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Den historischen Hintergrund der Legende des Kannibalen und Serienkillers Sawney Bean will ich nicht groß ausführen, er beginnt allerdings schon früh im 15. Jahrhundert und erweist sich als hartnäckig in den Köpfen der Bevölkerung. Er und seine Frau sollen über 1000 Opfer auf dem Gewissen und durch den eigenen Verdauungstrakt befördert haben. Schnell hat man aber auch gesehen, dass man dies als eine Touristenattraktion vermarkten kann. Im Film SAWNEY: FLESH OF MAN (in Deutsch mal ausnahmsweise bescheiden nur zu: SAWNEY: MENSCHENFLEISCH geworden) ist Sawney sogar als moderner Taxifahrer getarnt, um Frischfleisch in seine Höhle zu locken. Zuhause hat "Mama" schließlich Hunger und auch die gewohnt missratenen Söhne sind nur als fleischgeile Handlanger zu gebrauchen.

Weitere Details der Story dürfen in gewohnter Weise im Hintergrund verbleiben. An was erinnert das jetzt schon? Korrekt, neben diversen Backwood-Epigonen primär etwas an unseren all-time Klassiker TEXAS CHAINSAW MASSACRE (TCM). Auch wenn man die Hauptperson Leatherface aus TCM schmerzlichst vermisst. Aber das wird wettgemacht durch eine sehr freakige Crew und angenehm überzogene und handwerklich hervorragende sehr schwülstige Gore-Effekte, die auch den letzten anspruchsvollen Gorehund hinterm Ofen vorlocken werden. Es gibt lose Körperteile aller Art, gröbste Verletzungen und sogar kleine TorturePorn Einlagen. Dagegen wirken unsere Freaks von WRONG TURN wie eine FSK 12 Version von SAWNEY.

Wo andere Backwood Slasher nur andeuten, fängt SAWNEY erst an. Unser sympathischer Profischlachter Sawney geht gleich mit vollem Elan und Breitseite zu Gange und gefühlt gehen Tonnen von Menschenfleisch durch seine kreativen Schlachtbänke. Viel Witz ist nicht vorhanden, vielmehr extrem schwarzer und blutig-roter Humor und teilweise richtiggehende Zerstörungsorgien mit diabolischem Verhalten. Hauptdarsteller David Hayman als Sawney steigert sich dermaßen in seiner Rolle rein, dass es richtig knallt und Spaß macht. Religiös und psychopatisch, schnell zu reizen und unerbittlich, aber auch immer gerne für leichte Philosophie und die große Pose zu haben metzelt er sich durch SAWNEY hindurch.

Alles immer schön old-school, ohne wirkliche Neuerungen oder ungesehene kreative Ideen, aber immer bis zum bluttriefenden Anschlag. Aber auch für seriösen Storyaufbau und etwas Charaktertiefe lässt sich SAWNEY zwischen den primär rotgetränkten Szenen genügend Zeit. Wer immer kann, dem würde ich empfehlen den Film im Original zu schauen, nur so kann man die Besonderheiten und Schärfe des schottischen Dialekts genießen, der so herrlich zu den ausschweifenden und respektlosen Bildern passt. Der düstere und abwechslungsreiche Soundtrack passt ebenso zu den schwülstigen Bildern und bedient sich nicht einfach stereotypischer Vorbilder. Apropos Bilder.

Davon gibt es neben der reichlich vorhandenen roten Farbe sehr schöne Aufnahmen des schottischen Hochlands zu bewundern, die eine regelrechte kurze Verschnaufpause aus den meist im Dunkeln und Unterirdischen spielend Hauptszenen sind. Regisseur Ricky Wood hat wohl bisher eher in einer TV-Serie und in einem Kurzfilm Erfahrung sammeln können. Auf dem Regiestuhl hat er sich mit der vorliegenden Hommage an alle Backwoodhorrorstreifen, insbesondere TCM, WRONG TURN und ähnliche und seiner absoluten Kompromisslosigkeit in Bezug auf handwerkliche Gorefreuden in die Herzen der künftigen Fans gearbeitet. Ein zweiter Teil darf gerne kommen.

6,5/10 Punkten

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