Review

Inhalt:

China, zur Zeit der Ming-Dynastie.
Seit 18 Jahren sucht der Schwertkämpfer Cai Ying-Jie (Tien Peng) die Mörder seines Vaters, die diesen und seine Familie brutal töteten, als Cai erst 6 Jahre alt war.
Er lebt seither nur für dieses eine Ziel, Rache für den Tod seiner Familie zu nehmen.
Die Mörder, das sind Yun Zhong-Jun (Cho Kin) und dessen Bande, deren Unter-Führer am Tod der Familie Cai´s mitschuldig sind.
Cai will all diese Männer auffinden, und töten...! Er führt dazu kleine Holztäfelchen mit sich, jeweils mit einem Namen der Gesuchten..., und "arbeitet" diese quasi ab.

Als erstes fällt ihm Chow Hu (Miao Tien) zum Opfer..., nachdem dieser einen Straßen-Schaukämpfer brutal tötete, weil er dessen Tochter (Yang Meng-Hua) begehrt. Chow Hu fällt im Kampf gegen Cai Ying-Jie, und die junge Frau wird von ihm gerettet.

An Cai Ying-Jie´s Seite stehen später eine junge Dame, die Schwert-Amazone "Flying Swallow" Ha Bin (Polly Shang Kuan) und der geheimnisvolle Schwertkämpfer "Black Dragon" (Kong Nam aka Chiang Nan), dieser will -wenn Cai seine Rache vollendet hat- ein Duell, um Klarheit darüber zu haben, wer der beste aller Schwertkämpfer ist.
Cai Ying-Jie´s Rachefeldzug geht weiter..., Fang Bao (O Yau Man), dann Yin Shi (Hsieh Han) und schließlich Liu Hsiang (Liu Chik) können ihrem Schicksal nicht entgehen.
"Flying Swallow" Ha Bin hält ihm den Rücken frei, leistet Cai Ying-Jie Entsatz gegen die Schergen seiner Gegner, und pfegt ihn gesund, als er von vergifteten Pfeilen verletzt wird.

Letztendlich trifft Cai Ying-Jie auf Yung Zhong-Jun..., dieser ist mittlerweile stark gealtert, schwach..., und blind.
Cai Ying-Jie ist erbarmungslos, und will auch dieses Duell.
Während des Kampfes..., erfährt Cai Ying-Jie, dass Yung Zhong-Jun der Vater von "Flying Swallow" Ha Bin ist...!
Er verschont Yung..., seine Rache nunmehr hinterfragend.

Schließlich kommt es zu einer finalen Auseinandersetzung: Am mondänen Strand der "Skeleton Bay" kommt es gegen "Black Dragon" zu einem letzten Kampf.......


Fazit:

Was für ein beeindruckender, sehr schön verfilmter Swordplay-Eastern..., ein absoluter Klassiker seines Genres...!
In hell-klaren Bildern gehalten, in einer freundlich-pittoresken Atmosphäre, die die wunderbaren Landschaften Taiwans einfängt, erzählt Regisseur Joseph Kuo -der diesen Streifen bereits 1968 für die Studios von "Union Film" abdrehte- eine spannende und auch melancholische Story um einen einsamen, harten Kämpfer, der den Tod seiner Familie kompromiss- und gnadenlos rächen will.

Und das ganze ist strikt-stringent umgesetzt, Kuo führte mit feiner Klinge Regie, der Streifen ist mit exzellenten Darstellungen versehen, den Zuschauer fesselnd, und der Film ist ausgezeichnet fotographiert, "well shot" wie der Engländer sagen würde. Bildkompositorisch ist "The Swordsman of all Swordsmen" sehr stark gestaltet, und an den japanischen Chanbaras und Italowestern orientiert, Nahaufnahmen von Gesichtern..., sowie Wasserfälle, pittoreske Schluchten, und vor allem im Finale ein einsamer, wunderschöner, breiter Strand, mit einzelnem knorrig-totem Baumholz, die Sonne glitzert auf der Meeresoberfläche, die Wellen rauschen..., alles wie aus dem Bilderbuch.
Und melancholische Dialog-Szenen, vor allem zwischen dem rachehungrigen Tien Peng und der verzweifelten Polly Shang Kuan, unterstreichen, dass es sich hier nicht um einen einfachen Rache-Schwertfilm aus Fernost handelt.
Das ist gepflegte, fast schon beeindruckend-seriöse Unterhaltung..., fast ein Edel-Klassiker des chinesischen Swordplay-Eastern.

