"Computer sind immerhin nur Maschinen und können nicht denken." ... "Manche Programme werden bald denken können."
"Tron" war zu Beginn der Achtziger ein tricktechnischer Quantensprung. Autor und Regisseur Steven Lisberger vermischte erstmals längere computerunterstütze Animationen mit Realaufnahmen.
Der Präsident der Computerfirma Encom Ed Dillinger (David Warner) hat für seine Stellung Diebstahl in der Videospielbranche betrieben. Betroffen ist auch Programmierer Kevin Flynn (Jeff Bridges) der sich immer wieder in das System von Encom versucht zu hacken um Beweise für den Diebstahl zu finden. Bisher blieb er durch die ausgeklügelte Intelligenz des Master Control Programmes erfolglos. Allerdings ermöglichen Flynn's Freunde, Alan (Bruce Boxleitner) und Lora (Cindy Morgan), den Einstieg in Encom, nachdem sie selbst durch eine Sperre von Dillinger nicht mehr an ihren Projekten arbeiten dürfen. Besonders Alan's Programm Tron ist Dillinger ein Dorn im Auge, da es Sicherheitsroutinen zur Kontrolle des immer weiter wachsenden Master Control Programm enthält. Als Flynn sich an einem Rechner der Firma anmeldet wird er durch einen Laser digitalisiert und in die Welt des Computers transferiert. Dort erlebt er, wie die humanoiden Programme vom Master Control Programm ihrer Funktionalität entrissen und seinem System entweder hinzugefügt oder durch Spiele ihre Löschung finden. Auch er soll sich an den Spielen beteiligen kann aber mit dem von Alan entwickelten Sicherheitsprogramm Tron aus dem Spielebereich flüchten.
Für die einen ist es absurde neonfarbene Rechnerwelt, für die anderen ein perfekter Kompromiss aus möglicher Darstellungsqualität und gezielter Vereinfachung. "Tron" hatte es durch seinen grellen visuellen Look und der utopischen Rahmenhandlung von Beginn an schwer. Computerprogramme werden durch Personen in einfachsten, gepolsterten Kostüme dargestellt und durch nachgezeichnete Farben beleuchtet. Albern oder visionär?
Man muss "Tron" in seinem zeitlichen Kontext sehen. Damals war das Internet noch reine Zukunftsvision. Große Zentralrechner beherrschten die Computerwelt und PC-Lösungen, wie wir sie heute kennen, konnten sich gerade einmal IT-Theoretiker vorstellen. Insofern darf man die Geschichte beinahe schon als prophetisch ansehen, ging die Entwicklung doch tatsächlich hin zu einer dezentralisierten Rechnerstrukur.
Die Handlung selbst ist im Grunde konventionell und der Wende von dystopischer Science Fiction zum massenkompatiblen Unterhaltungsfilm zuzuschreiben.
Das damals noch weitaus schwieriger zu erklärende Thema um Digitaltechnik wird recht einfach und gleichfalls oberflächlich geschult. So erhält der unwissende Zuschauer einen groben Überblick über die ansehlich gestaltete Welt im Computer. Diverse Anspielungen auf Namensgebungen oder das schlichte Ja / Nein sagen eines Bits versteht widerum nur technikinteressiertes Publikum.
Die von Lisberger aufgebaute Welt wirkt absolut stimmig wenn auch etwas karg. Schlichte Umgebungspanels wurden durch neonfarbene Linien künstlerisch aufgewertet. Mittels Backlit Animation gilt gleiches für die Darsteller. Das Verfahren Bedarf einer schwarz-weiß Aufnahme in dem jedes einzelne Bild durch fotografische Techniken bearbeitet, coloriert und retuschiert wird. Das Ergebnis ist eine unglaublich dichte Verschmelzung von realer und digitaler Welt.
Neben der Optik, unfreiwillig komischen Dialogen, Disney Kitsch und einem vorhersehbaren Verlauf der Handlung sind besonders die Spiele einprägsam. Die Optik alleine erreicht schon Videospielniveau und erhält durch das berühmte Light-Cycle Motorradrennen sowie weiterer Spiele ihre stärksten und spannendsten Momente.
Ebenso synthetisch wie die Bilder ist auch die Musik, die mit ihren Synthie-Pop Sequenzen eine eingängige 80er Jahre Stimmung zeichnet.
Von seinen Charakteren und den Darstellern bewegt sich "Tron" auf relativ niedrigem Niveau. Jeff Bridges ("Iron Man", "Crazy Heart") bleibt mit seinem lockeren und menschenfreundlichen Charakter zumindest greifbar. Bruce Boxleitner ("Babylon 5") ist in seinen mehrfachen Rollen ebenso schemenhaft wie der durch David Warner ("Star Trek VI", "Titanic") auftretende Gegenspieler.
"Tron" ist ein geschmacksabhängiger Meilenstein der Filmbranche. Die revolutionäre Technik trifft optisch nicht jeden Geschmack, insbesonders nicht das Publikum, worauf der massentaugliche Film zielt. Der Stil trifft aber das Thema der Digitaltechnik. Die lineare Handlung, schlichte Figurenzeichnung und der abrupte Schluss sind allerdings Mankos die, unabhängig des Geschmacks, erzähltechnische Schwächen offenbaren.
7 / 10