Review

Temperaturschwankungen

Eigentlich herrscht Business as usual an der Zombie-Front. Ein paar wenige Menschen haben überlebt und sitzen nun hochgerüstet hinter einem meterhohen Steinwall. Die Zombies schlurfen durch die Gegend und ab und an hinken und humpeln sie gemeinsam los, um Nahrung zu sich zu nehmen. Und was gibt es da besseres als menschliches Gehirn?
Aber Moment, unterhalten sich da etwa tatsächlich zwei Zombies miteinander? Na gut, es ist mehr Gestöhne als Gespräch, aber eindeutig Kommunikation. Und dann sind da auch noch die "Skelette". Die sind deutlich mieser als die Zombies. Sie sind flink, böse und stürzen sich auf alles, was einen Herzschlag hat.

"Warm Bodies" verlagert das Sujet der romantischen Komödie in eine eher ungewohnte Umgebung: die Zombie-Apokalypse. Im Zentrum stehen dabei R (Nicholas Hoult), der sich ums Verrecken ...äh also beim besten Willen nicht mehr an seinen ganzen Namen erinnern kann und die schöne Julie (Teresa Palmer), die unglaubliche Ähnlichkeit mit Kristen Stewart besitzt. Markantester Unterschied sind da noch die blonden Haare. Nun haben wir also folgende Grundzutaten:
- eine weibliche Hauptrolle, die äußerliche Ähnlichkeit mit Kristen Stewart hat
- eine Liebe zwischen einem weiblichen Menschen und einem männlichen Untoten
- das Ganze kommt von Summit Entertainment
- die Geschichte ist eine Buch-Adaption
Na, schrillen die Alarmglocken schon? Ist hier wieder Twilight angesagt?

Zugegeben, man merkt dem Film eine Ausrichtung auf Hollywoods neu entdeckte Zielgruppe, weibliche Teenager, an. Vor allem der gezeigte Gewaltgrad hält sich in Grenzen. Ansonsten jedoch kann der Film durch seinen zündenden Humor punkten. So wird R mittels Off-Kommentaren unser Reiseleiter durch den Film. Während solche Kommentare in Filmen häufig redundant werden, da sie nur davon erzählen, was man als Zuschauer ohnehin schon auf der Leinwand erblickt, gibt es hier ironisch-bissige Anmerkungen. So ist sich R durchaus des Mangels an Geschwindigkeit ("Man sind wir Zombies langsam.") bewusst. Zu den besten Sprüchen zählt dieser übrigens neben "Geile Uhr!". Und in wie vielen Mainstreamfilmen darf man bitte die US-Blu-ray Disc von Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies bewundern!?

Der Wandel Rs vom tumben Zombie zum mehr und mehr wieder menschlichen Wesen wird auf mehreren Ebenen deutlich. Nicht nur, dass er sich rein äußerlich ändert (die blauen Adern sind kaum noch zu sehen, die Haut bekommt wieder Farbe und sein Gang wird aufrechter), vor allem die Titelandeutung der "warmen Leichen" wird immer wieder aufgegriffen. So durchläuft R mehrere Stationen. Zunächst friert er plötzlich im Regen und hat tatäschlich Träume. (Normalerweise schlafen Zombies nicht und "träumen" ist für sie das Essen von Gehirnen, wodurch sie die Erinnerungen der jeweiligen Menschen in sich aufnehmen.) Dann fühlt er sich plötzlich warm an und schließlich bekommt er noch gesagt, dass er durchaus heiß aussieht.

Auf musikalischer Seite wird von Komponist Marco Beltrami und Music Supervisor Alexandra Patsavas ebenfalls Abwechslung geboten. Patsavas war mir persönlich erstmals durch O.C., California bekannt geworden. Und hier beweist sie nicht nur ein gutes Händchen bei Indie-Pop/Rock, sondern auch beim Griff zu nicht mehr ganz so neuer Musik. Auch wenn der Scorpions-Song "Rock You Like A Hurricane" eher wie Füllmaterial wirkt, zündet Bob Dylans "Shelter From the Storm" umso besser. Und ein Film mit einem Dylan-Song kann einfach nicht wirklich schlecht sein.

Aber weder der gelungene Humor wie auch der gezeigte Wandel - nicht nur - Rs können über die letztlich formelhafte Geschichte hinweg täuschen. Der Ausgang der Annäherung zwischen R und Julie ist nach etwa 10 Minuten völlig klar, da sind keine wirklichen Überraschungen geboten. Andererseits ist die Botschaft, wie die Untoten-Plage eingedämmt werden kann (mit Ausnahme der "Skelette"), mal ein druchaus netter und auch bisweilen zeitkritischer Kommentar. Bedenkt man unter anderem die Debatte über Waffengesetze in den USA oder die diversen Kampfeinsätze rund um den Globus. Natürlich ist die Variante spätestens seit den Beatles jedermann bekannt. Das schmälert aber nicht ihre Bedeutung.

Insgesamt punktet der Film vor allem durch seine eher unkonventionelle Perspektive, ein Zombie als Hauptperson, und den passenden Humor. Abgerundet durch einen gelungenen Soundtrack-Mix und leise anklingende Sozialkritik ist ein durchaus sehenswerter Film entstanden. Hauptmanko ist die letztlich formelhafte Geschichte. Dennoch knappe 7/10.

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