Philosophen versuchen die menschliche Existenz zu verstehen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, metaphysische Gesetzmäßigkeiten zu analysieren, logisch zu denken und ethisch zu handeln, - doch bevor sie all das unter einen Hut bringen können, sie die meisten von ihnen bereits gestorben. Autor und Regisseur John Huddles orientiert sich bei seinem Werk an Vorbilder wie "Die Welle", bleibt dabei jedoch zu theoretisch und ein wenig zu oberflächlich, um mit der tauglichen Prämisse den ganz großen Coup zu landen.
Eine internationale Schule in Jakarta, Indonesien: Der Philosophiekurs steht kurz vorm Abschluss, als Lehrer Zimit (James D'Arcy) seine 20-köpfige Schülerschaft zu einem Gedankenexperiment aufruft: Der atomare Supergau, ein Bunker, jedoch nur zehn freie Plätze für ein Jahr Quarantäne. Jeder zieht eine Karte mit Beruf und besonderen Eigenschaften, woraufhin die Schüler entscheiden und durchspielen müssen, wer ein Anrecht aufs Überleben hat und den Genpool neu begründen darf...
Insgesamt drei Mal wird die Situation durchgespielt, wobei man sich die Szenerie nicht wie ein dialoglastiges Debattieren in der Klasse vorzustellen hat, denn glücklicherweise bebildert Huddles all jene Gedankengänge, wenn auch zuweilen ein wenig steril und leicht surreal angehaucht.
Beim ersten Durchgang werden ausschließlich die Berufe verteilt. Bei einem Harfenspieler, einer Mode-Designerin und dem Speiseeishersteller stellt man im Geiste schon mal die moralischen Weichen, während ein Elektriker, ein Chemiker und eine Orthopädin durchaus hilfreich sein könnten. In der zweiten Runde gesellen sich zusätzliche Attribute hinzu, wodurch die Karten teilweise neu gemischt werden, da eine Opernsängerin, welche sieben Sprachen beherrscht, im Endeffekt nützlicher sein könnte als ein homosexuell veranlagter Bio-Bauer.
Leider fehlt dem Treiben ein wenig die Dynamik, auch wenn die Kernidee von vornherein Interesse weckt und die Umsetzung besonders bis zum Mittelteil recht spannend zu verfolgen ist. Denn unter den Teilnehmern kommt es nur bedingt zu Konflikten und lediglich die Rolle des Jokers, von Zimit selbst übernommen, sorgt für Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe.
Hinzu gesellen sich eklatante Logiklücken, denn wenn der Sauerstoff für zehn Leute genau ein Jahr ausreicht, warum sollte auf Biegen und Brechen sofort ein Baby für die Neugründung der Zivilisation gezeugt werden, wenn es durch sein natürliches Geschrei die Lebensdauer aller Übrigen aushaucht?
Der dritte Durchlauf schweift indes völlig ab, als die Vorzeigestudentin allein die Zusammensetzung bestimmen darf und sich langsam herauskristallisiert, auf welche Pointe der Stoff hinauslaufen könnte. Es bleibt zwar ein Gedankenspiel, da das Klassenzimmer zwischen alten Tempelruinen und Java-Stränden zwischendurch immer wieder als Ausgangspunkt in die Realität zurückholt, doch demgegenüber erscheint der anvisierte Twist beinahe banal.
Aufgrund der interessanten Ausgangssituation bleibt "The Philosophers" jedoch ein Streifen, der recht gut unterhält und unweigerlich zum Mitdenken einlädt, auch wenn die philosophischen Ansätze nicht über ein paar treffend bebilderte Exkurse zu Beginn hinausgehen. Darstellerisch ordentlich, handwerklich solide, sorgt Huddles primär in der ersten Hälfte für ein paar makabere Spitzen, während ihm in der zweiten Halbzeit ein wenig die Puste ausgeht.
Für eine einmalige Sichtung auf jeden Fall okay und für all jene empfehlenswert, die diese Was-wäre-wenn-Situationen gerne durchspielen.
6,5 von 10