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Do-shik ist von Beruf Gangster, aber seine mangelnde Schulbildung ist dem Boss ein Dorn im Auge, hat er doch die Highschool abgebrochen und weiß nicht einmal wie man chinesisische Schriftzeichen schreibt. Daher, um sich dem entgegengebrachten Respekt würdig zu erweisen, muß er undercover zurück an eine private Highschool. Doch nicht nur das Studieren bereitet ihm Schwierigkeiten: unter den Schülern herrscht eine gnadenlose Hackordnung und Do-shik muß sich verprügeln und erpressen lassen damit seine Deckung nicht auffliegt.

Selten habe ich einen Film gesehen, wo die Protagonisten derart viel aufs Maul bekommen: in nahezu jeder Szene werden Schüler geschlagen, Kinnhaken ausgeteilt, setzt es Tritte in die Magengrube, ob es nun zehn Jahre jüngere Rabauken sind, die Do-shik erpressen, Lehrer, die die in Korea staatlich tolerierte Prügelstrafe auskosten, oder ein trotteliger Gangster, der den Intellekt seiner Mitmenschen daran mißt, ob sie wissen was eine E-Mail ist und sich dafür des öfteren eine Breitseite in die Kauleiste einfängt. Blutig ist das selten, aber erfreulich brutal.
Dabei ist der Film eine Komödie und des öfteren auch brüllend komisch, wenn man sich von den vielen kindischen Albereien nicht ablenken lässt; so müssen in einer Szene alle männlichen Schüler zur Beschneidung oder ein exhibitionistisch veranlagter Schüler posiert als Tarzan auf der Schulmauer, inklusive Zensurstreifen. Ich habe mich köstlich amüsiert.
Leider rutscht der Film ab der Hälfte in ein erschreckend humorloses Loch und wird melodramatisch: wenn ein am Boden liegender Schüler zum zehnten Mal von einem Lehrer in die Magengrube getreten wird und erst auf der Intensivstation aufwacht, kommt einem die Idee, ob der Regisseur seinen Film als ernstes Medium versteht, um einen politschen Kommentar zum derzeitigen Bildungssystem in Korea loszuwerden. Das ist lobenswert, aber "My Boss, my Hero" ist dafür die falsche Plattform, denn die vordergründige Darstellung der Gewalt wirkt selbstzweckmäßig. Dabei werden im Hintergrund ernste Konflikte ausgetragen: Schüler reicher Eltern sollen besser benotet werden, wer sich nicht fügt, wird gefeuert; eine Englisch-Lehrerin wird erst von einem Kollegen sexuell belästigt, dann von einer Mutter geschlagen und die obere Instanz schaut in die andere Richtung. Da fühlt man mit, wird traurig, wird wütend, aber auch frustriert, weil man bei so einem Film lieber herzhaft lachen möchte.
Beim unvermeidlichen Showdown verschwindet der moralische Zeigefinger glücklicherweise (und somit die Chance, eine ernstzunehmende Botschaft zu vermitteln), stattdessen gibt es ein actionreiches Finale wo, Überraschung, viele Gangster vielen anderen Gangstern die Fresse mit Stöcken polieren, hohe Kicks finden dank Wire-Work ihr Ziel, und . . . erwähnte ich Kinnhaken?
Am Ende fehlt die Zeit und in einer einzigen Dialogszene müssen lose Handlungs-Stränge provisorisch verknüpft werden. Eine mäßig lustige Aussicht auf ein Sequel gibt es ebenfalls, was mich sogar freuen würde, denn Jeon Jun-Ho überzeugt in seiner dankbaren Rolle des charismatischen Underdogs. Aber dann bitte ein einheitlicher Stil und weniger . . . äh . . . aufs Maul.

Unausgegorener Mix aus Gangsterfilm, Drama und Action-Komödie, der in seinen humorvollen Szenen deutlich besser funktioniert. Ansonsten solide abgefilmtes Mittelmaß, aber als bessere Alternative mit ähnlicher Thematik empfehle ich "She's on Duty".

5 von 10 Schlägen auf den Hinterkopf, die das Denkvermögen bedingt erhöhen.

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