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Ein zeitlebens in zölibatärer Abgeschiedenheit lebender Mönch begibt sich unter in die sündige Welt der Großstadt um Geld für sein Kloster, dem die Schließung droht, aufzutreiben.
So einfach lässt sich der übersichtlich gestaltete Plot zusammenfassen, der dem zweiten und letzten Spielfilm unter der Regie von Komikerlegende Marty Feldman entstand. Nach der großartigen Genre-Parodie „Drei Fremdenlegionäre“, die trefflich das epochale Hollywoodkino alter Schule aufs Korn nahm, schaltet Feldman allerdings einige Gänge zurück und liefert eher mediokre Kost ohne bleibenden Nährwert. Marty Feldman selbst verkörpert die Hauptrolle und wer den Komiker aus seinen legendären Filmauftritten wie zum Beispiel „Frankenstein Junior“ kennt, der weiß, dass Feldman alleine schon durch sein skurriles Äußeres mit seinen chamäleonartigen Augen den Zuschauer auf seiner Seite hat.

„Dreist und Gottesfürchtig“ chargiert zwischen plumper Situationskomik, subtilem Wortwitz und ironischer Kirchenkritik. Letztere wird beinahe im Minutentakt ausgeteilt, Feldman konzentriert sich dabei oftmals auf die unterdrückte Sexualität der katholischen Kirche und selbstverständlich immer wieder auf die Entlarvung organisierter Staatsreligionen als Geldmaschinen. Auf Dauer ermüden die immer gleich ausgerichteten Gags, vor allem weil Feldman seinem Publikum keine Geduld zutraut und sich eher belanglos von einer Szene in die nächste hangelt. Liebhaber des schrulligen Komikers werden aufgrund seiner allgegenwärtigen Präsenz sicher zufrieden sein, unterm Strich bleibt aber nur ein biederes Durchschnittswerk, das eigentliche Thema bleibt vorsichtig umkreist aber nicht wirklich angetastet. Eine subversive Wirkung, wie sie Kevin Smith viel später in „Dogma“ erzeugte, bleibt angesichts der einfach gestrickten Geschichte und den nur selten doppelbödigen auf der Strecke. Dennoch bietet das Drehbuch einige scharfzüngige Allegorien mit deutlicher Bezugnahme auf den religiösen Ausverkauf in den USA, seien es die unzähligen fragwürdigen Sekten oder die geldgierigen Fernsehprediger. Feldman holt zum Rundumschlag aus und ein jeder kriegt sein Fett.

Neben Marty Feldman treten prominente Sidekicks auf, was den Film zwar nicht direkt verbessert, ihn aber sehr wohl mit einigen netten Aha-Erlebnissen versieht. Brachialkomiker Andy Kaufman, dem Milos Forman sein meisterliches Biopic „Man on The Moon“ widmete, ist in seiner ersten richtigen Kinorolle zu sehen. Bis zu seinem Tod blieben seine Filmrollen rar gesät, Kaufman präsentiert sich jedenfalls in guter Form und liefert eine energiegeladene Vorstellung ab. Mit Richard Pryor („Blue Collar“) und Peter Boyle („Alle lieben Raymond“) konnte Feldman zwei weitere Schauspieler mit großem komischem Talent verpflichten – sehr schade, dass alle vier wichtigen Darsteller im Film bereits tot sind. Leider ist „Dreist und Gottesfürchtig“ eben kein Abschlusswerk, das seinem Macher gerecht wird und so hat der Film auch kaum im Gedächtnis des Publikums überdauert. Die wüste Mischung aus Monty Python, Mel Brooks und der für Feldman typischen Skurrilität verfehlt zwar nicht ihre Wirkung, verliert aber immer wieder den narrativen Faden um sich infantilem Klamauk hinzugeben. Unentschlossen bewegt sich der Film zwischen böser Satire und aufgesetztem Slapstick-Spektakel – egal wie herum man den Film wendet, deutliche Längen im zähflüssigen Storyverlauf machen sich arg bemerkbar, auch wenn immer wieder einzelne Gags ins Schwarze treffen.

Fazit: Trotz überzeugender Kameraarbeit, einem gewohnt schrulligem Marty Feldman und starken Nebendarstellern will der Funke nicht so recht überspringen. Leider verstarb Feldman, dessen prägnantes Erscheinungsbild Folge einer Hyperthyreose war, viel zu früh und konnte leider keine weiteren Spielfilme inszenieren. Sein Metier war ohnehin die Schauspielerei, dennoch zeigt seine Inszenierung, das er viel gelernt hat von Meistern wie Mel Brooks.

05 / 10

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