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"Wolkenloser Himmel mit Aussicht auf Satellitenschauer."

Für den Astronauten Matt Kowalski (George Clooney) ist ein Außeneinsatz im All und die Reparaturen an einem Weltraumteleskop der letzte Einsatz bevor er zur Erde zurück kehrt, für Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) der erste überhaupt. Die Nervosität steht ihr ins Gesicht geschrieben. Als von der Kommandozentrale der NASA die Meldung kommt, dass Trümmerteile eines Satelliten andere Satelliten getroffen haben und sich das Trümmerfeld auf sie zu bewegt, versuchen die Astronauten so schnell wie möglich zum Shuttle zurück und zur Erde zu kommen. Das Trümmerfeld zerstört jedoch das Shuttle und Stone wird vom Schiff weg geschleudert. Unkontrolliert fliegt sie im All umher, bis sie durch Kowalski, der einen Düsenrucksack trägt, aufgesammelt wird. Gemeinsam wollen sie zur Internationalen Raumstation ISS und mit einer dortigen Rettungskapsel zurück zur Erde. Stone's Luftvorrat wird jedoch knapp, ebenso der Treibstoff für Kowalski's Steuerdüsen.

"Gravity" auf einer großen Leinwand, mit perfekter Klangkulisse und vorgeführt in einem modernen Kino, zählt wohl zu den audiovisuell eindrucksvollsten Erfahrungen der letzten Zeit. Wunderschöne Bilder, in denen man sich verlieren kann, werden hier von einem packenden Kampf ums nackte Überleben begleitet und dieser Kontrast zwischen Schönheit und Intensität lässt einen nicht selten den Atem stocken.

Der Science-Fiction Film beginnt mit einer kurzen Erläuterung, warum man im All nichts hören kann. Doch anstatt nun in der folgenden Einstellung auf vollkommene Stille zu setzen, setzt eine Kakophonie verstörender Töne ein, die an Intensität und Lautstärke immer weiter zunimmt und zu einem ohrenbetäubenden Lärm anschwillt. Dann, plötzlich, absolute Stille und unser blauer Planet schiebt sich ins Blickfeld. Es folgt eine eindrucksvolle Sequenz, in der die Kamera 10-15 Minuten lang ein Shuttle umkreist und die Protagonisten bei ihrer Arbeit begleitet, bis die Katastrophe ihren Lauf nimmt.

Einfacher kann Spannungskino kaum sein. Zwei Menschen, eine lebensfeindliche Umgebung und der Kampf ums nackte Überleben. Das Ergebnis ist spannendstes Survivalkino, das alleine schon aufgrund seiner packenden Ausgangssituation zu begeistern vermag und immer neue Mittel und Wege findet, um die Spannungsschraube noch gnadenloser anzuziehen. Der Sauerstoff wird knapp, der Treibstoff des Düsenrucksacks geht zu Ende, in der Raumstationen bricht Feuer aus und die Trümmerteile, die auf ihrem Weg immer mehr Technik zerstören und damit das um die Erde rasende Trümmerfeld immer weiter vergrößern, kehren in periodischen Zeitspannen wieder.

Dass dabei die zugrunde liegende Handlung schlicht ausfällt und die Charaktere nur in den kurzen, ruhigen Szenen ein rundimentäres Profil bekommen, wird schon beinahe zur Nebensache. Geschickt setzt "Gravity" das Publikum so nahe an die Protagonisten, dass es selbst ein Teil des Überlebenskampfes wird und sich somit kaum noch an einer Handlung festhält, stattdessen lieber die beeindruckenden Bilder genießt.

Die freie Kamera, der perfekte Schnitt und die spielerische Kreativität mit der hier der filmische Raum erobert wird, suchen ihresgleichen. Die präsentierten Bilder mit zahlreichen Blicken auf die Erde und in die Tiefen des Weltalls wirken bombastisch, teils sogar aufdringlich.
Im Kontext dazu stehen die wuchtigen Destruktionsorgien, die vor allem bei der unfassbaren Zerstörungskettenreaktion der Raumobjekte einzigartige Bilder von nie gekannter Intensität generieren. Der geniale, mit verstörenden Sounds arbeitende Soundtrack drückt den Desasterszenen noch einen ganz eigenen Stempel auf und steigert sich immer wieder in beinahe ohrenbetäubenden Lärm. Während die eigentliche Action, physikalisch korrekt, keinerlei Geräusche produziert. So scheinen sich die Raumstationen wie Pusteblumen förmlich in ihre Einzelteile aufzulösen.

Während George Clooney ("Oceans"-Reihe, "From Dusk till Dawn") wie eh und je mit seiner charmanten Art überzeugen kann, ist es besonders Sandra Bullock ("Speed", "Miss Undercover"-Reihe) geschuldet, dass der Film so gut rüber kommt. In ihrer bislang besten Rolle erweist sich ihre Performance als eindrucksvoll menschlich, was sie zu einer einfachen Identifikationsfigur macht.

"Gravity" ist ein unglaublich direktes, intensives und optisch wunderschönes Überlebensdrama im Weltraum. Visuell lädt die frei umherschwebende Kamera, die von makelloser Computertechnik unterstützt wird, zum Staunen ein. Gleichzeitig sorgt die unmittelbare Intensität für Spannung, die an den Nerven zerrt. Damit sich die enorm dichte und beklemmende Atmosphäre komplett eröffnet, muss man sich auf den dröhnenden, bedrohlichen Soundtrack einlassen und die wuchtige Bilderflut hinnehmen. Trotz kleinerer Logiklücken, einer zweckmäßigen Handlung und einfachen Charakteren belohnt der Film dann den Zuschauer mit zahlreichen wohligen Schauern.

9 / 10

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