Review
von Dan-Gore
Story :
Als Weise wurde Crisalide in einer Kirche aufgezogen, wo er durch die Hölle gehen musste.
Erniedrigung, körperliche Gewalt und auch sexueller Missbrauch standen dort an der Tagesordnung.
Nun ist Crisalide ein erwachsener Mann, dem durch seinen Psychiater Schizophrenie und Paranoia diagnostiziert wurde.
Doch das ehemelige Waisenkind ist voller Zorn und Rachegelüsten und will sich an allen Involvierten die ihn zu dem seelischen Krüppel der er ist rächen.
Ganz oben auf der Liste steht der Pater Alfredo, der ihm durch seine sexuellen Übergriffe seiner Kindheit beraubte und ihn unfähig machte zu lieben und normale sexuelle Beziehungen einzugehen.
Doch nicht nur der Priester muss die gewalttätige Wut am eigenen Leibe erfahren, schon bald stapeln sich die Leichen in dem kleinen Dorf in Italien.
Und auch unschuldige Menschen geraten ins Visier des paranoiden Killers auf der Suche nach Vergeltung.
So auch die junge Lisa, die in der Laden ihr Handy auflädt und dort ihre Telefonnummer angeben muss.
In diesem Moment hält sich auch Crisalide dort auf und hat nun die Nummer seiner "Angebeteten" und die junge Frau weiß noch nicht welches blutige Martyrium ihr noch bevorsteht.....
Bewertung :
Mit SYMPHONY IN BLOOD RED liefert Luigi Pastore sein Regiedebüt ab, welches für die Fans italienischer Genrefilme - primär dem Giallo - sehr interessant sein dürfte.
Bei SYMPHONY handelt zwar eher um einen Hybrid aus Giallo und den blutigen, italienischen Horrorfilmen der 80ger , doch die elementaren Versatzstücke sind nicht zu leugnen - die Liebhaber beider Genre bekommen von Pastore quasi ein "Best of" von beidem.
Der Debütanten hat hier zwar kein perfektes Meisterwerk geschaffen und storytechnisch hätte man mehr aus SYMPHONY IN BLOOD RED machen können, doch für seinen Erstling kann sich das Gesamtprodukt wirklich sehen lassen.
Nicht zu leugnen ist, das SYMPHONY mit ein paar kleinen Schwächen zu kämpfen hat auf die ich etwas später noch genauer eingehen werde.
Das Pastore zuvor schon das Glück hatte und mit den großen des Genre zusammenarbeiten konnte, kommt SYMPHONY IN BLOOD RED sehr zugute und den Hauptinspirationsquellen wurde auf adäquate Weise ein Tribut in neumodischem Gewand gezollt.
Die Liste der Leute mit denen der Regieneuling schon gearbeitet hat liest sich wie ein Bestandsaufnahme des italienischen Genrefilm und unter anderem zählen Luigi Fulci, Joe D'Amato, Bruno Mattei und Dario Argento zu ihnen - wobei hier aber letztere der Haupteinfluss gewesen ist.
Für den Meister des italienischen Horrors - Dario Argento - hat Luigi Pastore in der Vergangenheit sogar schon hinter den Kulissen gearbeitet und war seit Kindheit ein Bewunderer seiner Filme.
Auch die Liste der Beteiligten an SYMPHONY IN BLOOD RED kann sich sehen lassen und einige große Namen sind zu vernehmen, die dem geneigtem Fan in einen leichten Zustand der Euphorie versetzen dürften.
Für das Script - auch wenn dies ein paar Wünsche offen lässt - war hier Antonio Tentori verantwortlich, der schon die Drehbücher zu Fulcis NIGHTMARE CONCERT und DEMONIA schrieb.
Die blutigen Effekte in SYMPHONY IN BLOOD RED haben es wirklich in sich, sind allesamt handgemacht und bis auf ein paar Ausnahmen auch sehr authentisch ausgefallen.
Diese FX wurden von keinem geringerem als der italienischen FX-Legende Sergio Stivaletti inszeniert, der sein Handwerk schon in unzähligen Filmen wie DELLAMORTE DELLAMORE, DÄMONEN 1 & 2, THE CHURCH, THE SECT oder auch TERROR IN DER OPER erfolgreich unter Beweis stellen konnte.
Auch hier gelingt es ihm wieder dem blutigem Grauen die angemessene Visualität zu verleihen, die zu überzeugen weiß.
Musikalisch dürfte SYMPHONY IN BLOOD RED vor allem die Fans der Band "Goblin" ansprechen, da der Ex-Goblin Claudio Simonetti hier knapp ein Drittel zur Filmmusik beisteuerte.
Mit seiner neuen Band "Daemonia" wird hier Neues wie auch Altbekanntes vorgetragen und jeder Fan von "Goblin" kommt voll auf seine Kosten - Simonetti und "Daemonia" haben als Band sogar einen Gastauftritt im Film und performen dort in einem Nachtclub auf der Bühne.
Der Rest des Soundtracks wurde von "Art Vision" komponiert und eingespielt, die sich dem Sound der guten, alten Genreflicks aus dem Land der Pasta und Pizza verschrieben haben und diesen auch bestens in das neue Jahrtausend transportieren.
