Review

Jason Statham ist nicht der Erste, der sich an der von Donald E.Westlake ausgedachten Romanfigur des Meisterverbrechers "Parker" versucht. Schon Lee Marvin ("Point Blank", 1967) und Mel Gibson ("Payback", 1997) legten sich unter leicht verändertem Namen mit Verbrecherorganisationen an, denen normalerweise nicht beizukommen ist. Bei diesen Auseinandersetzungen ging es Parker nicht vordergründig um Geld - auch wenn er als pragmatisch denkender Profi diesen Aspekt nie aus den Augen verlor - sondern um die Einhaltung von Regeln und das Vertrauensverhältnis untereinander, für ihn zwingend erforderliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausübung seines Berufs, den er als solchen nie in Frage stellt.

Während die Verfilmungen mit Marvin und Gibson auf Westlakes erstem "Parker"-Roman beruhten, in dem er von seinem Partner und seiner Frau verraten wird, steigt Regisseur Taylor Hackford in einen späteren Karriereabschnitt ein, auf Basis des im Jahr 2000 erschienenen Romans "Flashfire " (Irgendwann gibt jeder auf). Die Story kommt ins Laufen, nachdem seine vier Partner, mit denen er gerade erfolgreich einen Freizeitpark um dessen Wochenend-Einnahmen erleichtert hatte, andere Vorstellungen davon haben, was mit der Beute von einer Million Dollar geschehen soll. Die Vier brauchen das Geld als Basis für einen Plan, bei dem für Jeden zwei Millionen rausspringen - auch für Parker, wenn er mit einsteigt. Doch dieser weigert sich und will seinen Anteil an der Beute wie zuvor vereinbart ausbezahlt bekommen. Es gelingt ihm zwar noch, aus dem fahrenden Auto zu springen, aber die Gangster verpassen dem verletzt am Boden Liegenden noch eine Kugel und rollen ihn in den seitlich verlaufenden Kanal.

Keine Frage, Parker überlebt und wird von einer zufällig vorbeikommenden Familie in ein Krankenhaus transportiert. Von dort kann er entkommen und seinen Rachefeldzug beginnen, wovon ihn auch sein alter Freund (Nick Nolte) nicht abbringen kann, obwohl er ihn vor dem Mafia-Boss Danzinger ( Kip Gilman) aus Chicago warnt, dessen Neffe zu seinen vier ehemaligen Partnern gehört. Schon an diesem Punkt beginnen die Schwächen eines Drehbuchs, dass sich nicht mehr wie bei den früheren Verfilmungen wagt, die Figur "Parker" zwiespältig zu gestalten. Die vier Männer unter der Leitung von Melander (Michael Chiklis) kannte er zuvor nicht, denn sie hatten nur bei dem Freizeitpark-Job mit ihm zusammen gearbeitet. Selbstverständlich handelt es sich bei ihnen um ganz miese Typen, während Parker als Identifikationsfigur schon immer der Anständigste unter den Verbrechern war, auch weil er seinen Prinzipien treu blieb.

Doch die Penetranz, mit der der Film zwischen den "bösen" Verbrechern und dem "guten" Parker unterscheidet, verdeutlicht, dass dem Publikum heute nicht mehr zugetraut wird, sich auf eine komplexe Persönlichkeit einzulassen, die auch negative Seiten haben darf. Nicht nur wird mehrfach betont, dass er nur Diejenigen beraubt, die sowieso genug Kohle haben, oder er dem Bewacher eines Geldtransports noch vermittelt, dass die Versicherung den Schaden zahlen wird (als ob diese sich das Geld nicht über höhere Prämien zurückholt), auch erschießt er selbstverständlich ausschließlich Bösewichte. Zudem zeigt der Film ausführlich, wie Parker sich viel Zeit nimmt, um einen vor Angst hyperventilierenden Wachmann zu beruhigen, während ein Gangsterkollege den Tod eines Unschuldigen verursacht. Auch seine Freundin Claire (Emma Booth) hat keine andere Funktion, als Parkers liebenswürdige, zivile Seite zu betonen, denn hätte man ihre Rolle ernst genommen, hätte man es nicht bei dem einen Versuch des Mafia-Killers belassen, sie zu erwischen. Seit wann lässt sich die Mafia von "geheimen Verstecken" abhalten?

Erst als Parker in Palm Springs auftaucht, wo seine ehemaligen Kollegen ein großes Ding vorhaben, zeigt sich auch das Potential der Story. Besonders die Figur der erfolglosen Immobilienmaklerin Leslie (Jennifer Lopez), die als geschiedene 40jährige in der Eigentumswohnung ihrer Mutter lebt, steht in hübschem Kontrast zur glitzernden Welt der Millionärsinsel. Nicht erstaunlich, dass sie schnell Gefallen am kriminellen Spiel findet, nachdem sie Parker durchschaut hatte - für ihn angesichts dieser Umgebung sowieso keine Frage von Moral. Dieser Anflug einer komplexen Betrachtung, wird von einem Drehbuch im Keim erstickt, dass letztlich doch nur wieder den üblichen Typus bedient, auf den Statham inzwischen festgelegt ist. Da hilft es ihm auch nicht, dass er als Texaner gelungen seine englische Herkunft karikiert.

Angesichts der langen Laufzeit, die nur selten von gut inszenierten, die Gewalt drastisch zeigenden Action-Szenen unterbrochen wird, hätte die Möglichkeit bestanden, auch die fragwürdige Seite eines Verbrecherlebens zu zeigen oder dank eines ebenbürtigen Gegners die tatsächlichen Gefahren zu verdeutlichen. So bleibt es bei klischeehaften Banditen, einer gut aufgelegten Jennifer Lopez, einem hart arbeitenden Statham und einem Actionfilm, der seine Möglichkeiten nicht nutzt (5/10).

Details
Ähnliche Filme