Review

Staffel 1

Staffel 1

In der norwegisch-amerikanischen Koproduktion nimmt Steven Van Zandt wieder den Rollentypus auf, der ihm in sechs Staffeln „Sopranos“ so gut stand wie ein maßgeschneiderter Anzug. Dass sich Van Zandt also grundsätzlich für den Mafioso eignen würde, den es auf der Flucht vor seinen Geschäften nach Norwegen verschlägt, stand keineswegs in Frage, wohl allerdings, ob er auch eine Hauptrolle würde stemmen können.

Aber er kann. Seine dominante, einnehmende, dabei aber auch brummig-sympathische Art bestimmt den gesamten Ton der achtteiligen ersten Staffel. Er ist das Epizentrum, über das jegliche Handlung laufen muss, bevor sie abgesegnet wird. Der Vergleich zu einem Film (bzw. neuerdings auch einer Serie) wie „Fargo“, der aufgrund der kargen Schneelandschaft aufkommen könnte, erübrigt sich dadurch auch schnell. Zwar bietet „Lilyhammer“ eine Menge schräger Vögel auf und zeigt eine vom norwegischen Königshaus geprägte Kultur, die gerade aus amerikanischer Sicht befremdlich wirken muss, jedoch kann diese Kultur ihre Manierismen langfristig nicht durchsetzen, sondern wird, und darin schwingt eine gewisse Menge amerikanischer Arroganz mit, von nur einem Exoten auf dem eigenen Grund durch den Melting Pot gejagt. In einem gar nicht so langsamen Handlungsablauf (schon in der ersten Episode bringt Frank Tagliano die Reise von New York nach Lillehammer hinter sich und macht sich bereits erste Freunde und Feinde) diktiert die Hauptfigur der ihr fremden Umgebung das eigene Tempo auf, und das ist von zielstrebigem Aktivismus geprägt. Vermeintliche Hürden des norwegischen Alltags, etwa der komplizierte Ablauf bei der Arbeitssuche oder der Monate beanspruchende Führerschein, sind schnell aus dem Weg geräumt, und es dauert nicht lange, da hat Tagliano seinen amerikanischen Status Quo wiederhergestellt und betreibt eine Szenebar.

Diese Ausrichtung sorgt für einen eher oberflächlich-unterhaltsamen Ansatz, allerdings fällt dieser wiederum aufgrund des prägnanten Hauptdarstellers, der traumhaften Originaldrehorte und der authentischen Nebendarsteller äußerst hochwertig aus. Der Vorspann alleine, ein typisch amerikanischer Soundtrack, der sich plötzlich, jeweils passend bebildert, in norwegische Folklore verwandelt, funktioniert wie ein Tunnel in die weiße Idylle. Dass diese Idylle bedroht werden muss, sofern die Serie ihre Spannung bewahren möchte, wird natürlich immer wieder Einreisen früherer Bekannter Franks aus den USA erfordern. Es bleibt noch fraglich, wie lange sich dieses Konzept halten kann; für den Moment stimmt der Unterhaltungswert trotz überhasteter, die ruhige Landschaft konterkarierender Ereignisse jedoch unbedingt.
(7/10)

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