Mitten im kalten Krieg, 1968, kreuzt ein sowjetisches U-Boot der Golf-Klasse mit einem besonderen Auftrag im Pazifik: Ausgestattet mit einer neu entwickelten Radar-Tarnung - dem titelgebenden Phantom - soll es sich einem US-Flottenmanöver nähern und eine seiner 3 Atomraketen abfeuern. Offiziell als chinesisches Boot firmierend soll auf diese Weise ein Atomkrieg zwischen China und den USA entfesselt werden, aus dem die nicht beteiligte Sowjetunion dann als lachender Dritter hervorgeht. Auch wenn Letzteres bis heute unbewiesen und somit noch ins Reich der Verschwörungstheorien gehört, hat es dieses K-129 genannte U-Boot tatsächlich gegeben: 6 Jahre nach dessen ungeklärtem Untergang und vergeblichen Suchaktionen der sowjetischen Seite gelang es den Amerikanern, in einer geheimen Aktion zumindest Teile des gesunkenen U-Boots nördlich von Hawaii zu bergen. Bis heute jedoch werden die Ergebnisse seines ursprünglichen Auftrags wie auch der Bergung sowohl von amerikanischer wie auch von russischer Seite unter Verschluß gehalten.
Rund um diese geheimnisumwitterte historische Begebenheit hat Regisseur Todd Robinson ein Drehbuch geschrieben, in dem er den vor der Pensionierung stehenden, altgedienten Kapitän Demi Zubov (Ed Harris) noch einmal auf diesem technisch überholten U-Boot in See stechen läßt. Zubov, dem wegen eines tragischen Unglücks auf einem anderen von ihm befehligten U-Boot die höchsten Weihen der sowjetischen Flotte verwehrt blieben, wundert sich zwar, befolgt aber die Anordnung aus höchsten Kreisen - offiziell ist das veraltete U-Boot nämlich ein Geschenk an die Chinesen, welche nach offizieller Lesart wie die USA zu den Feinden der Sowjetunion zählen und mit dem Überlassen dieser "Museumsstücke" bei Laune gehalten werden sollen. Was Zubov, der in aller Eile nur einige Männer seiner Stammbesatzung (darunter sein Erster Offizier Alex Kozlov, dargestellt von William Fichtner) mitnehmen kann, nicht ahnt, ist der spezielle Auftrag dieses Bootes: Einige als Techniker getarnt mitreisende Besatzungsmitglieder unter der Führung von KGB-Offizier Bruni (David Duchovny) installieren und testen die neuartige Radar-Tarnung. Als diese dann wie gewünscht funktioniert, übernehmen sie mit Waffengewalt das Kommando an Bord und zwingen Zubov, der die Zusammenhänge zu ahnen beginnt, sich der US-Flotte zu nähern und eine Atomrakete startklar zu machen.
Phantom handelt vor allem vom psychologischen Duell zwischen Bruni und Zubov: der eine will die amerikanische Erstschlagfähigkeit durch einen fingierten chinesischen Angriff unterminieren, der andere (Zubov) um jeden Preis einen dritten Weltkrieg verhindern. Eine Paraderolle für Ed Harris, der nicht frei von Selbstzweifeln den alternden Realisten spielt und mit seiner humanistischen Gesinnung zunächst auf verlorenem Posten zu stehen scheint, während sein jüngerer, dynamischer(er) Gegenspieler Duchovny nach der Devise "Wenn wir die Möglichkeit haben, dann nutzen wir sie auch" handelt und dabei über Leichen geht. Der historische Hintergrund und das Resultat begrenzen freilich ein wenig den filmischen Spielraum, denn am Ende gewinnt vorhersehbarerweise der sympathische Zubov, auch wenn er dies mit dem Leben bezahlt.
Gedreht auf einem original russischen U-Boot aus einem US-Museum vermag Phantom durchaus Spannung zu erzeugen, wenn die feindliche Übernahme durch Teile der Besatzung, ein probeweises Tarnmanöver unter einem Frachtschiff oder verzweifelte Sabotageakte anstehen - auch das Aufdecken von Zubovs früherem "Fehlverhalten" und seine Rechtfertigung dafür vor jenen Teilen der zu ihm haltenden Mannschaft sind wie Harris´ ganze Rolle durchaus sehenswert. Diesmal mit wettergegerbtem Gesicht und schmalem Haarkranz auftretend (inklusive der gewohnt hervorragenden deutschen Synchronstimme von Wolfgang Condrus) trägt der profilierte Charakterdarsteller den Film fast alleine. Weltanschauliche Differenzen bleiben weitgehend im Hintergrund, vielmehr ist es trotz einiger Action-Einlagen gegen Ende des Films ein sich weitgehend auf charakterlicher Ebene abspielendes Drama. Wenn man über einige historische Unkorrektheiten (wie der kirchlichen Heirat eines Matrosen, was seinerzeit selbstverständlich strengstens verboten bzw. unmöglich war, dem allgemein fehlenden russischen Akzent bei den Dialogen etc.) sowie einige technische Fehler (wie dem nach Containerhafen statt nach U-Boot-Werft aussehenden Stützpunkt oder dem hochmodernen Frachtschiff, das es seinerzeit noch nicht gab und das im Film fälschlich als "Tanker" bezeichnet wurde) hinwegsieht, bleibt Phantom ein sehenswerter U-Boot-Film.
Wem also The Hunt for Red October oder Crimson Tide und ähnliche Filme gefallen haben, dem sei auch dieses Werk ans Herz gelegt. 8 Punkte.