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Dem Genrefreund des Slashers ist das irrationale Verhalten flüchtender Opfer ja hinlänglich bekannt, wobei das viel zu zaghafte Zuschlagen bei einer Gegenwehrmaßnahme nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Allerdings ist noch niemand auf die Idee gekommen, ein Opfer auf einen Baum klettern lassen, während der Bösewicht mit Motorsäge im Anmarsch ist, - fehlt nur noch, dass der Killer im Häschenkostüm in Erscheinung tritt…

Sechs Twens sind mit dem PKW auf einer einsamen Landstraße irgendwo in Kalifornien unterwegs, als sie von einem Truck drangsaliert werden. Kurz darauf macht ihr Wagen schlapp und die Freunde müssen sich zu Fuß durch die Wälder schlagen. Doch der Fahrer des Trucks, ein Unbekannter im Häschenkostüm, hat bereits ihre Fährte aufgenommen…

Die ersten Minuten erinnern unweigerlich an Spielbergs „Duell“, wobei einige Kameraeinstellungen recht gut studiert und entsprechend effektvoll umgesetzt wurden. Obgleich die Figuren rein gar nicht vorgestellt werden und eine entsprechende Charakterisierung fehlt, ist sogleich ein Mitfiebern gegeben, denn die Situation, unbewaffnet gegen die Wucht eines Trucks ankommen zu müssen, während kilometerweit keine Hilfe in Sicht ist, lässt eine latent anhaltende Beklemmung entstehen.

Als sich die Typen, mittlerweile um ein Mitglied reduziert, zu Fuß auf den Weg machen und erst einmal recht ereignislos durch den Wald latschen, ist die Spannung jedoch raus, was sich im Verlauf auch kaum noch ändern soll. Zwischenzeitlich trifft man auf ein merkwürdiges Paar, bei dem sogleich klar ist, auf welcher Seite die stehen und auch ein schmieriger Bauernhansel führt natürlich keine guten Absichten im Schilde. So verschanzt man sich irgendwann in einer Hütte und wundert sich, dass diese ausgerechnet das Domizil des Bösewichtes ist.

Überhaupt stellen sich unsere potentiellen Opfer teilweise so dermaßen dämlich an, das man phasenweise fast von einer Satire ausgehen könnte, da die oben erwähnte Flucht auf einen Baum nicht die einzige Ausnahme bleibt. Denn es ist doch mehr als fraglich, warum niemand der sechs Reisenden Wasser bei sich führt und der Fahrer nicht einfach auf den Gedanken kommt, mit seinem relativ PS-starken Mittelklassewagen schlichtweg Gas zu geben, um einen alten LKW abzuhängen. Auch während der späteren Konfrontation mit dem Killer kommt es zu diversen Unzulänglichkeiten, wobei grundlegend nicht versucht wird, witzig zu wirken, - die Erzählung ist offenbar komplett ernst gemeint.

Ernst meinte es auch mal wieder die FSK, die den Streifen um einige Minuten erleichterte, so dass nur in der österreichischen Fassung zu sehen ist, wie ein Körper oberhalb des Bauchnabels geteilt wird, eine Motorsäge in einen Bauch gestoßen wird und ein Messer in einer Kehle landet. Selbst ein gezogener Zahn, die Zweckentfremdung einer Nagelpistole und eine angedeutete Vergewaltigung sind nicht zu sehen. Auch wenn die okayen Splattereffekte nicht gerade fürs Abfeiern unter Gorehounds sorgen, - einen halben Bewertungspunkt bringen sie letztlich und infolge des ansonsten unkreativen Treibens doch.

Denn selbst das alberne Häschenkostüm des entstellten und ab und an grunzenden Killers wirkt nicht sonderlich einfallsreich, die Locations sorgen kaum für Abwechslung und auch die Mimen erscheinen recht austauschbar. Das Erzähltempo ist zwar brauchbar, doch zwischenzeitlich wird inhaltlich zu wenig geboten, Suspense und Atmosphäre bleiben oftmals auf der Strecke und auch der Showdown bringt kaum Nervenkitzel ins Spiel.
Ein belangloser Genrebeitrag ohne Finesse, bei dem die Kopie eines legendären Regiedebüts bereits den besten Part darstellt.
3,5 von 10

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