Der Geist eines verstorbenen Anwalts beobachtet die Welt der Lebenden. Sein ehemaliger Klient wird fortan von einem ehrefahrerenen Juristen repräsentiert und seine Witwe ringt mit den Folgen des tragischen Verlusts, in Folge einer Bewusstmachung der gegenseitigen Liebe.
Das abrupte Ende der kriselnden Ehe stellt die Witwe vor einen komplexen Zwiespalt. Einserseits durchdringen sie Zweifel an der Treue und Ehrlichkeit des verstorbenen Ehemannes, die sie auf der anderen Seite mit einem tiefen Gefühl des Verlusts relativieren kann.
Generell scheint der Tod eine Lücke im Leben aller Protagonisten hinterlassen zu haben. In der Obhut seines neuen Rechtsvertreters fehlt dem ehemaligen Klienten die Nähe und Freundschaft des Verstorbenen, auf die er sich nicht mehr stützen kann. Die Befreiung aus seiner misslichen Lage, die aus einer Verwicklung im Werk-Streik resultiert, scheint immer unwahrscheinlicher.
Die Verwebung einer phantastischen Geistergeschichte mit Elementen eines Polit-Dramas erzeugt ein sehr befremdendes Gefühl, das eine gewisse Überlastung des Films jedoch nicht kaschieren kann. Die breite Palette an menschlichen Qualen erlaubt nur einen diffusen Blick auf die einzelnen Protagonisten. Der seelische Zustand der Witwe steht ohne Zweifel im Vordergrund von "Ohne Ende", so dass die Geschichten der anderen Protagonisten an Wichtigkeit und Überzeugungskraft einbüßen. Um es einfach auszudrücken, könnte ich behaupten, dass der Film sich aufgrund der angestrebten Diversität "etwas verliert".
Dies sollte jedoch nicht über die Qualitäten von "Ohne Ende" hinwegtäuschen. Was übrig bleibt, ist nämlich eine höchst sehenswerte Abhandlung zum Thema Leben und Tod, die uns zweifelslos alle betrifft. Die Taten der Witwe lassen sich jederzeit als psychologisch nachvollziebar charakterisieren, so dass der Film zu keiner Zeit in die Unglaubwürdikeit abdriftet.
"Ohne Ende" bekommt 7 Punkte.