In einem Zirkus, der seine Hauptattraktivität der hauseigenen Abnormitäten- Schau verdankt, verliebt sich der Liliputaner Hans (Harry Earles) in die Trapez- Künstlerin Cleopatra (Olga Baclanova). Obwohl er mit der Liliputanerin Frieda (Daisy Earles) verlobt ist, macht er der schönen Frau unverhohlen den Hof. Diese findet das eher niedlich und belächelt Hans, doch als sie erfährt, das Hans eine ordentliche Stange Geld besitzt, heckt sie mit ihrem Liebhaber, dem stämmigen und intellektuell schlichten Athleten Hercules (Henry Victor) einen gemeinen Plan aus. Nach der Hochzeit will sie Hans langsam vergiften, als Erbin so an das Geld gelangen und dann mit Hercules ein sorgloses Leben führen.
Cleopatra und Hans heiraten schließlich, was der tief gekränkten Frieda fast das Herz bricht. Auch die anderen Abnormitäten im Zirkus sind nicht gerade überzeugt davon, daß Cleopatra es wirklich ernst mit Hans meint. Diese beteuert jedoch, daß sie Hans liebt und wird denn auch akzeptiert.
Auf der Hochzeitsfeier zeigt Cleopatra im angetrunkenen Zustand jedoch ihr wahres Gesicht (Wie heißt es doch ? Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit ?), verspottet Hans und bringt so den Haß der „Freaks“ gegen sich auf. Jene rächen sich auf ganz besondere Art.
Kritik
Mit diesem schaurigen, betroffen machenden und bedrückenden, gleichzeitig aber auch tief bewegenden und humanen Film gelang dem auf ungewöhnliche (Horror-) Themen spezialisierten Browning ein lange Jahre, ja Jahrzehnte gescholtenes und zensiertes Meisterwerk, nicht nur des frühen Ton- Kinos, daß trotz seines Alters und der damit verbundenen eigenwilligen Präsentation und optischen Fremde bis heute nichts von seiner Intensität eingebüßt hat.
Im Gegenteil, nimmt man die reduziert wirkende Erzählweise und konzentrierte Aussagekraft besonders auf und selbst das schräge, daß Ganze ins Reich der bizarren Phantasie katapultierende Ende, das dennoch starken Charakter besitzt, schmälert die erschreckende Nachvollziehbarkeit und Realitätsnähe des Geschehens kein bißchen.
Gleiches gilt für die sehr überzeichneten Charaktere, man bedenke allein die arrogante Cleopatra, deren Name wohl nicht zufällig der berüchtigten Ägypterin aus der Antike gleicht, und den minderbemittelten Hercules.
Browning holte sich Mißgestaltete aus diversen Zirkus- Unternehmen (siamesische Zwillinge, einen Mann ohne Arme und Beine, eine Frau ohne Arme...) und machte sie zu den Hauptakteuren in seinem brillanten Film. Tatsächlich schaffte er es, im Verlauf der Handlung den Zuschauer dazu zu bringen, diese als sympathische und liebenswerte Geschöpfe zu akzeptieren und zu respektieren. Nicht genug dessen, gelang es ihm ebenfalls, dem Zuschauer einen Spiegel vorzuhalten und ihn regelrecht an den Pranger zu stellen. So ist die „normale“ Cleopatra eine überspitzte, karikierte Verkörperung des gemeinen Menschen. Während die meisten anderen normal gestalteten Menschen in diesem Film den „Freaks“ mit offener Ablehnung gegenübertreten, sie nicht nur mißachten, sondern sie am liebsten ganz aus ihrem Sichtfeld verbannen möchten, legt sich die schöne Cleopatra gar noch eine Maske zu, um ein durchtriebenes Spiel mit einem der Mißachteten zu treiben. Hinter ihrer Fassade lauern Gemeinheit und Gier.
Wunderbar verdrehend, was das mehr als ungewöhnliche Verhältnis von „normal“ und „unnormal“ betrifft, ist dabei die Hochzeitsfeier. Während die „Freaks“ in ungezwungener Fröhlichkeit agieren und Emotionen freinen lauf lassen (können), ist Cleopatra gezwungen, ihre Maske aufrecht zu erhalten und wirkt dementsprechend wie ein Störfaktor innerhalb der Gemeinschaft.
Ein erster Klimax ist dann bereits erreicht, als die „Freaks“ Cleopatra das warmherzige Angebot machen, eine von ihnen zu werden („One of us !“) und dies wahrlich freundlich meinen. Cleopatra verhöhnt dies, macht sich über Hans lustig und damit über alle anderen „Freaks“. Denn wie wir alle wissen, sind Freundschaften unter „Ausgestoßenen“ und „Außenseitern“ besonders intensiv.
Das Finale zählt wohl zu den atmosphärischsten Sequenzen der Filmgeschichte und scheint in seiner Komposition und den unglaublich düsteren, fremden Details, die in der Kontrast- betonten schwarz/weiß- Fotografie wahre surrealistische Höhen erreichen, wie ein Gemälde des phänomenalen Malers Hieronimus Bosch, der ja bevorzugt Todesthemen und Abnormitäten in seinen Werken verarbeitete.
Browning gelang es hervorragend, die makaberen Aspekte der Geschichte und der Situationen auszuschöpfen. So ist das Ende rückblickend gesehen neben der Rache auch eine Erfüllung des Angebots auf der Hochzeitsfeier.
In diversen Ländern wurde der Film schlagartig nach der Erscheinung verboten. In England hob man das Verbot erst 1963 auf.
Mit nur einer Länge von etwas über einer Stunde ist der Film recht kurz, hat damit aber nicht nur eine angenehme Knappheit, zieht seine Handlung also nicht unnötig in die Länge, sondern erhält damit auch parablischen Umfang, der ihm verweisend auf den Inhalt hervorragend steht.
Für die Deutsche Fassung setzte man Untertitel unter die Originalfassung (also in englischer Sprache). Sie ist gelegentlich im TV zu entdecken. Meist in den Dritten Programmen und verständlicherwesie erst zu vorgerückter Stunde.
Fazit
Der vielleicht beste, weil konsequenteste und inhaltlich reichste Film aus der Hand Brownings und sowohl ein Monument in der Filmgeschichte, als auch ein ehrlicher Appell an die Humanität, das bis heute nichts von seiner Intensität eingebüßt hat, durch seine teils befremdliche Optik nur gewinnt und dessen Naivität und unverkrampfte Offenheit einerseits bedrückt, andererseits zudem den Kritikpunkt eines moralischen (und verlogenen) Fingerzeigs im Keim erstickt.