Populäre Vorbilder wie David Lynch haben schon so manchen jungen Filmemacher dazu inspiriert, einen eigenen surrealen Fiebertraum zu entwerfen. Vorliegendes Werk ist die Langfassung des gleichnamigen Kurzfilms von Calvin Reeder, bei dem es fast ausschließlich auf die Interpretationsfreudigkeit des Zuschauers ankommt.
Der namenlose Rambler erlangt nach vier Jahren Knastaufenthalt die Freiheit und findet zuhause nur noch existenzielle Trümmer vor. Da erreicht ihn ein Brief seines Bruders aus Oregon, welcher Hilfe für seine Pferdefarm benötigt. Kurzerhand reist der Titelgebende per Daumen durch die Gegend und erlebt dabei die eine oder andere skurrile Situation...
Zumindest ist in den ersten zwanzig Minuten noch so etwas wie ein roter Faden auszumachen, obgleich der Anti-Held so gut wie keinen Background erhält und nicht nur aufgrund seiner Spiegelbrille undurchsichtig und zusehends unbeteiligt wirkt.
Der wortkarge Kettenraucher mit Gitarrenkasten trampt durch diverse Wüstengegenden und begegnet dabei einigen merkwürdigen Individuen. Da gabelt ihn ein Wissenschaftler auf, der Träume per VHS zu visualisieren versucht, mehrfach begegnet er einer blonden Frau, zweimal nimmt er an illegalen Boxkämpfen teil und er trifft auf einen Fahrer, der über den Film Frankenstein sinniert.
So ziellos wie die Hauptfigur mäandert das Treiben entsprechend vor sich hin, kurze blutige Inserts und kleine Bildverfremdungen ergeben wenig Sinn und nur vereinzelt vermögen makabere Einlagen zu punkten, da die Art des Humors doch recht speziell ist.
Einzig einige eruptionsartige Splattereinlagen reißen kurzfristig aus der Lethargie, etwa, als ein Kopf explodiert, ein Unterarm abfällt, Brüste platzen oder ein Messer im Oberschenkel landet. Die handgemachten Effekte sehen passabel aus und auch diverse Deformierungen im letzten Drittel können sich sehen lassen.
Dennoch dürfte der bizarre Road Trip die Gemüter spalten, denn die Handlung mutet im Verlauf recht experimentell an und befindet sich weit weg von einer gradlinigen Erzählstruktur. Vielmehr liefert er albtraumhafte Fragmente, welche mehr Fragen aufkommen lassen als auch nur ansatzweise beantworten zu wollen. Für Fans von Lynch und Cronenberg gestaltet sich das eventuell noch spannend, doch wer keine Lust auf Deutung bizarrer Gegebenheiten hat, sollte den Streifen eher meiden.
3,5 von 10