Review

Der Markt an low-budget Zombiefilmen ist im Fahrwasser vom aktuellen big-budget Vorbild WORLD WAR Z kaum zu überblicken und nicht alle sind dennoch nicht wegen diesem, sondern auch unabhängig davon entstanden. Dennoch versucht man durch ähnliche Zusatztitel auf den verkaufsträchtigen Zug aufzuspringen. Der hier vorliegende Film mit dem Originaltitel ZOMBIE MASSACRE, der sich den schönen Zusatztitel APOCALYPSE Z verpasst hat, sticht trotz einer Reihe von unten genannten positiven Punkten qualitätsmäßig nicht wirklich aus der grauen Masse. Und er ist wiederum nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls als indirekten Mockbuster konzipierten asiatischen ZOMBIE WORLD WAR.

Ich will versuchen Licht in das Dunkel dieses speziellen Zombie-Angebots zu bringen. Es beginnt mit stimmungsvollen Bildern die durchaus ihre Wirkung nicht verfehlen, der Blutfaktor ist von Anfang an hoch, fast ausgerissene Köpfe wechseln sich ab mit der Spezies der schnell laufenden Zombies, deren Masken durchaus aufwendig und meist gelungen sind. Nur selten erinnern sie an den manchmal etwas wachsartigen Look den wir aus Lucio Fulci Filmen aus den 70er/80ern kennen. Leider wird der sehr schnelle und unterhaltsame Beginn durch eine lange und zähe Dialogszene abgewechselt und recht hölzernes Acting und entsprechende Dialoge der durchwachsenen Schauspielerriege.

Storyseitig ist es wie so oft ein militärisches Experiment in Osteuropa was schief läuft welches zu der Entstehung der unkontrollierbaren Fleischfresserhorde führt. Was sonst als eine Gruppe patriotischer Söldner wird losgeschickt um eine Atombombe im Kampf gegen die Zombies einzusetzen. "Kein schlechtes Szenario" denkt zu Recht der Zombietrash erfahrene Filmfan und für gute Atmosphäre und reichlich Gore ist man stets geneigt übliche Qualitätsansprüche etwas hinten an zustellen. Lohnt sich ZOMBIE MASSACRE als offensichtlicher C-Film unter diesen Gesichtspunkten also? Das Pendel schlägt von der gesunden Mitte bei mir leider deutlich ins Negative aus, denn es gibt viel zu wenig Action und endlos scheinende Dialoge bei denen nichts passiert.

Erst nach ca. 30 Minuten kommt wieder etwas Stimmung in diversen Konfrontationen mit den Zombiegesellen auf die leider nichts zeigen was man nicht schon hundertmal gesehen hat. Später schlägt das Pendel wieder positiv nach oben aus bei Zombiemassen-Angriffsszenen, die mit viel Herzblut gestaltet sind und auch vor einem kleinen Zombiemädchen nicht haltmachen, deren Kopf wegen unseren tapferen kampfbereiten Soldaten in einem alten VW-Käfer (!) durchaus nicht mehr in der dafür vorgesehen Form vorzufinden ist. In den Nahaufnahmen einzelner Zombies muss mal immer wieder die gelungene detaillierte Maske loben und auch die typische Eingeweide-Wühlszene darf nicht fehlen und zum Glück erscheint ZOMBIE MASSACRE auch ungekürzt hierzulande und das Label "uncut" ist eigentlich unnötig.

Unnötig zu erwähnen, dass unsere Soldatentruppe von einer in schwarz gekleideten Frau mit Samuraischwertern begleitet wird die diese auch kräftig einsetzt (wo hatten wir das letzten denn schon einmal?). Auch können wir niedliche CGI-Laborratten bewundern. Also alles gute Faktoren für eine pfiffige Unterhaltung, aber das bis auf die genannten Ausnahmen lahme Tempo sorgt für eine deutlich unterdurchschnittliche Bewertung auch unter dem Ansatz sehr flexibler Trashfilm Bewertungskriterien. Wenn schon Trash, dann wenigsten viel Action, Blut oder wahlweise schrägen Humor. Aber leider Fehlanzeige, ZOMBIE MASSACRE nimmt sich tierisch ernst.

Dazu gibt es einen ständig wabernden Soundtrack der recht einfältig gehalten ist und auf die Dauer eher die Eintönigkeit der Bilder verstärkt. Die recht bescheidenen Budgetmittel wurden absolut kreativ eingesetzt und die Ausstattung ist gar nicht so schlecht. Überraschenderweise gelungen sind auch die Szenen mit Videospieloptik. Am Ende überrascht uns dann noch ein mutierter Riesenzombie und der Film gewinnt mal eben wieder ein paar Prozent was ihn aber nicht vor dem Absturz bewahrt. Nur die von mir oft zitierten hartgesottenen Zombietrash-Komplettisten könnten dem Machwerk noch was abgewinnen.

Produziert ist ZOMBIE MASSACRE von Uwe Boll was aus neutraler Sicht kein Nachteil ist. Er hat sich selbst - wie immer bescheiden - nicht mehr und nicht weniger als die Rolle des US Präsidenten im Film gegeben! Wer kann möge auf den englischen Originalton schalten und die unnachahmliche erste und einzige Ansage des Präsidenten an seinen Obersoldaten mit stärkstem deutschen Akzent und mit einigen Versprechern wie folgt genießen: "You remember me? I am the President of the United States. I am on my farm here in Texas and instead of playing Golf or whatever fu…ing some hookers (Nu..ten) I sink (think!) about you, and not in a good way. I hope everysing (everything) is ok?…! Mehr Dialogtrash geht kaum…. ;-)

3/10 bolligen Präsidenten....äh,....Punkten

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