Italien - deine Straßen, dein Leben, deine Seele
Das Italien der Nachkriegszeit lag am Boden - aber trotzdem war es, vor allem in seinen Filmen, noch immer magisch & wunderschön. Vielleicht mehr denn je. Und auch wenn "Il Sorpasso" als Komödie & RoadMovie getarnt nicht den Stellenwert & vordergründigen Anspruch einiger anderer Meisterwerke dieser italienischen Kinoepoche hat, zeigt der lange Zeit komplett vergessene Film Italiens Vielseitigkeit & ewigen Konflikt mit sich selbst vielleicht besser als jedes Kriegsdrama oder Historienschinken.
"Il Sorpasso" ist einer der besten Road Movies aller Zeiten, bietet einen der sympathischsten Nichtsnutze aller Zeiten, zeichnet ein einmaliges Bild von Bella Italia (sowohl den tollen wie auch weniger guten Seiten des Landes) & ist eine Schönheit von Film, erst recht nach der aktuellen Restauration, die Perfektion neu definiert. Wenn es einen italienischen Film gibt, der nicht neben anderen großen Werken zurück stehen sollte, egal was für ein Genre, dann dieses ausgegrabene Juwel. Die Geschichte über zwei gegensätzliche Männer, die sich gerade erst kennen gelernt haben & mehr oder weniger spontan, im Cabrio, Rom samt Umland unsicher machen & voneinander lernen, ist sagenhaft.
Trotz höchstens leicht melancholischem, nie zu schweren Ton, macht die Geschichte nachdenklich. Und dazu hätte es noch nicht einmal das schockierend-plötzliche Ende gebraucht. Das setzt dem verrückten Roadtrip nur noch die traurige Krone auf. Viel eher bleibt das Italien & seine Leute hängen. Von schnippischen Mamas in Familienrestaurants, fröhlichen Treiben am Strand, riskanten Fahren an steilen Klippen oder wunderschönen Frauen & Männer die verrückt nach diesen sind - alles ist hier so leicht & lebendig dargestellt wie selten, alles erscheint nebensächlich wie essenziell für das Land. Ich glaub als Halbitaliener muss ich kaum erklären, dass mir eine Komödie selten näher ging. Und das, obwohl ich mit dem Land eigentlich kaum etwas zu tun hab & gefühlt zu 90% deutsch bin.
Ein besonderes Lob gilt Vittorio Gassmann als Schlawiner & Lebemann, gleichzeitig Vorbild & Looser, der das Life of The Party & Downer in einem darstellt. Vor allem die Momente, wo man hinter all seiner Show den nachdenklichen Versager durch scheinen sieht, sind bemerkenswert & regen zusammen mit den Monologen & dem eigentlich ebenso vertanen Leben seines Gegenüber, zum Grübeln ein. Vielleicht sogar noch mehr über den Sinn & die Art des Lebens, als es jeder echte Arthouse-Film ala Antonioni & Fellini je könnte. Nicht umsonst macht sich der Film selbst, immer respektvoll, über "L'Eclisse" & dessen einschläfernde Wirkung lustig. Risis Film ist nämlich ebenso künstlerisch wertvoll, dabei aber noch ungemein unterhaltsam, schnell wie seine Flitzer & frech wie ein italienischer Jugendlicher. Also: schnellstmöglich "Il Sorpasso" nachholen, genießen & Lust auf Italien kriegen. Näher war man dem Land selten.
Fazit: einer der besten italienischen Filme aller Zeiten & mein Road Movie Numero Uno!