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„Ist das gut für die Potenz?“

Sigi Rothemund alias Siggi Götz war Stammregisseur der deutschen „Lisa-Film“-Produktion und steuerte zu Beginn seiner Karriere u.a. bayrische Softsex-Klamotten bei. Glücklicherweise ließ er sich darauf jedoch nicht abonnieren und suchte beispielsweise für den 1976 veröffentlichten „Griechische Feigen“ auch Drehorte abseits süddeutscher Alpenfolklore auf. Diese Erotik/Softsex/Coming-of-Age-Dramödie führt bundesdeutsche Sexploitation in eines der beliebtesten deutschen Urlaubsländer: Griechenland.

„Wenn ich diese Schlampe finde, dann schlag’ ich sie zusammen, dass sie ihre Titten rückwärts trägt!“

Patricia (Betty Vergès, „Graf Dracula in Oberbayern“) weilt in Griechenland und sieht es gar nicht ein, zurück nach Deutschland zu kommen, um zu studieren. Das Rückflugticket, das ihr ihre Eltern beschafft haben, gibt sie kurzerhand weg und beschließt, zunächst im Urlaubsparadies zu verweilen. Die freizügige, selbstbewusste junge Frau befindet sich auf der Suche nach erotischen Abenteuern. Diese findet sie, gerät jedoch auch in gefährliche Situationen und lernt schließlich den Segler Tom (Claus Richt, „Das Wirtshaus der sündigen Töchter“) kennen, in den sie sich verliebt. Hat sie ihre Odyssee zu ihrer großen Liebe geführt?

„Wieso denken alle Leute nur ans Bumsen, wenn sie mich sehen?“

Die nach anfänglichen Nacktszenen im Kreise ihrer Eltern und derer Gäste (!) zunächst noch eine geschmacklich fragwürdige Coca-Cola-Jacke tragende Patricia foppt einen verlogenen Ehemann, entkommt einem Vergewaltigungsversuch wehrhaft, empört eine Britin (und deren Mann) und ist schließlich mit dem Auto der Vergewaltiger (Karl Heinz Maslo, „Popcorn und Himbeereis“ und Eric Wedekind, „Sonne, Sylt und kesse Krabben“) unterwegs, während diese gezwungen sind, sie per pedes zu suchen. Sie beobachtet ein Paar beim Sex im Zelt, der griechische Ficker liefert eine Gesangseinlage und als sie Tom kennenlernt, tischt sie ihm erst mal Lügengeschichten auf, bevor sie’s mit ihm treibt – Tom ist nämlich endlich mal ein netter Zeitgenosse.

„Ich fühl’ mich nackt am wohlsten!“

Die Sexszene fällt als zwischenzeitlicher Höhepunkt recht lang aus, leider agiert die Kamera sehr unruhig. Bilder vom Nacktbaden, Knutschen am Strand und weiterem Sex wurden indes durchaus erotisch eingefangen. Gerhard Heinz’ lockerer Gute-Laune-Soundtrack und schöne touristische Aufnahmen des Drehorts besorgen bisweilen tatsächlich so etwas wie sinnliche Urlaubsstimmung, bis die vulgären Dialoge sich erneut Bahn brechen und kuriose Szenen wie Patricias Stehpinkeln vom Boot für Stirnrunzeln und Amüsement gleichermaßen sorgen. Auf einer Feier wird stilecht Sirtaki getanzt, bevor sie ihre Vergewaltiger wiedertrifft und Tom zunehmend eifersüchtig wird, Patricia dadurch zu nerven beginnt. Ihm gegenüber behaupten die Sittenstrolche gar, Patricia sei eine Prostituierte, woraufhin Tom sie rausschmeißt. Dies triebt sie in die Arme eines Einheimischen, dem sie sich für ein Schäferstündchen hingibt. Beim anschließenden Wiedersehen streiten Patricia und Tom erneut und trennen sich voneinander.

„Ich zeig’ gern meine Brüste!“

Sie trifft auf einen blonden deutschen Fotografen in Leopardenweste und beteiligt sich an Nacktfotoaufnahmen zusammen mit Fotomodell Amanda (Olivia Pascal, „Die Säge des Todes“). Die Nacktbadeaufnahmen beider zählen zu den schönsten des Films und sind dessen erotisch-ästhetischer Höhepunkt. Sie machen ein bisschen miteinander herum, um den Fotografen aufzugeilen, was grundsätzlich gelingt, doch fotografiert er sie dabei ohne ihr Einverständnis. Eigentlich vermisst sie ihren Tom, wie ihr Reisetagebuch, das sie immer wieder resümierend und nachdenklich auf Tonband spricht, belegt. Bevor sie Tom zu Hause aufsucht, verarscht sie noch den deutschen Urlauber Martin Müller (Walter Kraus, „Cola, Candy, Chocolate“) und trifft sogar den Zeltficker wieder. Tom jedoch liegt mit einer anderen im Bett, als sie ihn zu Hause antrifft. Doch nachdem sie zu Toms Mitbewohner (Henner Quest, „Mache alles mit“) in die Badewanne gestiegen ist, finden die beiden jung Verliebten doch noch zueinander, Tom beendet sogar die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin für Patricia.

„Wer ist die Dicke da drüben?!“

„Griechische Feigen“ stellt mit Betty Vergès als Patricia eine attraktive, freizügige Schauspielerin in den Mittelpunkt, die es eigenartigerweise lediglich auf vier Spielfilme brachte. Ihre Rolle als rotzfreches, mutiges Mädchen voller Selbstvertrauen weiß zu gefallen und der Film scheint bisweilen gar vor den negativen Erfahrungen warnen zu wollen, die einem solchen Wildfang widerfahren können. Es fällt „Griechische Feigen“ jedoch schwer, stets den richtigen Ton zu treffen und wenngleich Patricia auch immer mal wieder ihre leiseren bis traurigen Momente hat, schien man die ungezwungene Stimmung mehr oder weniger aufrecht erhalten zu wollen, was zu einem seltsamen Wechselbad der Gefühle und einem Tiefgang grundsätzlich anbietenden, jedoch vornehmlich um Oberflächlichkeit bemüht bleibenden Filmerlebnis führt, das außerdem immer wieder mit seiner ungestelzten, ordinären Sprache überrascht bis irritiert. Im Schnelldurchlauf in Form eines sexuellen Selbsterfahrungstrips schien man auch jugendliche Suche nach ehrlicher Liebe abhandeln zu wollen, was „Griechische Feigen“ zumindest formal um einen gewissen Herzschmerzfaktor erweitert, aber natürlich kaum glaubwürdig erscheint. Letztlich ist natürlich alles darauf ausgerichtet, ein heterosexuelles männliches Publikum bei der Stange zu halten, was einigen Kapriolen und der unausgewogenen Stimmung zum Trotz angenehm wenig frauenfeindlich gelingt und männlichen Chauvinismus ebenso wie Eifersucht und weitere ungute Eigenschaften aufs Korn nimmt, wie ich es von einem ’76er Rothemund nicht erwartet habe. Olivia Pascals Nebenrolle in Kombination mit einer stilvollen Kameraarbeit veredelt dieses aus dem unübersichtlichen Wust deutscher Sexklamotten, Erotikkomödien und Sexploitation herausstechende Exponat.

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