Review
von Leimbacher-Mario
Nurture Porn
„Would You Rather“ suhlt sich in unserer Neugier, in unserer Schadenfreude, in unserer Geilheit auf Schmerz, Tod und Perversionen, man könnte ihn als Prototyp-Verteter der Torture Porn-Welle beschreiben - und dennoch würde dann jeder einen wesentlich härteren, brutaleren, zeigefreudigeren Schocker erwarten, als er es eigentlich ist. Damit will ich nicht sagen, dass der Thriller harmlos oder zimperlich ist, er kann sogar richtig fies. Doch die obige Beschreibung oder auch das klasse Poster (mit der Rasierklinge am Auge) könnten eine Art „Hostel“ trifft „Ready or Not“ erwarten lassen - doch die Wahrheit ist dann (zum Glück!) ein ganzes Stück ambivalenter! Wir folgen einer jungen Frau, die für Geld und ihren kranken Bruder in einen „Spieleabend“ einwilligt, der dann doch deutlich kranker und diabolischer wird, als sie sich in ihren kühnsten Alpträumen hätte ausmalen können...
Ich mag solche oberflächlich simplen, psychologisch aber durchaus tiefergehenden kleinen Kammerspiele. „Would You Rather“ ist exploitativ genug, er hat definitiv Spaß an der Qual und dem Leiden, führt uns diese innersten Instinkte deutlich vors Auge, doch er bewahrt sich dabei immer eine gewisse Eleganz und einen soliden Stil. Der Score ist beispielsweise von Beginn an meilenweit besser, als es sonst bei solchen „Quälgeistern“ der Fall ist. Zudem ist mit Kevins Vater, einem wunderbar aufgelegten Jeffrey Combs und der sonst eher aus den unschuldigen „Pitch Perfect“-Filmen bekannten Brittany Snow eine durchaus solide Riege an bekannten Gesichtern versammelt. Die „Aufgaben“ reichen vom Auspeitschen übers Luftanhalten bis zu einer ganz speziellen Elektroschocktherapie, was definitiv genug Abwechslung in die Sache bringt. Und die letzten Momente bringen dann die dunkle Seele und das teuflische Grinsen dieses Films nochmal deutlich auf den Punkt. Wenn man also auf solche engen „Aufgabenfilme“ steht und auch nichts gegen Torture Porn hat - der ist hier in unterhaltsamer Gesellschaft. Da erträgt man selbst eine Sasha Grey, die lieber im Bett geblieben wäre.
Fazit: ein durchaus kurzweiliges, voyeuristisches und etwas unterschätztes „Torture Porn“-Kammerspiel, eher psychologisch als gory. Eine Mischung aus „Saw“, „Circle“ und „Exam“, mit viel bitterbösem Spaß an der Genrefreude. Und einem richtig fiesen (fast etwas frustrierenden) Finnish und starken Jeffrey Combs!