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Kinofassung der in Taiwan äußerst populären, von April bis Juni 2009 ausgestrahlten  Fernsehserie Black & White, die in 24 Episoden die Geschichte zweier unterschiedlicher Polizisten, die der titelgebenden Gegensätze, und ihrer Arbeit samt dem Umgang mit dem gesamten Milieu beruflich und privat erzählt. Gestaltet so in den dramaturgischen Sicherheiten von police, action, romance, in der nahtlos Übergänge zu einer Vielzahl von Personen und Situationen gefunden und theoretisch bis in alle Ewigkeiten die Fäden der Narration gesponnen werden können, wurde von Produzent und Regisseur Tsai Yueh-hsun Altbewährtes und Vielerzähltes noch einmal mit neuen Mitteln, allen voran aktueller Optik und betriebsamer Gestaltung wiederholt formuliert. Hier als Prequel gehalten, wiederum aktiv von Tsai als Hauptakteur hinter den Kulissen agiert, in der man die Vorgeschichte eines der beiden Polizisten und so den Bogen zu noch Kommendem artikuliert. Zerstörerischer Eingriff in das Areal von Harbor City, einer fiktiven Arena, die eindeutiges Flair des realen Kaohsiung am Südchinesischen Meer enthält.

Harbour City, Asien.
Der in der Sanlian Triade angestellte Kleinkriminelle Xu Dafu [ Huang Bo ] möchte die Gunst der Stunde der vorübergehenden Abwesenheit seines Bosses für einen insgeheim durchgezogenen Juwelendeal nutzen, der allerdings prompt schiefgeht. Nicht nur, dass während der Übergabe schiesswütige Paramilitärs unter Führung eines Majors [ Qiu Long-jie ] auftauchen, auch geht sowohl sein von Kollege Brother Yuan [ Jack Kao ] geborgtes Geld in Höhe von 1 Million USD und die Juwelen in den ausbrechenden Chaos verloren. Und Xu wird von dem unverhofft eintreffenden  Southern Precinct Homicide Division Detective Wu Xing-xiong [ Mark Chao ] an Ort und Stelle der Zerstörung verhaftet. Zu seinem unverhofften Glück allerdings wird der hot shot Cop bei dem Eintreffen von SIS Captain Vince Au [ Alex To ] misstrauisch und ermittelt zusammen mit Hacker Fan Ning [ Angela Yang ], dem Zwischenhändler Jabbar [ Leon Dai ] und Xus love interest, der Hostess Du Xiaoqing [ Terri Kwan ] auf eigene Faust. Währenddessen wird von beiden Seiten des Gesetzes die Handlanger auf die zusammengewürfelte Truppe angesetzt, allen voran der Triadenkiller Tong [ Ken Lin ].

Getreu der Herkunft der Serie, die die Zeit hat und sich auch nimmt, mehr als eine Handvoll Figuren in die Waagschale der Dramatik und Charakterisierung zu werfen, wird auch hier mit einer Vielzahl verschiedener Bewegungen, gegenstreitend arbeitenden Organisationen und anderen Schwierigkeiten und Vielgestaltigkeiten die Geschichte illustriert. Im Grunde ein Zuviel des Guten, tauchen allerdings alle paar Minuten die schillernsten Personen im Kader der Kamera auf und wird die fast 2 1/2stündige Handlung auch im schnellen Wechsel der Ereignisse manifestiert. Wenig Einleitung, kaum Aufbau, vielmehr ist der erste Tote schon nach wenigen Minuten zu verzeichnen, die Protagonisten, erst in der Einzahl, dann rasch zu einem Bündnis un dies ebenso wie die Gegenparteien addiert gleichsam allegro im Bild. Ein Mord hier, ein Banküberfall samt anschließender Verfolgung und Stellung der Räuber da, die misslungene Transaktion und schon ist das allgegenwärtige Chaos der Hetzjagd arrangiert, was dem Koloss der Produktion immerhin die nur wenig gesäumte Energie und rein voyeuristische Rezeption, die der Synthese von photographisch internationalen Ideen beigibt.

Die braucht es auch, ist das Werk doch inhaltlich ein recht hohles, wenn auch famos aussehendes, eigentlich durchgängig auch erstaunlich arbeitsintensiv und kostspielig wirkenden Geschoss; die große, laute Nummer, in der es an allen Ecken knallt und brennt, darüberhinaus die Begeisterung aber dennoch nicht so richtig zu zünden vermag. Im besten Fall wird die Reproduktion zurzeit gängiger, fast auch schon serieller Assoziationsebenen, allen voran die der teal & orange Farbräume geboten. Kaum eine Szene, die ohne die Gestaltung von Filtern, auch besonders aus Hollywood gebräuchlicher Montagen und anderer fest installierter Oberflächenbearbeitung auskommt. Bilder mit attraktiver Außenfläche, aber ohne jede Tiefe, was man schmerzhaft bei den wenigen Versuchen richtiger Charakterzeichnung, also den wenigen ruhigen Momenten erfährt.

So hält sich das integrierte buddy picture noch solide als Konservierungsstoff zurecht, die mancherlei Konstellationen von (nur angedeuteten) Liebesgeschichten oder zumindest liebenden Blicken dafür eher nicht. Auch der allgegenwärtige Kampf bzw. die Lebenssituation zwischen Polizei und gut aufgestellter Kriminalität und deren zahlreichen Mischverhältnisse sorgen fern von Dialogfähigkeit allenfalls für ein paar wohlmeinende Cameos und dem kleinen Stimmungskick. Immerhin sind die männlichen Akteure, die meisten zumindest, auch maskulin besetzt und für visuelles Actionkino konsequent viril in Szene gesetzt, die Waffen immer im Anschlag oder in Benutzung oder wenigstens griffbereit. Die Poserei als Struktur und die Aktion mit massigen Budget, ähnlich dem Kino eines Benny Chan [ Invisible Target, 2007 ] oder dem von Dante Lam [ Viral Factor, 2012 ], welches hier ihre Konkurrenz in Form von dekorativen Shootouts kleinerer und größerer Gattung, Fluchten zu Fuß, zu Auto, durch die Lüfte und einem halben Dutzend Explosionen, darunter auch die von aufgerissenen Gasleitungen, Gebäudeteilen und weiterer zerfetzter Architektur erhält. Ein Blockbuster mit Aufwand, Gusto und Kalkül, der mit viel Schmackes den kinetischen Wahrnehmungspfad wählt.

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