Review

Andrew Bellware und Pandora Machine: Kritische Würdigung (3)

PROMETHEUS TRAP

(PROMETHEUS TRAP)

Andrew Bellware, USA 2012

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!

Ich hatte mir vorgenommen, mich einmal etwas näher mit dem Schaffen des New Yorker Mikro-Studios „Pandora Machine“ zu beschäftigen, und so habe ich mir nach Android Insurrection und Clonehunter nun einen dritten Film von Andrew Bellware angesehen: Prometheus Trap. Natürlich handelt es sich auch bei diesem unmittelbar nach Android Insurrection produzierten (und mockbustermäßig im Fahrwasser von Ridley Scotts ebenfalls 2012 erschienenen Prometheus rudernden) Streifen wieder um einen, ähm ... Science-Fiction-Thriller – man darf also ahnen, was auf einen zukommt, obgleich hier die Vorzeichen etwas besser als bei den beiden anderen genannten Bellware-Arbeiten stehen. So gibt die IMDb in diesem Fall ein immerhin nicht gänzlich vernachlässigbares Budget an („The Asylum“ produziert für weniger Geld Filme, die zwar auch miserabel sind, dies aber wenigstens auf professionelle Weise), und die Bewertungen in den großen Datenbanken sind nicht ganz so desaströs wie bei anderen Erzeugnissen aus der Pandora-Maschine. Für vorauseilende Euphorie reicht das freilich vorn und hinten nicht: Wir reden noch immer über einen Andrew-Bellware-Film ...

Wie schon Android Insurrection und Clonehunter entführt uns auch Prometheus Trap in eine ziemlich ferne Zukunft, wobei in diesem Fall aber nicht explizit das 26. Jahrhundert angegeben wird. Wir begleiten die überschaubare Besatzung des Raumschiffs „Venom“, sprich Captain Gloria Haskin, ihren Untergebenen Sergeant Nicholas Rhodes und den Androiden Finn (ohne Androiden kann Bellware offenkundig nicht leben). Die beiden Menschen erwachen gerade aus einem „Kälteschlaf“ in aufgehängten Kleidersäcken und möchte einfach nur nach Hause (wobei dieses Zuhause aber nicht die Erde ist, mit der man sich wohl gerade im Krieg befindet oder befand oder whatever). Daraus wird leider nichts: Sie müssen noch draußen im Weltall bleiben und sollen erst einmal nach dem Raumschiff „Prometheus“ schauen, dessen Besatzung sich schon seit Längerem nicht gemeldet hat und das irgendeine Wunderwaffe mit sich führt, die dringend sichergestellt werden soll.

Mies gelaunt ist man ungefähr zehn Sekunden später am Ziel und findet dort sechs Leichen, die unvermeidbare Androidin Artemis und die beiden übrigen, in ihren Wäschesäcken schlafenden Besatzungsmitglieder vor: Captain Harris Cornell und die Bordingenieurin oder eher Bordhandwerkerin Melissa Trent. Die beiden sind indes nach dem Wecken keine große Hilfe (im Gegenteil) – erhellende Auskünfte verspricht da eher die Androidin, aber die nimmt unerklärlicherweise erst einmal nur um Sekundenbruchteile genau die Sätze vorweg, die von unseren Helden gesprochen werden. Irgendwann teilt sie jedoch ihrem Artgenossen Finn mit, dass unausweichlich „das Ende naht“. Stimmt: Die seelisch etwas indisponiert wirkende Bordhandwerkerin Trent erschlägt die Venom-Astronauten Haskin und Rhodes mit einem Brecheisen und verwendet dann die tatsächlich vorhandene Wunderwaffe dazu, die Prometheus mitsamt ihrer selbst und dem kompletten restlichen Personal in die Luft oder eben das Vakuum des Alls zu jagen.

Das Ende? Mitnichten. Auftritt der eigentlichen Idee hinter dem ganzen Treiben: Die Venom-Crew trifft auf der Prometheus ein und findet dort sechs Leichen, die Androidin Artemis und die beiden übrigen, in ihren Wäschesäcken schlafenden Besatzungsmitglieder vor ...

