Review

Danny (Daniel Louis Rivas) und Nicky (Robert LaSardo) sind Brüder und teilen die gleiche Leidenschaft: harte Drogen. Gemeinsam hausen sie in einer heruntergekommenen Junkiebude und ballern sich die Rübe weg. Als Danny eines Tages den Entschluss ergreift clean zu werden, will Nicky seinen Abstinenzvorsatz nicht so ganz für voll nehmen. Im Gegenteil: Die Situation in der Drogen-WG scheint vollends außer Kontrolle zu geraten...

"Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn" könnte man fast meinen angesichts der Filmographie von Adam Mason, der nach Gurken wie DUST, DEVIL'S CHAIR und BROKEN mit JUNKIE endlich einen interessanten, unterhaltsamen, wenn auch extrem nonkonformen Film hinbekommen hat. Der Streifen ist ein Sammelsurium an abgedrehten Dialogen, wahnsinnigen Drogengestalten und irrewitzigen Situationen im Stile von TRAINSPOTTING, EX DRUMMER und SPUN. Der schwarze Drogendealer-Nazi Otto [O-Ton: "In dieser Tasche sind die Farben des Regensbogens."] landet im Suppentopf und kehrt als Zombie zurück. Die beiden Junkiebrüder spritzen sich derweil das Blut des Toten, weil dieses ja randvoll mit berauschenden Substanzen ist. Der Alkoholiker-Papa (Andrew Howard) kommt mit seiner Nuttenfreundin vorbei, die sofort anfängt, mit jedem in die Kiste zu springen. Und im Keller spielt Charles Manson [O-Ton: "Der Knast findet nur im Kopf statt."] mit seiner Clique Russisch Roulette. Ziemlich abgedreht das Ganze. Der Plot wandelt auf dem hauchdünnen Grad zwischen Trip und Halluzination. Das Gehirn des Zuschauers wird folglich ordentlich durchgebumst.

Der schillerndste Charakter, auf dessen Konto auch ein enormer Teil des Spaßfaktors geht, ist Crackhead Nicky, verkörpert von dem bislang hauptsächlich auf Gangstertypen in Nebenrollen spezialisierten, ganzkörpertätowierten Robert LaSardo. Sein Gesicht dürfte jedem geläufig sein. Nur fühlt man sich außer Stande einzuordnen woher, und das, obwohl er in namhaften Großproduktionen wie HARD TO KILL, DEADLY REVENGE, WATERWORLD, LEON - DER PROFI, LAST MAN STANDING und DEATH RACE mitwirkte. In der Schönheitschirurgen-Serie NIP/TUCK gab er den Drogenboss Escobar zum Besten.
LaSardo spielt den ausgeflippten, überdrehten, gleichzeitig aber belesenen und in poetischen Worten schwafelnden Drogenfreund Nicky, dessen Aufgekratztheit von der Körperkunst und dem drahtigen Fitnesszustand hervorgehoben wird, als wäre ihm die Rolle auf den Leib gezimmert und legt Charaktereigenschaften an den Tag, die man LaSardos Persönlichkeit abseits der Kamera durchaus zutrauen würde. Schade, dass ihm bislang nicht der Kultstatus zuteil wurde wie Danny "Machete" Trejo (ebenfalls als Schurke gebranntmarkt, ebenfalls Migrationshintergrund), aber kann ja noch werden.

ACHTUNG: AB JETZT WIRD GESPOILERT!

Ziemlich bald hegt man als Zuschauer den Verdacht, dass Danny und Nicky nicht nur das brüderliche Band verbindet. Auch die Tatsache, dass Besucher Nicky nie wirklich wahrnehmen und der einzige, der mit ihm spricht Danny ist, deutet in eine ganz bestimmte Richtung, in welcher Tyler Durden und die Tussi aus HIGH TENSION ganz wild mit der Schizo-Fahne wedeln. Es stellt sich heraus, dass Nicky kein wirkliches Alterego des Protagonisten, sondern viel mehr die personifizierte Sucht darstellen soll, die sich nach Dannys kaltem Entzug einen anderen Drogenbuddy sucht.

SPOILER ENDE

JUNKIE ist genau das, was der Titel verspricht. Viel Abgefahrenheit, wenig Handlung. Blut wird aufgekochen und gespritzt, wie bei "New-Age-Vampir-Motherfuckern". Das ist "nicht durchgeknallt, (sondern) nur umweltfreundlich". Danny hat eine Spinne auf der Nase tätowiert. Andrew Howard, den man auch irgendwo schon mal gesehen hat (BAND OF BROTHERS, I SPIT ON YOUR GRAVE, OHNE LIMIT, HANGOVER 2) wichst sich einen vor laufender Kamera. Oder zumindest einen ziemlich echt wirkenden Plastikpimmel. Dirty Talk und abgespacte Drogengespräche am laufenden Band. Das macht zwar alles herzlich wenig Sinn, aber dafür umso mehr Laune. Und überzogene Drogenfilme sind doch immer geil, nicht wahr!?


"Meine Fresse, hier sieht's ja aus wie in dem Arsch von meiner Katze! Hast du dir den Arsch von 'ner Katze schon mal genauer von innen angesehen?"
- "Nein."
"Sieht genau aus wie hier."



Fazit:
In der Suppenküche des Wahnsinns - Junkie XXL!

Details
Ähnliche Filme