Insgesamt gibt es an der hier verwendeten Filmmusik keinen Grund etwas zu bemängeln, da diese die Atmosphäre und die eingefangenen Bilder grandios untermalt und unterstüzt - ein Italo-Retro Horrorfeeling stellt sich wohl bei jedem Betrachter zwangsläufig ein.
Kinematographisch kann sich SYMPHONY IN BLOOD RED auch durchaus sehen lassen, auch wenn
das verwendete Filmmaterial - welches wohl DV gewesen sein dürfte - ein wenig Grund zu Beanstandungen gibt.
Dadurch wirkt der Film stellenweise nämlich etwas billig und hat eine etwas unprofessionellen Look.
Hätte man SYMPHONY auf 35mm gedreht und wohlmöglich noch IB-Technicolor gehabt, dann hätte man mit einem etwas ausgefeilterem Script ein kleines, modernes Meisterwerk - ein Referenzstück des italienischen Horrorfilm des 21. Jahrhunderts - schaffen können.
Nichtsdestotrotz bekommt man aber doch einiges an versierter Kameraarbeit zu sehen und grade die Close-Ups lassen Erinnerungen an Filme wie TERROR IN DER OPER oder TENEBRAE wach werden.
Auch das Spiel mit intensiven Primärfarben wurde beherrscht und streckenweise führt dies schon zu fast ekstatischen Zuständen, die den Zuschauer zurück in die Blütezeit des Giallo versetzt.
Bei den Protagonisten müssen leider einige Abstriche gemacht werden und auch wenn diese ihr bestes geben, sollten keine darstellerischen Meisterleistungen erwartet werden.
Dafür sind aber einige der Aktricen sehr zeigefreudig und sich auch nicht zu Schade ihren nackten, wohlgeformten Alabasterkörper von Filmblut besudeln zu lassen - daran dürften sich vor allem die männlichen Zuschauer erfreuen können.
Ein darstellerisches Highlight in SYMPHONY IN BLOOD RED ist zweifelsohne Antonio Tentori - der mit Luigi Pastore zusammen auch das Drehbuch verfasste - als Killer.
Tentori liefert eine eindringliche und überzeugende Darstellung eines zum gewaltätigem Monster mutiertem Mannes.
Vor allem wenn man SYMPHONY IN BLOOD RED im Originalton mit Untertiteln schaut, kann Tentori mit seiner kalten und bedrohlichen Performance überzeugen.
Interessant und der Atmosphäre dienlich ist dabei auch, das Tentoris physische Präsenz in der Umsetzung begrenzt ist und man nie sein direktes Anlitz zu sehen bekommt - dies verleiht dem Gesamteindruck einen mystischen, nicht greifbaren Aspekt.
Wie es meist bei Regiedebüts der Fall ist, hat auch SYMPHONY IN BLOOD RED mit minimalen Schwächen zu kämpfen.
Da wäre zum ersten die recht dünne Story, die mit fortschreitender Laufzeit immer mehr in den Hintergrund rückt und nachher lediglich als Aufhänger für weitere Morde dient.
Dort finden sich auch ein paar unlogische Handlungsabläufe wieder, da es nicht ganz nachvollziehbar ist warum auch unschuldige, nicht involvierte Menschen dem Killer zum Opfer fallen.
Auch die Charakterzeichnungen sind ein wenig flach ausgefallen und lediglich zum Mörder und Lisa kann der Zuschauer ein wenig Bezug aufbauen.
Hier werden des öfteren neue Charaktere in den Film eingebracht, ohne diese einzuleiten und sie dienen lediglich als Kannonenfutter.
Ein anderes Manko tut sich in den letzten Minuten das Films auf, da im finale auf jegliche Erklärungen bezüglich Lisas trächtigem Zustand verzichtet wird.
Einen interessanter Ansatz findet man in der Visualisierung der Psyche des Killers wieder, auch wenn dies auf den Zuschauer oft Irrational wirkt.
Leider hat Pastore dieses Potenzial nicht vollends genutzt, denn wäre dies der Fall gewesen wäre aus SYMPHONY IN BLOOD RED ein grandioses, perfides Giallo-Psychokammerspiel geworden.
Dem Regisseure sollten aber keine zu großen Vorwürfe gemacht werden, da auch trotz dieser Kritikpunkte der Film durch Charme und der Verbeugung vor den Vorbildern überzeugen und punkten kann.
Wirft man einen Blick auf die letzten Werke des Meisters Dario Argento - welche mitunter allesamt für Enttäuschung und Ernüchterung sorgten - ist bei Luigi Pastores Homage an die Referenzstücke Argentos ein wesentlich überzeugenderer Film bei rumgekommen, als es der italienischen Giallo-Ikone selbst in den letzten Jahren geglückt ist.
Ich bin mir aber sicher, das sich der Regisseur dieser Ungereimtheiten und Kritikpunkte bewusst ist und ihm diese bei seiner nächsten Regiearbeit nicht erneut passieren werden.
7,5 von 10 Küchenmessern