Aha – eine Zeitschleifengeschichte ist es also, die uns Andrew Bellware und sein Skriptautor Steven J. Niles erzählen. In der Folge treffen die Helden noch weitere vier oder fünf Mal auf der Prometheus ein, und in kleinen Schritten arbeitet das Skript daran, das Geheimnis des empfindlich gestörten Zeitkontinuums aufzulösen und die Handlung ihrem Ziel entgegenzuführen. So weit, so brauchbar: Wenn man nur die Story betrachtet, fühlt sich Prometheus Trap keineswegs wie die schrottige Laienproduktion an, die hier erwartet werden musste. Es stecken ein paar interessante Gedanken darin und man spürt auch, dass versucht wurde, die geschilderten Entwicklungen halbwegs zu durchdenken. Dass dabei allerlei fachlich Gewagtes geschwatzt wird, ist im Genre nicht ungewöhnlich – wer schon das eine oder andere Mal Kontakt mit dem haarsträubenden Unsinn hatte, der einem in diversen Asylum-Gurken als Wissenschafts-Background aufgetischt wird, lässt sich nicht mehr davon aus der Ruhe bringen, dass es sich bei der erwähnten Prometheus-Wunderwaffe um einen „Chrononpartikeldestruktor“ (so etwas mag Bellware – wir erinnern uns gern an den „Kernlevelroboteraktuator“ aus Android Insurrection) beziehungsweise eine „Zeitfeldkanone“ handelt, die „jedes beliebige Ziel aus dem Zeitstrom entfernen kann“.

Das Problem liegt andernorts: Es fällt extrem schwer, sich auf die Handlung und ihre „Feinheiten“ zu konzentrieren, weil man ununterbrochen das (selbstredend berechtigte!!) Gefühl hat, dass daran irgendetwas nicht stimmt und man auf einem Feld voller Logiklücken herumstolpert. Jedem fragwürdigen Detail kann man sich indes nicht widmen, und so muss man das Geschehen doch ein gutes Stück weit an sich vorbeilaufen lassen. Das gilt sogar für den immerhin recht überraschenden, aber eben auch verwirrenden Schluss, den ich zugegebenerweise beim ersten und bislang letzten Ansehen (ich will natürlich auch keine Wissenschaft aus Prometheus Trap machen) nicht vollumfänglich deuten konnte: Wieder einmal wird alles in die Luft beziehungsweise das Vakuum gejagt, diesmal aber auf eine andere Weise. War das nun wirklich das richtige und endgültige Ende (was schon bemerkenswert wäre – ich traue es diesem Film eigentlich nicht zu), oder wurde die Prometheus einschließlich des anwesenden Personals nur aus ihrer „Zeitblase“ entfernt? Oder – ach, ich weiß es nicht (und kann mir gut vorstellen, dass es nicht einmal Andrew Bellware weiß ...). Egal. Erst einmal ist sie jedenfalls weg, die Prometheus.

In Sachen Optik und Ausstattung ist Prometheus Trap derweil eine ganz typische Pandora-Machine-Produktion, das heißt, sie sieht ultrabillig und schwer nach Amateurarbeit aus – nie und nimmer jedoch nach dem kolportierten Budget von 560.000 Dollar. Gedreht wurde offenbar wieder in einer (beziehungsweise der) kleinen Metallfabrik beziehungsweise Schlosserei, was heißt, dass das „Raumschiff“ Prometheus Wände aus Wellblech und Beton und Fenster mit vergammelten Holzrahmen hat – und auch eine Gasleitung darf nicht fehlen. Für die Eineinhalb-Mann-Cockpits der „Raumschiffe“ (die Prometheus und die Venom nehmen sich da grundsätzlich nichts) waren eine steinzeitliche Motorola-Tastatur und ein paar Industriemanometer übrig, und die „Kälteschlafkammern“, ich sag’s noch einmal, sind durchsichtige Kleidersäcke, in denen die Schlummernden über einen Staubsaugerschlauch beatmet werden. Nach dem Erwachen aus dem „Kälteschlaf“ ziehen sich Captain Haskin und ihr Kollege Rhodes übrigens vor einer langen Reihe verkeimter Stahlspinde um, an denen (auf Klebebandfetzen geschmiert) irgendwelche Namen stehen – vermutlich die der Arbeiter, die dort ihre Kleidung wechseln, wenn Andrew Bellware nicht gerade ein Raumschiff aus der fernen Zukunft filmen will. Über weitere „futuristische“ Details muss man da gar nicht mehr reden.

