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Seitdem „Saw“ und „Hostel“ mit Minibudgets zu dicken Abräumern wurden, finanzieren Produzenten gerne Geschichten um sadistische Spiele, Folter und Moralfragen, mal besser, mal schlechter, hier nun unter dem Titel „Would You Rather?“.
Hauptfigur ist die junge Frau Iris (Brittany Snow), die es nicht gerade leicht hat: Sie und ihr Bruder Raleigh (Logan Miller) sind Vollwaisen, knapp bei Kasse und zudem erkrankt Raleigh auch noch schwer an Krebs, doch Iris kann sich die teure Behandlung nicht leisten. Der Arzt Dr. Barden (Lawrence Gilliard Jr.) verweist Iris an den exzentrischen Shepard Lambrick (Jeffrey Combs), der für Bedürftige etwas Besonderes anbietet: Ein Spiel, dessen Gewinner genug Geld bekommt, damit er all seine Sorgen vergessen kann. Dass sich alle Teilnehmer als Verzweifelte herausstellen, verwundert nicht, denn das Angebot klingt zu gut um wahr zu sein und muss ja einen Haken haben.
Iris nimmt an dem Spiel teil und lernt im Vorraum die anderen Teilnehmer kennen: Den freundlichen Lucas (Enver Gjokaj), den Kriegsveteranen Travis (Charlie Hofheimer), den Spieler Peter (Robb Wells), Cal (Eddie Steeples), die Rollstuhfahrerin Linda (June Squibb), die Gothic-Zicke Amy (Sasha Grey) und den verschuldeten Alkoholiker Conway (John Heard). Ein buntes Potpourri, bei dem allerdings nicht alle Figuren so gut ausgearbeitet sind und von denen einige nur dazu zu sein scheinen, um die Runde vollzumachen und mehr Opfer bieten zu können.

Denn das Spiel stellt sich als Hardcore-Variante des titelgebenden Partyhits heraus. Anstatt die Wahl zwischen den bei dem Spiel üblichen Knutschereien oder Mutproben müssen die Teilnehmer auswählen, wer wie verletzt wird. Nichtteilnahme wird mit Disqualifikation bestraft – und zwar auf tödliche Weise…
Filmen dieser Art sowie artverwandten Werken wie Menschenjagdfilmen wohnt eigentlich immer eine leicht sozialkritische Komponente inne, zeigen sie doch, was Menschen für Geld zu machen bereit sind und wohin das soziale Abseits sie treiben kann. Doch abgesehen vom Aufzeigen des maroden US-Gesundheitssystems macht „Would You Rather?“ wenig aus dem Thema: Lambrick und sein widerlicher Sadistensohn Julian (Robin Lord Taylor) sind einfach nur reiche Egomanen, die hier einem dekadent-perversen Vergnügen fröhnen, die Motive der anderen Teilnehmer weisen bestenfalls dezent auf soziale Missstände hin und so geht es doch in erster Linie um das titelgebende Spiel.
Das behandelt „Would You Rather?“ dann aber mit überraschend viel Takt. Denn es wird nicht einfach auf irgendwelches Rumgesudel und Gesplatter draufgehalten, sondern das Meiste wird nicht direkt gezeigt und findet daher mehr in der Fantasie des Zuschauers statt – und erzeugt damit Unwohlsein, vielleicht sogar mehr als beim direkten Zeigen. Schade nur, dass „Would You Rather?“ derartigen Druck nur in Einzelszenen aufbaut, während der Spannungsbogen insgesamt krankt: Die besonders hassens- sowie besonders liebenswerten Figuren bleiben natürlich im Spiel, der Rest ist für den Häcksler da und sonderlich abwechslungsreich sind die Spiele nicht, da es darum geht jemanden anderen oder sich selbst zu malträtieren (teilweise haben die Spieler die Wahl zwischen den beiden Optionen), da ist es dann egal, ob nun Elektroschocks, Eispickel oder Stöcke eingesetzt werden. Hin und wieder steckt die eine oder andere interessante Idee dahinter, gerade wenn „Would You Rather?“ den Punkt beschreibt, an dem die Teilnehmer ihre zivilisierten Seiten hinter sich lassen und einander quälen anstatt sich wie zuvor gegenseitig zu schonen, wobei Amy überdeutlich als Katalysator fungiert.

Das Drumherum um das Spielchen, welches nun einmal die Hauptattraktion des Films darstellt, ist auch eher solala. Dr. Barden stellt sich als früherer Sieger einer Would-You-Rather-Gewissenspartie heraus, kriegt Gewissenbisse und taucht für eine nutzlose Szene noch einmal auf, von der sich jeder halbwegs Horrorerfahrene ausmalen kann, wie sie ausgeht. Auch Fluchtversuche gehören zwar wohl zwecks Glaubwürdigkeit dazu, sind aber egal, da man schon ahnt, dass sie vereitelt werden – es geht hier um das Spiel, also werden zumindest die Hauptfiguren es zu Ende spielen müssen. Apropos Ende: Zum Schluss holt „Would You Rather?“ dann noch mal für Schock und Düsternis einen bösen Twist heraus, der leider völlig gewollt wirkt und damit nicht den gewünschten Effekt erzielt, sondern eher verärgert.
Immerhin Jeffrey Combs zieht als exzentrischer Sadist mit eigenwilligem Ehrenkodex ordentlich vom Leder und kann dementsprechend punkten, da er sichtlich Spaß an der Rolle hat. Brittany Snow schlägt sich überzeugend als Heldin in Not, von den Nebendarstellern können vor allem Sasha Grey als bitchige Krawall-Uschi und Charlie Hofheimer als Veteran punkten, während John Heard eher lustlos mit Gebt-mir-einen-Paycheck-für-ein-paar-Drehtage-Gesichtsausdruck aufwartet. Lawrence Gilliard Jr. wird vollkommen verschenkt, Robin Lord Taylor nervt mit übelstem Overacting und den Rest vom Fest hat man schnell vergessen, ob seiner durchschnittlichen Leistungen.

„Would You Rather?“ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits hat der Film eine interessante Prämisse zu bieten, ist in seinen Gewaltszenen unangenehm ohne draufzuhalten und kann teilweise darstellen, wie Menschen in Extremsituation vom höflich-zivilisierten Umgang zum Kampf für den eigenen Vorteil wandeln. Leider baut der Rahmen nur begrenzt Spannung auf, der Film wiederholt sich und leidet unter einigen suboptimalen Drehbuchentscheidungen. Interessant, aber nur teilweise geglückt.

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