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Ernst Hofbauers zweiter Schlagerfilm "Tausend Takte Übermut" blieb nach "Ferien in St.Tropez" (1964) nicht nur sein letzter Ausflug in die seit den frühen 50er Jahren populären Kino-Filme um aktuelle Gesangsstars und Sternchen, sondern wurde einer der letzten Vertreter dieses aussterbenden Genres, dass vor der tagesaktuelleren Fernseh-Konkurrenz kapitulierte. Auch für Vivi Bach, mit mehr als zehn Schlagerfilmen seit ihrem Debüt in "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) die wichtigste Protagonistin der Spät-Phase des Genres, leitete "Tausend Takte Übermut" das Ende ihrer Kino-Karriere ein. Zwar drehte sie gemeinsam mit den Co-Stars Hannelore Auer und Thomas Alder kurz danach noch "Komm mit zur blauen Adria" (1966), ebenfalls nach einem Drehbuch Thomas Billians, aber der spanisch-deutschen-Co-Produktion waren die Auflösungserscheinungen schon anzumerken. Von den zuvor verpflichteten Schlagerstars wirkte nur noch Manfred Schnelldorfer mit und statt Ernst Hofbauer übernahm dessen Regie-Assistent Lothar Gündisch einmalig die Regie.

Parallel zu „Tausend Takte Übermut“ produzierte Dr. Karl-Heinz Busse noch „Ich kauf‘ lieber einen Tirolerhut“ (1965), der nur drei Wochen später in den deutschen Kinos anlief. Billian hatte neben dem Drehbuch auch die Regie übernommen, assistiert von Gündisch, aber trotz Gus Backus, Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer auf dem Höhepunkt seiner kurzen Karriere als Schlagersänger konnte der Niedergang nicht mehr aufgehalten werden, wurde diese Produktion auch die letzte für Busse, der als Drehbuchautor im Heimatfilm begonnen hatte („Die Fischerin vom Bodensee“, 1956), bevor er zwischen 1962 und 1965 noch sechs späte Musikfilme beisteuerte. Ernst Hofbauer setzte seine Regie-Tätigkeit stattdessen bei „Die Liebesquelle“(1966) fort - mit Hans-Jürgen Bäumler in der Hauptrolle, der Schnelldorfer nicht nur als Eiskunstlauf-Star ablöste. Damit bewies Hofbauer früh Weitsicht, denn trotz der Heimatfilm-Komödien-Attitüde, machte der Film aus seiner sexuellen Ausrichtung kein Geheimnis mehr, setzte ausführlich auf Nuditäten und gab ihm die Gelegenheit, die unterschwelligen erotischen Anspielungen seiner Schlagerfilme zu konkretisieren.

In den 50er Jahren wurde noch versucht, den sexuellen Subtext des Musikfilms mit seinen leicht geschürzten Sängerinnen und Tänzerinnen mit möglichst tugendhaftem Verhalten der Protagonisten zu deckeln. Inzwischen durfte das Genre dank der fortschreitenden Liberalisierung mehr wagen - eine Konsequenz, die die seltsamsten Blüten trieb, denn so sehr es die Frauen und Männer zwischendurch krachen ließen, zuletzt hatte alles wieder seine schönste „Pärchen“-Ordnung. In dieser Hinsicht bildet auch „Tausend Takte Übermut“ keine Ausnahme, aber bis am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, verzichtete Hofbauer anders als noch in „Ferien in St.Tropez“ auf familiäre Elemente und ließ keinen Zweifel daran, worum es tatsächlich geht – um Sex.

Zwar wurde die Handlung erneut an Mittelmeer-Gestaden angesiedelt – diesmal geben die italienische Adria und Venedig den stimmigen Hintergrund ab – aber Urlaub macht hier keiner der Protagonisten. Als Anlass der Story dient die drohende Pleite der Plattenfirma „Melodia“, weshalb Manfred Reiner (Thomas Alder), begleitet von seinem Freund und Anwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer), mit dem Auftrag nach Italien geschickt wird, die glamouröse Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer) zu verführen, damit sie einen Vertrag bei seiner Firma unterschreibt. Während Reiner seine vermeintlich erfolgsversprechende Strategie bei der exzentrischen Sängerin anwendet, will Industriellen-Sohn Frank (Gus Backus) seinem Vater Robert Hilman (Harry Hardt) seine Braut schmackhaft machen. Dem präsidialen Hilman ist die in seiner Firma arbeitende, ihm persönlich unbekannte Sekretärin Michaela Andreas (Margitta Scherr) als Schwiegertochter zu wenig vorzeigbar, aber ihr gelingt es mühelos, den an die Adria gereisten Senior vom Gegenteil zu überzeugen.

Auch sein Aufenthalt kommt nicht ohne Hintergedanken aus, denn er will inkognito als Gast die Qualitäten seines Hotelpersonals überprüfen, die sich als äußerst dürftig erweist, da der Geschäftsführer Theodor Rassel (Fritz Benscher) und sein Portier Pizzanini (Fritz Korn) vor allem an ihrer persönlichen Bereicherung interessiert sind. Größtenteils verbringt Hilman aber seine Zeit mit der reizvollen Michaela, was seinen Sohn später zu der Bemerkung verleitet, warum er sie nicht gleich selbst heiratet. Nicht ganz unbegründet, denn zwischen dem Alten und der jungen Frau knistert es deutlich mehr als zwischen dem geplanten Liebespaar. Leider kommt es nicht zu dieser Konsequenz, ebenso wie Gunther Phillip in gewohnter Aufschneider-Rolle nicht den drei Mädels frönen darf, die ihm generös von der Hotelleitung zur Verfügung gestellt wurden. Bevor er zum Zuge kommt taucht seine Ehefrau (Edith Hancke) auf, die den Möchtegern-Casanova brachial zur Räson bringt.

Doch diese Konzessionen lassen nicht übersehen, mit welcher Ironie Billian und Hofbauer an den Filmstoff herangingen, bekannte Verwechslungs-Komödienelemente zitierten – Gunther Phillip wagte sogar den Jerry-Lewis-Sprung – und den italienischen Schlagersänger Peppino di Capri mit Besen als Arbeiter auf dem Hoteldach inszenierten, was heute noch lässig wirkt. Besonders Vivi Bach, in „Holiday in St.Tropez“ gewohnt seriöser Mittelpunkt des irren Geschehens, bewies hier ihr komödiantisches Talent und persiflierte ihre Rolle als blonder Blickfang. Selbstverständlich kommt am Ende auch sie wieder unter die Haube, ebenso wie das geschiedene Schlagerpaar Hannelore Auer und Rex Gildo als „Rick Tanner“ wieder zusammenfindet, aber diesen am Ende im Minuten-Takt verabreichten Happy-Ends fehlt jede Ernsthaftigkeit, um das zuvorige frivole Treiben noch zu kaschieren.(8/10)

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