Ein wirklich unglaubliches Werk.
Browning war in seinem Schaffen nicht nur der damaligen Filmindustrie, sondern auch der Gesellschaft in ihrem Umgang mit Menschen abseits der leidlichen "Norm" Jahrzehnte voraus.
Nach dem großen Erfolg mit "Dracula" gab MGM freie Hand bei der Produktion eines weiteren Horrorfilms. Brwonings Kardinalsfehler war, das beim Studio, den Kritikern und erst recht bei den Zuschauern ein völlig falsche Erwartungshaltung weckte. Den Freaks ist alles andere, bloß kein Horrorfilm. Nach damligen Maßstäben war er dies vielleicht vordergründig, aber schon damals konnte man hinter die Kulisse schauen.
Der Film verfehlt trotz des Umstandes, dass eine halbe Stunde fehlt, beim aufgeklärten Zuschauer seine Wirkung nicht. Hier sind die Außenseiter der Gesellschaft diejenigen, die Humanismus und Menschlichkeit verkörpern.
Zur Menschlichkeit gehören aber nicht nur die Suche nach Liebe, Respekt und Anerkennung. Hierzu gehören auch Schwächen, nämlich aus Angst, andere zu verletzen und in dieser Angst über das notwendige Maß hinauszugehen, Rache zu üben, Rache für Verhöhnung und Ausgrenzung.
Die Stärke diese Films ist also, dass Andersein weder verniedlicht oder bemitleidet noch verabscheut oder gar zur Schau gestellt wird.
Er stellt Menschen einfach als Menschen dar. In den 30er Jahren hat das nur kaum jemand verstanden.
Letztendlich hät uns Browning einen Spiegel vor. DIE Norm gibt es nicht. Wir sind alle in irgendeiner Beziehung Freaks. Je perfekter man nach außen scheint oder sich zu präsentieren verucht, umso mehr stellt man sich ins abseits. Schlimmstenfalls, ohne es zu merken.
Allerdings werden die eigentlichen Aussagen mit dem Holzhammer vermittelt, etwas weniger "Anders sein" hätte es auch getan.
Man kann nur erahnen, welch Meisterwerk man zu sehen bekommen würde, wenn man die vollständige Fassung sehen dürfte.
8,5/10