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Nachdem er Sergio Leone während der beiden ersten Teile seiner Dollar-Trilogie als Regieassistent zur Seite gestanden hatte, machte sich Tonino Valerii 1966 selbstständig und legte in der Folgezeit ebenfalls einige Italowestern vor, deren bekanntester "Mein Name ist Nobody" sein dürfte. "Der Tod ritt dienstags" (ital. "I giorni dell'ira"), seine zweite Regiearbeit, basiert auf einem deutschen Groschenroman von Rolf O. Becker ("Ron Barker") und behandelt ähnlich wie die spätere "Nobody"-Geschichte die Konfrontation zwischen einem alternden Revolverhelden und einem ehrgeizigen Nachwuchstalent.

In dem Westernstädtchen Clifton schlägt sich der Waisenjunge Scott (Giuliano Gemma), Sohn einer Prostituierten aus dem örtlichen Bordell, als Gelegenheitsarbeiter durch. Von den "ehrbaren Bürgern" wird er als "Bastard" verachtet, drangsaliert und fortwährend gedemütigt, seine einzigen Freunde sind der halbblinde Bettler Bill (José Calvo) und der alte Stallbursche Murphy (Walter Rilla). Eines Tages erscheint der Revolverheld Frank Talby (Lee van Cleef) in der Stadt, lädt Scott in den Saloon ein und erschießt in Notwehr einen Gast, der den "Scheißhausreiniger" wieder hinauswerfen wollte. Von den Einwohnern für den Tod des Cowboys verantwortlich gemacht, verlässt Scott seine Heimat und heftet sich an Talbys Fersen, der sich nach anfänglichem Zögern bereit erklärt, ihn als "Lehrling" aufzunehmen. Als Talby herausfindet, dass einige der angesehensten Einwohner von Clifton vor Jahren in ein Verbrechen verwickelt waren, kehrt er mit Scott dorthin zurück, erpresst die Schuldigen und übernimmt nach und nach die Kontrolle über die Stadt. Scott genießt zunächst seine neue Machtposition und nutzt diese aus, um sich an seinen Peinigern zu rächen, doch bald beginnt er an Talby und dessen Motiven zu zweifeln. Eine tödliche Konfrontation scheint unausweichlich ...

Lee van Cleef überzeugt in diesem Streifen einmal mehr in seiner Standardrolle als finsterer Fremder, wobei erstaunlich lange unklar bleibt, ob sich hinter seiner unnahbaren Maske nun ein positiver oder ein negativer Charakter verbirgt. Eine volle Stunde lang tötet Frank Talby nur in Notwehr, indem er auf Mordanschläge anderer Figuren reagiert. Giuliano Gemma, nicht unbedingt der ausdrucksstärkste aller Schauspieler, verkörpert glaubhaft den jugendlichen Verlierer, der sich unter Talbys Einfluss urplötzlich zum gnadenlosen Revolverhelden wandelt (dazu Talby gegenüber den Bürgern von Clifton: "Ein Wolf ist er schon immer gewesen, aber tollwütig habt erst ihr ihn gemacht.") Walter Rilla als väterlicher Ex-Marshal, Nino Nini als rechtschaffener Sheriff, Lukas Ammann als fieser Richter und Al Mulock als Desperado Wild Jack runden die Besetzungsliste ab. In einer winzigen Nebenrolle ist auch der strohblonde 60er-Jahre Klischeenazi Karl-Otto Alberty für ein paar Sekunden zu sehen. Die Filmmusik stammt zwar nicht von Ennio Morricone, aber der Score von Riz Ortolani ist mindestens ebenso einprägsam und wurde von Quentin Tarantino in "Kill Bill" wieder aufgegriffen. Alles in allem kein herausragender, aber einer der besseren Italowestern, nicht zuletzt dank der gewohnt tadellosen Vorstellung von Hauptdarsteller Lee van Cleef.

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