Review

Herzlichen Glückwunsch an Regisseur Jonathan Levine!

"Warm Bodies" ist also tatsächlich der erste Zombiefilm, der meiner Frau besser gefällt (und die hasst Zombiefilme) als mir selbst.
Denn mit diesem Film liefert Levine eher eine Romanze ab, als ein Splatterfestival.
Auch wenn dieser Film gegen so ziemlich alle dreihundert Regeln verstößt, die seit 1968 mit "Die Nacht der lebenden Toten" und in den weiteren Jahren festgelegt worden sind, kann ich nichtmals sagen, dass dieser Streifen mich gelangweilt hat.

Zombies sind eben auch nur Menschen.
Der Untote "R" (Nicholas Hoult), der auf einem Flughafen neben Dutzend anderen Zombies seine Schlürfrunden dreht, weiß nichtmals mehr seinen richtigen Vornamen - geschweige denn, von seinem Leben, bevor er infiziert wurde.
Eines Tages dringt ein Einsatzteam zum Flughafen vor, die allesamt von den Zombies getötet werden. "R" verliebt sich bei dem Angriff auf den ersten Blick in die hübsche Julie (Teresa Palmer) und bemerkt, dass er Gefühle für sie empfindet. Er nimmt sie kurzerhand mit in sein Zuhause, ein altes Passagierflugzeug und will sie vor den anderen Zombies beschützen. Je mehr R sich um Julie kümmert, bemerkt er, dass sein Zombieleben sich mehr und mehr verändert und er immer menschlicher wird...

In der ersten halben Stunde lernen wir die äußerst faszinierende Persönlichkeit (und somit die Zombiewelt) von R kennen, der uns mit Monologen und Situationskomik unterhält. Der Dialog in dem R sich mit seinem besten Zombiefreund M (Rob Corddry als genialer Nebencharakter) "unterhält" (sie grunzen sich eher an, als zu reden) ist der Brüller schlechthin.
Natürlich ist die Lovestory dennoch der Kern dieser Zombie-Story und wie es dazu kommt, wirkt in meinen Augen ein wenig aufgesetzt. Zum einen wirkt diese Schlüsselszene wie in jedem anderen brutalen Zombiefilm, d.h. die bewaffneten Helden metzeln sich durch Zombies, werden gebissen, infiziert oder getötet - auf der anderen Seite überlebt jedoch R und natürlich auch Julie dieses Massaker. So eine Szene kann nur im Drehbuch stehen.

Danach war ich hin und hergerissen, was den weiteren Verlauf anbelangt. Mal wirkt es triefend schnulzig, mal wirkt es herzlich erwärmend. Und dennoch kann man im gesamten sagen, dass diese "Schnulze" hervorragend funktioniert (wenn man mal die "Rambo"-Gene im Hirn ausschalten kann), da die Botschaft, die dahinter steckt (Mit Liebe ist alles zu Erreichen) dermaßen dick (im positiven Sinne) aufgetragen wurde, dass selbst mich Bad Guy "Warm Bodies" erreicht hat.
R steckt mit der Liebe alle anderen Zombies an, die sich danach auch etwas menschlicher fühlen und sich immer mehr an ihr altes Leben erinnern können - der reine Zombie-Instinkt, das Auffressen von Menschen, rückt immer weiter in Vergessenheit.

Als bösen Gegenpol hat Jonathan Levine Knochen-Zombies eingebaut, sozusagen, Zombies, bei denen der Virus schon zu weit fortgeschritten ist und sie sich selber irgendwann aufaßen. Diese sind weitaus schneller und bösartiger als die "normalen" Zombies und kämpfen im späteren Verlauf auch gegen die guten Untoten.
 Wer etwas negativ aus dem ganzen raussticht ist John Malkovich, der als bierernster Anführer der Menschheit (und natürlich Vater von Julie) nicht wirklich in das Geschehen hineinpassen will.


"Warm Bodies"  ist definitiv der bessere "Twilight": Witzig, romantisch bis kitschig, gruselig und dramatisch. Dennoch will diese Neuinterpretation von Romeo und Julia nicht ganz in mir Zünden. Dafür ist mir die Geschichte doch einen Tacken zu absurd und die gesprochenen Sätze von R zu anstrengend.

6,5/10 Punkte

 

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