Wie schön wäre doch ein wenig frischer Wind im Zombiegenre gewesen, mit einem Paar wie Romeo und Julia zwischen Emo-Untoten und kleiner Rebellin, mit kleinen Anspielungen auf Romero und noch größeren auf „Twilight“. Doch nach einem starken und extrem erfrischenden ersten Drittel flacht die Handlung zusehends ab, während Humor und Horror von der romantisch-kitschigen Schiene verdrängt werden.
R (Nicholas Hoult) schlürft gedankenversunken über den Hangar, als einige Zivilisten in Konflikt mit Untoten geraten. R futtert dabei das Gehirn von Julies (Teresa Palmer) Freund und verliebt sich daraufhin in sie. Nach einigen Tagen in Rs Domizil erkennt Julie immer mehr menschliche Züge in dem Untoten. Doch dann gibt es noch die „Knochen“, skelettartige Monster, die es auf Mensch UND Zombie abgesehen haben…
Der Einstieg mit Rs Gedankengängen im Off sind teilweise grandios und auf den Punkt gebracht. In einer Mischung aus blankem Zynismus und leichter Melancholie beschreibt er das Alltägliche aus Zombiesicht. Wie er gemeinsam mit Kollegen M am Tresen sitzt und grummelt, wie er Platten auflegt und im Flugzeug sitzt oder wie er andere Untote anrempelt, weil es mit der Motorik nicht so recht klappen will. Auch als er Julie trifft und umgehend mit sich führt, schwingen immer wieder goldige Gedanken mit, denn den schüchternen Teenager hat sich R offenbar die ganze Zeit über bewahrt, zumal die Epidemie bereits acht Jahre anhält.
Die Chemie zwischen dem Paar stimmt, einige Songs fördern in einigen Momenten die Situationskomik und auch die Untoten an sich sind sauber geschminkt und ordentlich ausgestattet, während Teile der Kulissen die apokalyptische Stimmung durchaus glaubhaft transportieren können. Jedoch kommen reine Horrorfans kaum auf ihre Kosten, da zu keiner Zeit explizit Blut fließt und die Auseinandersetzungen zwischen den Fronten eher an Western aus den 40ern erinnern. Auch die Skelett-Mutanten verkommen größtenteils zur Randerscheinung und sind überdies nicht allzu überzeugend animiert.
Leider dominieren im Verlauf allzu kitschige Momente, die Romanze nimmt phasenweise emotional arg überzogene Gestalt an, mischt eine deutliche Prise Shakespeare darunter und glättet die Wogen im letzten Drittel viel zu überstürzt und mit einigen Unwahrscheinlichkeiten behaftet.
Daraus resultiert der bittere Beigeschmack, dass die Geschichte nicht wie aus einem Guss wirkt, da zunächst eine beschwingte Stimmung mit cleveren Anmerkungen dominiert, welche zusehends platter Romantik weicht, die in den letzten Minuten ihren platten Höhepunkt erfährt.
Dabei performen sämtliche Darsteller überzeugend: Nicholas Hoult gelingt der Spagat zwischen Zombie, humanem Untoten und Fast-Menschen sehr gut, Teresa Palmer punktet mit einer starken Präsenz und auch John Malkovich vermag in den wenigen Momenten seiner eher eindimensional angelegten Rolle zu überzeugen. Auch sonst ist handwerklich nicht viel anzukreiden, da sich Kamera und Schnitt auf hohem Niveau befinden, Score und Sound stimmig sind und die sonstige Ausstattung passabel ausfällt.
Dennoch sind hier ganz klar zwei Parts zu unterscheiden: Die erste höchst unterhaltsame Hälfte mit einigen witzigen Einfällen und philosophisch durchdachten Ansätzen und die zweite Hälfte, welche das Potential der Geschichte nicht weiter ausbaut, Horroranteile weitgehend beiseite schiebt und sich einer immer platter werdenden Romanze hingibt, die gegen Ende nur noch müdes Kopfschütteln verursacht.
Das Gesamtergebnis bringt zwar frischen Wind ins angestaubte Zombiegenre, doch wäre das Endprodukt nicht so sehr auf die jugendliche Zielgruppe zugeschnitten und etwas mutiger zur Sache gegangen, wäre definitiv mehr drin gewesen, als ein halbwegs unterhaltsamer Beitrag mit zwei sehr unterschiedlich ausgefallenen Filmhälften.
5,5 von 10