Man soll ja Filme nicht nach ihrem Titel bewerten, doch nachdem ich „Weihwasser Joe“ gesehen habe, gab ich mir recht. Ja, der Film ist so schlecht wie der Titel. Die Story ist schon hanebüchen:
Weihwasser Joe ist ein erfolgreicher Kopfgeldjäger, der sein Geld immer auf die Bank bringt. Diese wird jedoch von dem ehemaligen Südstaatenoffizier Donovan und seiner Bande ausgeraubt. Doch einer von Donovans Bande nimmt mit dem Geld Reißaus. Weihwasser will sich ihn schnappen, um so das Vertrauen von Donovans Bande zu bekommen. Nach einer kurzen Folter, verrät der Entflohene den Aufenthaltsort des Geldes. Doch als Donovan dort ankommt, ist das Geld nicht mehr da. In der Zwischenzeit nimmt Weihwasser den Entflohenen mit sich und bringt ihn zur Armee, die schon die ganze Zeit versucht Donovan zu fassen. Weihwasser tüftelt zusammen mit dem General einen Plan aus, um die Bande zu stellen, doch der Plan geht schief und Weihwasser wird von Donovan festgenommen. Dieser will ihn erschießen, da gibt Weihwasser zu, dass er das Geld habe. Doch Donovans Bande revoltiert und setzt Donovan ab. Notgedrungen schließen sich Weihwasser und Donovan zusammen, um zu entkommen....
Ist die Story am Anfang noch halbwegs normal, wenn auch einige Passagen geklaut worden sind, z.B. das Duell am Roulettetisch gibt es in dieser Form auch in „Vier für ein Ave Maria“, so wird der Film spätestens mit dem Auffinden des Entflohenen zu einer Farce. Dumme Gags und langgezogene Passagen lassen den Film zu einer Geduldsprobe für den Zuschauer werden, der schon mit dem Finger kurz vor dem Weiterschalten ist. Aber was fehlt dem Film? Ein Grund, warum dieser Film so schlecht ist, ist, dass dem Drehbuchschreiber schon nach kurzer Zeit vernünftige Ideen ausgegangen sein müssen ansonsten wäre er nie auf solch einen Schwachsinn gekommen. So finden wir den Entflohenen, der bei der Beerdigung seiner Mutter ist und deshalb weggelaufen ist, im Bett von einer Hure. Der zweite Grund ist, dass der Regisseur sich anscheinend nicht entscheiden konnte, welche Art von Western er haben wollte. Härtere Szenen wechseln sich mit total dämliche, überzogenen Witzen ab. Ein weiteres Indiz ist, dass manche Szenen in die Länge gezogen wurden, damit der Film nach mehr aussieht. So geht einem das Finale auf die Nerven, da es den Anschein macht nie enden zu wollen. Dies hätte mich ja nicht gestört, nur wurde dieses leider sehr schlecht gemacht, sodass es einen langweilt.
Aber genug die Story zerrissen. Ab zu den Schauspielern:
Da haben wir einen Gewissen Lincoln Tate als Weihwasser Joe. Dieser Mensch wurde eindeutig nicht mit schauspielerischem Talent gesegnet, jedenfalls zeigt er es in diesem Film nicht. Er versucht zwanghaft cool zu wirken, doch ihm gelingt es einfach nicht.
Ty Hardin als Donovan macht es aber genauso schlecht. Auch ihm merkt man an, dass an ihm das Talen vorbeigegangen ist. Er wirkt total deplaziert und für einen Bösewicht hält man ihm beim besten Willen nicht. Dazu trägt auch schon seine tolle Haarpracht bei.
Ein weiteres Manko ist die Synchronisation. Der Mensch, der sich diese Synchronsprecher ausgesucht hat, gehört zum Teufel gejagt.
Aber den Bock schießt Richard Harrison ab, der den Entflohenen spielt. Er spielt, wie ein entflohener Irrer dazu trägt auch seine abartige Synchronstimme bei.
Und nun die Musik:
Die Musik in einem Western, ist ein wichtiger Bestandteil. Sie spielt oft eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer Atmosphäre. So wird oft ein Name genannt, der oft mit Western in Verbindung gebracht wird: Ennio Morricone. Aber gehen wir weg vom Idealbild, weit, weit, weit weg und was treffen wir da? Genau! Weihwasser Joe. Die Musik in diesem Film gehört wohl zu den schlechtesten im ganzen Genre. So sind hier fast alle Stile vertreten, doch die Musik, die für Western typisch ist, und die ich sehr mag, gibt es hier nicht. Vielmehr scheint der Komponist seine Instrumente ausprobiert zu haben. Anders kann ich mir nicht erklären, wie sich Schlagzeug und E-Gitarre in diesen Film verirren.
Gibt es an diesem Film denn nichts Gutes? Doch! Es ist die Kamera:
Der Kameramann hat wirklich passable Arbeit geleistet. Zwar bietet das Bild nichts Revolutionelles, doch was gemacht wurde, hat im Gegensatz zum restlichen Film Hand und Fuß. Auch wurde versucht die Landschaft mit einzufließen.
Ich kann nur jedem von diesem Film abraten, außer er sucht eine Einschlafhilfe. Auch wenn der Italo-Western viel Mist hervorgebracht hat, gehört dieser Film klar zum engeren Favoritenkreis für den Mistigsten,