Dass auch die eingesetzten CGI-Effekte jämmerlich sind, versteht sich von selbst (als Beispiel sei die immergleiche Explosion genannt, die man bei jedem „Ende“ zu sehen bekommt – ohnehin werden hier unter dankbarer Ausnutzung der Zeitschleifen-Grundidee zahllose Einstellungen mehrfach verwendet). Einzig die Weltraumaufnahmen, bei denen es sich letztlich aber auch um kaum mehr als eine ständig wiederholte Weltraumaufnahme handelt, wirken auf den ersten Blick recht ordentlich – allerdings sieht die Prometheus warum auch immer wie ein überdimensionales sechzehnstelliges Zahlenschloss und die Venom wie ein alter Blechcontainer aus. Zudem fragt man sich, warum beide mit ungefähr dreitausend hellblau blinkenden Lämpchen bestückt sind.

Aber auch wenn es noch so viel blinkt, bleibt Prometheus Trap angesichts seiner elenden Ausstattung und der sicheren Annahme, dass die Darsteller keine astronomischen Gagen eingestrichen haben, den Nachweis schuldig, wofür hier immerhin mehr als eine halbe Million Dollar verbraten wurde (ich gehe einmal davon aus, dass die Mitwirkenden allesamt aus Bellwares engerem Bekanntenkreis stammen). Die lächerlichen Astronautenhelme, deren Schöpfer sogar creditiert wurde, sollten die Ausgaben jedenfalls nicht allzu sehr in die Höhe getrieben haben – aber vielleicht war ja das Brecheisen der Prometheus-Bordhandwerkerin teurer als man denkt.

Bleiben wir noch ein wenig bei den gerade angesprochenen Darstellern. Schauspielkunst darf in einer Produktion wie dieser natürlich niemand erwarten – eher sollte man sich mit der Hoffnung begnügen, dass es nicht allzu schlimm kommt. Tut es nicht – und das ist doch schon mal eine gute Nachricht. In der wichtigsten Rolle als Venom-Android Finn (und fast haargenaue Kopie seines Kollegen Data aus den Star Trek-Filmen) ist Michael Shattner zu sehen, und der erledigt seinen Job unaufgeregt und ziemlich souverän. Rebecca Kush ist als Venom-Kommandantin Haskin auch ganz gut dabei, verliert aber aufgrund ihrer etwas zu gewaltsam auf cool gepolten Rolle ein, zwei Sympathiepunkte. An der Seite von Laura Schlachtmeyer tritt sie übrigens ferner als Produzentin in Erscheinung und hat auch gleich noch den Schnitt übernommen, ohne dabei unangenehm aufzufallen – auch wenn’s mitunter etwas ruckelt. Ein schönes Wiedersehen gibt es darüber hinaus mit Sarah-Doe Osborne, die in Android Insurrection die rothaarige Androidin Yurra-1 gespielt hat, als ... genau, Androidin. Hier: Artemis an Bord der Prometheus. Dabei macht sie wieder sehr ordentlich ihr Ding – doch für die große Karriere hat’s nicht gereicht: Nach den beiden genannten Auftritten wurde sie nur noch ein einziges Mal engagiert – drei Jahre später und wieder von Andrew Bellware. In Robot Revolution hat sie ein sehr kleines Röllchen, und zwar vermutlich als Roboter oder Zombie (was für ein Elend ...) – Genaueres ist derzeit nicht zu ermitteln und ehrlich gesagt auch nicht wirklich wichtig. Ich hoffe nur, dass Sarah-Doe Osborne in Sachen Schauspiel keine allzu großen Pläne und Hoffnungen hatte. 

