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Mit Episodenfilmen können Neueinsteiger im Horrorbereich eigentlich selten etwas falsch machen, denn selbst mit geringem Budget lassen sich kleine kreative Geschichten auf die Beine stellen, wie einige Ausgaben von "Geschichten aus der Gruft" unlängst bewiesen.
Bei einigen scheint die Affinität zu Torture-Porn jedoch weiterhin anzudauern, weshalb vorliegende Anthologie auch nicht allzu abwechslungsreich ausfällt.

In der Rahmenhandlung begleiten wir ein junges Paar bei der Besichtigung eines Hauses unter der Führung einer eher unorthodox auftretenden Maklerin, während drei Rückblenden die Geschichte des Hauses in ein düsteres Licht rücken...

"The Storm" ist die kürzeste Geschichte, in der es um eine Familie geht, die im Keller des Hauses Schutz sucht und bei der es aufgrund der prekären Umstände zum großen Knall kommt. Der Mittelteil nennt sich "Chick-Ken": Ein junger Serienkiller hält eine junge Frau in einem Käfig des Kellers, welche über die Jahre miterleben muss, wie Menschen im Käfig neben ihr auf verschiedene Weise ihr Leben lassen müssen. Und schließlich lädt ein älterer Herr in "Dinner Guest" seine Nachbarn zum Essen ein und ist völlig erbost, dass der Familienvater einfach seinen Rasentrimmer entsorgte...

Das große Problem beim Regiedebüt des Duos Kris Hulbert und Randy Kent ist die mangelnde Kreativität der Geschichten und die schwache Ausarbeitung derselbigen.
Mal abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit, dass sich drei derartige Ereignisse in ein und demselben Haus abspielen sollen, ist eine zeitliche Zuordnung der Episoden fast unmöglich.
Teil 1 soll beispielsweise in den 50ern spielen, doch bis auf ein altes Radio ist davon wenig zu spüren, während der nachfolgende Part in den Achtzigern angesiedelt ist, genauso gut aber auch heute spielen könnte, was schließlich auf die finale Episode zutrifft.

Hinzu kommt die mangelnde Eigenständigkeit, denn bis auf den Eröffnungsteil handelt es sich bei den Hauptgeschichten um reine Folterfilme. Bietet die erste Story zumindest in Ansätzen noch so etwas wie eine Pointe, bleibt diese nachfolgend komplett aus, was ja eigentlich den Reiz solcher Episoden ausmachen sollte.
Stattdessen setzt man auf einige Gewalteinlagen, wenn auch nicht in geballter Form, so dass Splatterfans herausgerissene Nägel, abgebissene Finger, einen beherzten Schnitt durch die Versen und einen abgetrennten Kopf erhaschen können. Etwas fieser ist der Effekt mit zwei herausgeschnittenen Augenlidern, denn das Opfer lebt danach noch weiter, was man sich entsprechend spooky vorstellen kann.
Die Effekte sind allesamt handgemacht und gehen für das sichtlich geringe Budget in Ordnung.

Mit dem Rest dürften Genrefreunde jedoch einige Probleme bekommen, denn die Mimen performen bis auf Jonathan Tiersten als junger Sadist eher unterdurchschnittlich, die Settings sind überaus minimal gehalten und dennoch gelingt es der Kamera nicht immer, etwas temporeichere Momente ruhig einzufangen. Darüber hinaus offenbaren die drei Episoden kaum einen gemeinsamen Kontext, was auch durch die schwach abgeschlossene Rahmenhandlung untermauert wird, während spannende Szenen eher Mangelware darstellen, zumal Momente zum Mitfiebern durchaus überschaubar sind.

Das Konzept von "Saw" und Konsorten findet also auch noch Jahre später genügend Nachahmer, nur innerhalb eines Episodenfilms macht das nur bedingt Sinn.
Die Geschichten bieten keinerlei Überraschungen und kaum Eigenständigkeit, es wird zwar in Ansätzen gefoltert, doch auch diesbezüglich hat man schon Deftigeres zu Gesicht bekommen.
Ein paar schwarzhumorige Spitzen sind zwar auszumachen und Genrefans gehen auch nicht komplett leer aus, doch es wird schon seine Gründe haben, warum der Streifen einige Jahre verspätet zu uns kommt.
4 von 10

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