Nach dem TV-Film „Code Name: Geronimo“ konnte ein Polit-Thriller über die Ermordung bin Ladens nur noch fesselnder ausfallen, doch Regisseurin Kathryn Bigelow setzt ganz andere Prioritäten als in ihrem oscarprämierten „Tödliches Kommando“, - der Film zieht sich, wie sich die jahrelangen Ermittlungsarbeiten der CIA hingezogen haben.
Seit Maya (Jessica Chastain) für die CIA arbeitet, befasst sie sich mit der Ergreifung von Osama bin Laden. Immer wieder setzt sie sich mühsam gegen Kollegen und Vorgesetzte durch, bis es einen entscheidenden Hinweis durch einen Mittelsmann in Pakistan gibt…
Hauptfigur Maya spiegelt gewiss auch einen Teil von Bigelow selbst wider: Eine starke ehrgeizige Frau, die in einer von Männern dominierten Arbeitswelt tätig ist und sich mit Wissen, Selbstbewusstsein und Kampfgeist durchzusetzen weiß. Allerdings bietet Maya als Figur nichts an. Sie ist wie ein Teil des Zahnrades der internen Politik der CIA, hat offenbar null Privatleben und offenbart nur selten eine Gefühlsregung. Ein Aspekt, der auf die komplette Inszenierung zutrifft, denn die Erzählung bezieht keine Position und berichtet stets sachlich und ohne Stellungnahme, selbst bei Anwendung von Folter bei Gefangenen, einschließlich Waterboardings.
So gibt es viele Verhöre, jede Menge Schreibtischarbeit, das Sichten diverser Mitschnitte von Befragungen und ein paar Attentate, damit man zwischenzeitlich etwas wach gerüttelt wird, denn phasenweise zieht sich der Stoff merklich in die Länge.
Es gibt zwar ein paar Einblicke in die Arbeitsweisen der CIA und ein paar recht atmosphärisch eingefangene Observationen inmitten eines Markttreibens in Pakistan (in Wirklichkeit in Indien gedreht), doch bis es wirklich spannend wird, muss man sich bis zur letzten halben Stunde gedulden.
Erst hier zeigt Bigelow ihr wahres inszenatorisches Können und ihr offensichtliches Faible für militärische Operationen, als das SEAL Team Six die Festung in Abbottabad stürmt, die Kamera stets eng bei den Soldaten ansetzt und einige Sichtweisen mit Nachtfilter die Authentizität erhöhen. Natürlich weiß man, wie die Operation am Ende ausgehen wird, doch spannend sind diese Actionszenen allemal geraten.
Was die Sache noch zu einem emotionalen Schlussakt verhilft, ist eine letzte Einstellung von Maya in einem Flugzeug, denn erst da wird ihr bewusst, wovon ihr Leben in den vergangenen Jahren geprägt wurde und was ihr am Ende noch bleibt.
Somit reißt es die letzte halbe Stunde der rund 157 Minuten noch ein wenig raus, denn ohne die wäre der Streifen insgesamt staubtrocken und zäh, da die Nüchternheit der Erzählung auf Dauer belanglos wirkt, was wiederum auf die Distanz zu sämtlichen Figuren zurückzuführen ist.
Jessica Chastain spielt großartig, nicht minder stark ist der zurückhaltende Score von Alexandre Desplat, handwerklich ist ohnehin nichts anzukreiden, doch wer sich insgeheim mehr Action, mehr Bewegung und ein wenig Emotionalität erhofft hat, wird von dem überlangen Werk möglicherweise enttäuscht und größtenteils gelangweilt werden.
Knapp
6 von 10