„Lady Frankenstein“ hat kürzlich über das Fernsehen so etwas wie eine Wiederentdeckung gefeiert – was an sich schon mal positiv zu sehen ist, da ältere Filme immer mehr in Vergessenheit geraten. Daß man sich gerade mit dieser Frankensteingurke allerdings so viel Mühe gemacht hat, kann man wohl dem nicht sonderlich talentierten, aber ungeheuer enthusiastischen und cinephilen Regisseur Mel Welles zugute halten, der stets stolz auf seinen Film war.
In Anbetracht auf die Umstände beim Dreh und das wohl mäßige Budget haben er und seine Leute einiges an Arbeit in den Film gesteckt, in Italien tatsächlich in einer Burg gedreht (und dabei gleich noch seltenen Schneefall mitverarbeitet, der aber nur in bestimmten Szenen auftaucht) und aus wenig viel Gutes gemacht, was besonders die gute Kameraarbeit, das Licht, die Drehorte und die Ausstattung betrifft, in die viel Liebe geflossen ist.
Gleichzeitig schaffte es Welles einen Multikulti-Cast zusammen zu stellen, wie so üblich in Europa musste aus jedem geldgebenden Land auch ein Darsteller dabei sein, für die deutschsprachigen Gegenden war Paul Müller und Herbert Fux in action, das sind schon mal Titanen des kostengünstigen Films der 60er und 70er.
Der Besetzungscoup schlechthin war sicherlich Joseph Cotten, der ja in den 40ern mal ein echter Star war, sich dann so ab Mitte der 50er zum TV-Darsteller mauserte und durch das Europa-Abenteuer mit „Dr.Phibes“ gerade wieder zum regelmäßigen Filmdarsteller überreden ließ.
Cotten liefert in dieser Neuauflage des alten Mythos nicht mehr einen längeren Gastauftritt ab, denn erstens sind die Nebenfiguren hier fast genauso wichtig wie der Doktor und zweitens überlebt der tüchtige Wissenschaftler die Erschaffung seiner Kreatur nur um ungefähr 30 Sekunden kurz vor der Filmmitte.
Von da an geht der bis dato recht stimmungsvolle Film vollends in die Binsen, weil Rosalba Neri, bis dahin die schöne Tochter, sich daraufhin als gewissenloser Satansbraten entpuppt, der die Männer für sich tanzen lässt. Weil Müller als Schlaukopf leider nicht hübsch genug ist, will sie seinen Bregen in die Hirnschale des hirnschonenden Faktotums (Marke: extra knackig) umtopfen, weil nur der dann stark und schlau genug ist, das riesige Monster on the loose einzustampfen.
Ach ja, das Monster: das kommt unterschiedlich an beim Publikum. War Welles nicht zu stoppen in der Ansicht, es sei eine der besten Masken aller Zeiten, bricht ein anderer Teil des Publikums bei der Matschmaske mit dem Glotzaugen vor Lachen zusammen.
Wirklich zum Brüllen sind aber die offenbar talentarmen Statisten, die irgendwo auf der Heide beim Fischen oder Vögeln auf den 2-Meter-Schelm treffen und dann arg bestürzt das Gesicht zu verziehen, zögern und dann fliehen. Dummerweise tun sie das alle in Richtung auf das Monster zu oder so knapp an ihm vorbei, das es sie noch nach einem Schlaganfall erwischen könnte.
Auf jeden Fall ist die zweite Hälfte quietschbunt durchgemischt, Fox geht über den Jordan und dafür übernimmt Micky Hargitay als Inschpektor – mangels überhaupt eines Talents liegt man wieder jodelnd in der Ecke. Dafür darf man ein paar Hupen bewundern und der Mob tut am Ende natürlich vor allem eines: ohne Zwang die Einrichtung zu zerlegen, obwohl weit und breit niemand zu sehen ist (wäre klauen nicht sinnvoller?).
Die Schlußpointe, ein echt nacktes Gewürge rundet das alles ab.
Ergo kann die Mühe noch so groß gewesen sein, das Skript ist Flickschusterei, aber bei aller Doofheit natürlich eine Freude zum Ansehen für Freunde des gepflegten C-Trashs. Ärger kommt aber keineswegs auf – dafür sind große Teile einfach zu ulkig. (3/10)