Review

Einer der ersten Streifen, die sich mit dem Thema Menschenjagd beschäftigten war „Graf Zaroff - Genie des Bösen“. Seitdem folgten eine Menge ähnlich gelagerter Werke, auch wenn sich dabei im Laufe der Zeit das Jagd- Equipment änderte und die Motivation der Jäger leicht variierte. Vorliegender französischer Film versucht ein wenig die Richtung von „Hostel“, kombiniert mit „Surviving the Game“.

Der junge Journalist Alex erhält eine knappe Woche Zeit für einen richtig einschlagenden Artikel. Über seine Bekannte Sara erfährt er von einer Geheimgesellschaft, welche Treibjagden auf entführte Zivilisten veranstalten. Über Umwege wird Alex selbst einer dieser Jäger, doch dann fliegt seine Tarnung auf…

Regisseur Thomas Szczepanski setzt im ersten Drittel merkwürdige Prioritäten, die den Streifen ein wenig amateurhaft und etwas schmierig aussehen lassen, denn Alex wird als Fotograf vorgestellt, der soeben eine Tussi mit Hund in eindeutigen Posen knipst und sich kurz darauf mit seinem Kumpel einen Titel für die Reihe überlegt. Auch Sara, die in einem kleinen Etablissement als Domina arbeitet und Kontakte zu reichen Kunden pflegt, wird in recht anrüchiger Umgebung angetroffen, während von dem Geheimbund zunächst nicht viel zu sehen ist.

Dennoch wird man recht schnell mit Alex warm, zumal im Verlauf auch keine Alternative bleibt, da sämtliche Mitglieder bis auf den leicht betagten Boss des Clubs dauerhaft eine Maske oder ein Tuch mit Augenschlitzen tragen und kein Wort sagen.
Ist die verschlüsselte Kontaktierung zum jeweiligen Jäger zunächst noch nachvollziehbar, tun sich zusehends Logiklücken in Sachen Planung des makaberen Vereins auf: Könnte während der Jagd im Freien nicht auch mal jemand von außen dazwischenfunken oder einer den Hauptsitz des Veranstalters verraten?

Ungeachtet dessen stellt man sich eine actionreiche Jagd allerdings etwas abwechslungsreicher vor. Als Alex als aktiver Teilnehmer ein Opfer erspäht, versucht er den Mann zu packen und ihm zur Flucht zu verhelfen, doch dabei wird er von einem weiteren Jäger ertappt, mit dem er sich schließlich duellieren muss. Dabei kommt es zu nur wenigen spannenden Momenten, während der Wald als Kulisse zu austauschbar bleibt und der Showdown auf dem Ansitz des Geheimbundes stattfindet, der innerhalb einiger Nebenräume zumindest eine morbide Atmosphäre zutage fördert.

Auch einige Gewalteinlagen sind nicht ohne, denn ein Kehlenschnitt, ein offener Beinbruch, heraus getrennte Zungen und ein abgeschlagenes Bein sind durch die Bank solide in Szene gesetzt und kommen ohne CGI aus. Darüber hinaus liefert die variable Kamera besonders bezüglich der Hauptfigur ein paar stimmungsvolle, emotionale Momentaufnahmen und auch eine kullernde Perspektive ist innerhalb der Action durchaus kreativ.
Die Sounduntermalung ist hingegen eher durchwachsen, denn in den ruhigen verharrenden Momenten punkten zwar einige Hüllkurven, doch während der Auseinandersetzungen hätte der Score etwas mehr antreiben können.

Anonyme dekadente Sadisten jagen entführte Zivilisten, die den Wetteinsatz behalten dürfen, sobald sie das entsprechende Opfer erlegt haben, - dahinter steckt eine interessante und spannende Grundidee, doch an der Umsetzung hapert es in einigen Belangen.
Das erste Drittel driftet in merkwürdige Gefilde ab, der Hauptteil bringt deutlich zu wenig Survival, nur im finalen Akt bekommt man ein paar Bösartigkeiten und eine überraschende Wendung geboten, was den Gesamteindruck noch ein wenig nach oben korrigiert.
Genrefans, welche die Menschenjagd in rauer Natur mit viel Action bevorzugen, sollten bei dem Streifen definitiv zurückhaltend sein, denn wie erwähnt, setzt er zum Teil sonderbare Prioritäten…
Knapp
5 von 10

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