, sympathisch besetzt und sauber performt, doch nichts, was speziell Müttern oder Söhnen ans Herz gelegt werden muss.
6 von 10

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