Gravity(2013)
Scheiße! Was wollt ihr noch sehen? So könnte man gut mir Gravitiy anfangen. Oder auch nicht. Machen wir es kurz, im All hört dich sowie so keiner. Bei einer Routinemission am Teleskop Hubble kommt es zu einer Panne. Houston meldet, dass Russland einen eigenen Satelliten abgeschossen hat. Das Problem...Dr. Ryan Stone(Sandra Bullock), Astronaut Matt Kowalski(George Clooney) und zwei weitere Mitarbeiter der Nasa liegen genau in der Flugbahn der Trümmer die alle 90min einmal ihre Umlaufbahn kreuzen...
Gravity ist schlicht und einfach der beste Sci Fi Film der letzten Jahre. Obwohl Sci Fi es nicht ganz trifft. Es gibt weder Aliens, noch eine unbegreifliche Situation und schon gar keine "Beam mich hoch Scotty" Momente. Im Prinzip spielt es im hier und jetzt und sogar direkt in Echtzeit. Der zeitliche Ablauf ist temporeich und nur mit wenigen logisch apruppten Stolpersteinen gespickt. Daraus ergibt sich zwar eine inhaltich dünne Grundsubstanz, die aber im Gegensatz zu dem Bilderschaum herrlich unaufgeregt und nur die nötigsten emotionalen Spitzen verarbeitet. Diese werden von den beiden einzigen wirklichen Darstellern umwerfend verkörpert. George Clooney spielt seine Charisma Show routiniert und wunderbar ab, glänzt mit den wenigen aber umso humorvolleren Einlagen und Sandra Bullock...mmh...mit ihr hätte ich jetzt nicht so gerechnet. Optisch sind ja beide wie gemacht für die gekünstelten NASA Show Fotos. Aber was die 49jährige hier auf die 3D durchtränkte Leinwand zaubert, riecht verdammt nach einer zweiten Oscar Nominierung.
Den "begrenzten" Schauplatz nutz die Actrice völlig aus und pendelt zwischen subtiler Trauer, Ehrgeiz und unsagbaren Mut hin und her. Grandios und ein nachhaltiger Beweis für ihren Status als wandelbare Schauspielerin. Aber machen wir uns nichts vor. Der wahre Star des Filmes sind die Leute hinter den Kulissen. Alfonso Cuaron und sein Sohn haben Jahre lang alles in Kleinarbeit vorbereitet und perfekt durchkomponiert. Dieses Teil gehört auf die ganz große Leinwand und sollte auch ausschließlich in 3D genossen werden. Schwanken die 3D Kinobesuche oft zwischen nett und unnötig, gehört Gravity eindeutig zur auserkorenen Minderheit, die ihr Potential nur vor vielen Sitzreihen offenbaren und im Heimkino sicher unter mangelnder Hardware an Esprit verlieren.
Schwindelerregende Kamerafahrten, der beste Schwerelosigkeitseffekt aller Zeiten, brilliante Effekte und ein Erdpanorama, dass sicher für einigie technische Oscargewinne verantwortlich sein wird. So etwas habt ihr noch nicht gesehen! Neben der visuellen Brillianz sticht auch der dynamische Sound und der prasselnde Score hervor. Selten zuvor hat man sich der physikalischen Korrektheit so hingegeben. Wenn hier eine Raumstation in tausende Splitter fetzt, dann hört man es einfach nicht...man spürt es. Gravity ist der erste Film den man wirklich spürt und der einen in den Körper fährt. Dieses Angst, dieser Terror außerhalb der irdischen Sphäre in der Eingangshalle zum All ist beängstigend nah eingefangen und somit kann sich auch gleich jeder einen echten Urlaub im All sparen. Deshalb ist es wie gesagt weniger ein Sc Fi Film, sondern mehr ein Survival Drama. Ich würde mich ja gern beruhigen, aber dieser Film ist einfach der absolute Wahnsinn!
Die Beine schlackern, Haare stellen sich auf, die Füße sind eiskalt, die Hände schwitzen vor grimmiger Aufregung, der Speichel läuft unkontrolliert und alle Organe scheinen zu versagen. Auch die Zähne und mein Unterkiefer zittern ein wenig. So und nicht anders fühlt sich Gravity an und reiht sich ohne unterlass zu Sunshine, 2001 und Moon. Unaufgeregt sieht ganz anders aus und ist es irgendwie trotzdem...aber im All wird es niemand hören. Impressiv...
10.0