"The Swordsman of all Swordsmen" ("Der fünfarmige Tiger") ist wohl wirklich längst ein Klassiker seines Genres..., ein kleines Epos, eine Schwert-Oper, mit eindrucksvollen Bildern, kohärent-stringent umgesetzter Geschichte, Melancholie und Spannung, Swordplay und kompetenten Darstellungen.

Allen voran Tien Peng, der Held dieser Geschichte..., oder Anti-Held? Denn seine Rach-Sucht, von der er rastlos getrieben und ohne jegliche Kompromissbereitschaft besessen ist, zeigt auch auf, dass seine Männlichkeit brüchig ist.
Das Mädchen, dass ihm den Rücken freihält..., ist die Tochter seines größten Feindes, und dieser ist alt, schwach und blind..., nach all den Jahren die vergingen. Und da setzt die Läuterung seines Charakters denn ein..., sollte hier nicht Gnade gewährt werden..., auch wenn das Ziel einer erbarmungslosen Rache seit vielen Jahren wie besessen verfolgt wird?
Es geling Joseph Kuo diesen Konflikt des Helden dem Betrachter nahe zu bringen..., Tien Peng setzt dies darstellerisch um..., und es ist eben kein reiner Rache-Eastern.

Polly Shang Kuan ist hier in ihrer erst zweiten Film-Rolle zu sehen, ein Jahr zuvor drehte sie unter der Regie von King Hu den Klassiker "Dragon Gate Inn" ("Die Herberge zum Drachentor", siehe mein Review auf dieser website)..., so ist dies ihre zweite Erfolgsrolle in ihrem zweiten Erfolgsfilm.
Und die blutjunge Darstellerin zeigt eine eindrucksvolle Leistung..., sie, die hier hin und her gerissen ist, dem Helden beistehen will, doch auch Gnade für ihren Vater von diesem Helden erfleht. Und auch in den Action-Sequenzen zeigt Polly, was sie später zu wahrer Meisterschaft entwickelte.

Cho Kin ist dieser "Vater im Film" von Polly..., einst grausam-brutal..., dann bemitleidenswert schwach und blind. Hat denn so die Rache noch einen Sinn? Das wird immer mehr zur zentralen Frage in diesem Drama..., und auch Cho Kin zeigt eine darstellerische Leistung, die diese Fragestellung untermauert.

Kong Nam (aka Chiang Nan..., ist aber bitte nicht mit dem Villain-Darsteller der Shaw Brothers zu verwechseln), ist hier der ominöse, in schwarz gewandete Mann, der ein letztes Duell mit dem Helden fordert..., und zu dem es am mondän-pittoresken Strand als finalen Höhepunkt -kampftechnisch und optisch- kommt.
Kong Nam spielt das denn eher routiniert..., mehr braucht es hier nicht.
Die Villains, von denen einer nach dem anderen dem Helden zum Opfer fällt, sind denn eher grobschlächtig und brutal veranlagt..., und vor allem natürlich kampftechnisch gefordert. So sorgen sie eben dafür, dass es in diesem auch melancholischen Drama auch zu physischen Auseinandersetzungen kommt, zur Swordplay-Action..., die eben einen Eastern aus diesem Streifen macht.

Nach den ein Jahr zuvor entstandenen "The one-armed Swordsman" ("Das goldenen Schwert des Königstigers" -von Chang Cheh für die Studios der Shaw Brothers entstanden (siehe mein Review auf dieser website)-), und "Dragon Gate Inn" ("Die Herberge zum Drachentor", siehe mein Review auf dieser website) -von King Hu für "Union Film" auf Taiwan- war das neue Genre des Swordplay-Eastern auf dem Vormarsch, war es das vorherrschende Genre des chinesischen Kinos.
Und in diesem Fahrwasser entstand auch dieser Klassiker "The Swordsman of all Swordsmen"..., mit blutig-kernigen Schwertkämpfen.
Waren viele dieser Filme hinsichtlich der Action noch hölzern..., sind die Fights hier in diesem Film flüssig-klar choreographiert..., konzentrierte Aktionen, manchmal -typisch für das Genre in dieser frühen Phase- etwas tricky..., doch kann die Action vollauf für einen Swordplay-Eastern dieser Zeit überzeugen..., so wie der ganze Film gelungen erscheint.
Höhepunkte sind die Fights, die Tien Peng gegen die Mörder seiner Eltern vollführt..., das Duell gegen Cho Kin ist dramatisch..., und das Finale gegen Kong Nam am Strand, das actiontechnische und vor allem optische Highlight dieses Klassikers.

"The Swordsman of all Swordsmen" ("Der fünfarmige Tiger")..., ein eindrucksvoller Swordplay-Eastern..., ein früher Klassiker, ein schöner Film.

Starke 8 von 10 Punkten stehen zu Buche.

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