Der Rest des Casts, Andrew J. Langton als Sergeant Rhodes sowie James Edward Becton und Kate Britton als Prometheus-Besatzung Cornell und Trent (und das ist in der Tat der gesamte Rest) bleibt immerhin auf dem Teppich und bringt die Angelegenheit halbwegs würdevoll hinter sich. Echte Ausfälle sind also nicht zu beklagen. Der Score ist schließlich wieder einmal das eindeutig Beste an einer Pandora-Machine-Produktion – das fällt langsam auf. Es handelt sich um ziemlich gewagte Elektronik mit Ambient-Teppichen und bisweilen wilden Geräuschen, die überwiegend recht kalt daherkommt, aber auch einnehmende Passagen aufweist und gelegentlich sehr wirkungsvoll von tiefen Violinenklängen unterstützt wird. Verantwortlich ist dafür eine reichlich obskure Formation namens „Pleasure for the Empire“, hinter der wieder einmal ... Andrew Bellware persönlich steckt. Im Internet findet man hierzu ein Album mit dem schönen Titel „The Oceans of Ganymede“ und pseudopsychedelischer Gitarrenmusik, ein paar atmosphärische Livestream-Aufnahmen und die wirklich abgefahrene Avantgardemusik zu einer „Puppenoper“ namens „The Lucid Wildflowers“, bei der man Pandora-Machine-Produzentin Laura Schlachtmeyer als Hauptfigur Lulu trällern hören kann. Das ist schon fast große Kunst. Zumindest für seine musikalischen Aktivitäten darf man Andrew Bellware also durchaus ein Kompliment machen – was er als Verantwortlicher für „Pleasure for the Empire“ oder auch „Prague Spring“ abliefert, ist um Welten besser als seine Filme und hört sich zum Teil wirklich gut an.

Aber zurück zu Prometheus Trap, dem hier besprochenen Versuch in intelligenter Science-Fiction. Aus mittlerer Entfernung betrachtet ist dieser Film weniger verunglückt als zu erwarten war, aber mit einem solchen Urteil muss man vorsichtig sein: Im gegebenen Fall ist nämlich sehr deutlich das Phänomen zu beobachten, dass man gewisse Mängel nicht mehr ernst nimmt beziehungsweise nicht mehr objektiv bewertet, wenn man sich an sie gewöhnt hat. Im Prinzip sollte man laut aufschreien, wenn einem jemand in bester Space Mutiny-Manier eine alte Werkhalle mit Wellblechwänden als Inneres eines Raumschiffs verkaufen will, aber sofern man von den gleichen Produzenten Android Insurrection kennt und vor Kurzem Clonehunter angeschaut hat, dann nimmt man das schon fast als normal hin. Also Vorsicht: Keimige Stahlspind-Reihen mit irgendwelchen draufgeschmierten Namen, Gasleitungen, Blech- oder Betonwände und diverses Industrie-Interieur sind an Bord eines Raumschiffs nicht normal – weshalb natürlich auch Prometheus Trap eine Trash-Granate allererster Kajüte darstellt. 

Wenn darüber Klarheit herrscht, darf man jedoch konstatieren, dass der Streifen tatsächlich besser ist als seine Stallgefährten Android Insurrection und Clonehunter – sowohl inhaltlich als auch darstellerisch und sogar optisch (immerhin, und dafür bin ich Bellware extrem dankbar, wird hier nicht bei jedem zweiten Take frontal in irgendeine Lampe gefilmt). Aber wie gesagt – Vorsicht: Ein solcher Vergleich spricht nicht wirklich für den vorliegenden Film, sondern eher gegen die anderen. Trash-Freunde können also beruhigt sein: Auch wenn Prometheus Trap im Kontext des Pandora-Machine-Schaffens erstaunlich gelungen anmutet, muss man noch lange nicht befürchten, von Andrew Bellware demnächst auch nur Mittelmaß vorgesetzt zu bekommen.

(04/20)

PS: Auf YouTube kann man sich übrigens die oben erwähnte Puppenoper „The Lucid Wildflowers“ in voller Länge von etwa fünfundzwanzig Minuten ansehen und dabei an der Frage verzweifeln, ob man nun lachen oder heulen soll: Nachdem wiederholt durch ein Schriftband mitgeteilt wurde, dass man sich nun in einem Schwellenraum befindet und für eine Bewusstseinserweiterung offen sein soll, werden zum folgenden gesprochenen und gesungenen Text Scherenschnittfiguren an Stäben vor ein paar kleine Winterlandschafts-Standbilder gehalten und bewegt (gern auch mit der Hand des Ausführenden), während am unteren Bildrand (leider sehr klein) Andrew Bellware mit rosa Hasenohren ein paar Computer und einen Schlagzeuger dirigiert ... Zu alledem gibt es eine schöne und aufschlussreiche Q&A-Liste. (Beispiel: „What’s the story?“ Bellware: „It’s absurdist. There is no story.“) Wer also Prometheus Trap gut überstanden hat und noch ein wenig weiterstaunen möchte, ist bei den luziden Wildblumen ganz gut aufgehoben.

Für Prometheus Trap gibt’s derweil 3 von 10 Punkten.





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