Auf der Basis eines zunächst ruhigen und anspruchsvoll ausgestatteten Horrordramas und solider darstellerischer Leistungen entfaltet WOULD YOU RATHER seine wahre Seele als kompromissloses Terrorfilmchen, das auf herkömmliche Moral nicht viel gibt und sich immer mehr in Richtung üblicher TorturePorn Gefilde begibt. Für Fans dieses Genres hat er durch seine expliziten Gewaltszenen, die beileibe nicht primär auf Blut, sondern eher auf psychologische Gewalt und einer ganzen Reihe von grotesken Ideen setzen und hat durchaus einige fiese Schmankerl im Gepäck, die für zartbesaitete Gemüter am Rande der Zumutbarkeit liegen könnten.
Auch die Story bietet ein prächtiges Szenario für diese Eigenschaften: Iris hat kein Geld um ihrem krebskranken Bruder eine Operation finanzieren zu können nimmt sie an einem obskuren Spiel eines reichen Mannes teil. Schnell merkt sie, dass das Spiel darin besteht, sich selbst oder anderen Schmerzen zuzufügen…Für meinen Geschmack bedient sich WOULD YOU RATHER erfreulicherweise weniger an den Vorbildern der Neuzeit wie SAW oder HOSTEL, sondern eher an den perfiden Vorbildern die die Gewalt im Kopfkino antreiben und nicht brachiale Zerstörungsorgien brauchen um die erwünschte Wirkung zu erzielen.
Ein aktuelles Beispiel, das auch von der "10-kleine-Ne…lein"-Methode Gebrauch machte, war "13". Ein großer Teil des hier vorliegenden Films spielt sich in einem Raum ab. Kammerspiel ruft da gerne der Cineast in die Runde. Auch Pasolinis 120 TAGE VON SODOM kommt mir in den Sinn aufgrund der seelenruhigen Demonstration von Perversität und Unmenschlichkeiten. Dementsprechend werden in WOULD YOU RATHER keine Rekorde in Form von Blutszenen gemacht. Das liegt auch nicht in seiner Absicht. Und so sind es eher mal Stromschläge, mal Peitschenhiebe und kleinere Quälereien.
Aber die schleichende, stetige und menschenverachtende Demontage jeglicher Moral macht den Faktor der Verstörung von WOULD YOU RATHER aus. Übliche Spannungskurven und einzelne Höhepunkte dramaturgischer Art sucht man vergebens, wenn eben primär die Dezimierung der Mitspieler im Mittelpunkt des fragwürdigen Geschehens steht. Gewisse logische Fragen darf man ruhig hinten anstellen und man muss sich auf das konstruierte Szenario mit den Wellen der inszenierten Gewalt einlassen sonst funktioniert es selbstverständlich nicht.
Mit dabei ist übrigens Horroraltstar und B-Film-Ikone Jeffrey Combs (u.a. RE-ANIMATOR und FROM BEYOND) der als Oberinszenator des Bösen mal wieder beweist, dass er Qualität auch in einen durchwachsenen Film bringen kann. Er sorgt für den durchgängigen roten Faden darstellerischer Präsenz und zelebriert Humor der schwärzesten Sorte. Am Ende setzt ein fieser Twist dem ganzen noch die Krone auf. Es verbleibt leider dennoch ein durchwachsenes Gefühl am Ende von WOULD YOU RATHER. Er ist hochwertig verfilmt und konsequent in seiner Umsetzung und moralische Fragen werden erfolgreich zertrümmert, wenn auch recht konstruiert und selbstzweckhaft in Szene gesetzt.
5,5/10 Punkten