Review

Hang-Gi (Jo Jae-hyeon) ist super schweigsam. Eines Tages sieht er auf der Straße ein süßes Mädel (Won Seo) und küsst es. Die ihn umgebende Volksmenge unterstützt das empörte Mädel in ihrem Bestreben, eine Entschuldigung zu verlangen, doch Hang-Gi bleibt stur. Das Ende vom Lied: Sun-hwa - so heißt das Mädel - spuckt ihren saftigen Speichel direkt in des Übeltäters Gesicht - ein großer Fehler, wie sich schon bald herausstellt! Hang-Gi lockt Sun-hwa in eine Schuldenfalle und treibt sie in die Prostitution. Anfangs arg verzweifelnd lernt Sun-hwa nun, sich in eine dunkle, unfreundliche Welt hineinzuleben, in der ihr eigentlicher Feind, der sie durch einen Spiegel beim nächtlichen Treiben beobachtet, irgendwie immer unersetzbarer wird. Es verläuft praktisch alles nach Plan für Hang-Gi.

Der Film profitiert stark von seinem brisanten Thema, das sich unvorhersehbar entwickelt. Bei Sun-hwas erstem bezahlten Geschlechtsverkehr wird man in den moralischen und ethischen Grenzbereich erstaunlich weit hineingezogen. Man kann den tiefgreifenden, inneren Schmerz, der in dem verzweifelndem Mädchen hausen muss, ausgesprochen gut nachvollziehen.

Genial erweist sich aber die Präsentation des Protagonisten, der mit seiner Rache zwar überreagiert, aber irgendwie nicht als verhasste Figur endet. Dazu ist sein Charakter zu melancholisch und unendlich traurig. Ihn fast durchweg schweigen zu lassen, ist ein etabliertes und probates Mittel zur überzeugenden Darstellung.

Die Geschichte verlässt sich aber nicht allein auf diesen einen Handlungsstrang und verquckt weitere Aspekte in das Gesamtgefüge. Nicht nur die beiden Hauptfiguren werden ausgezeichnet durchleuchtet und teilweise nachvollziehbar gestaltet; Hang-Gis Handlanger sorgen darüber hinaus noch für interessante Spannungen, da der eine körperliche Liebe in Hang-Gis Spielzeug sucht, der andere hingegen erst seines Chefs geheime Spannerkammer entdeckt und dann sich auch noch für diesen verantwortlich fühlt. Des Weiteren kommt ein alter Konkurrent von Hang-Gi aus dem Knast und verwickelt ihn in eine Fehde mit Konsequenzen. Eine wirklich varianten- und abwechslungsreiche Story, bei der die tragische Liebesgeschichte Grundgerüst ist.

Daneben hat mir persönlich natürlich der in vielen Szenen erotische Körper von Won Seo gefallen. Anfangs noch eher etwas unspektakulär, wird sie zunehmend hübscher. Gut schauspielern tut sie auch und harmonisiert ausgezeichnet mit dem Hauptdarsteller.

Audiovisuell ist an dem Film nur wenig auszusetzen. Der Score passt gut zu den Stimmungen der verschiedenen Szenen; Kamerafahrten sind eher selten, aber die daraus resultierende Statik passt zu den bedrückenden Momenten und zum schweigsamen Protagonisten.

Bemängeln würde ich die etwas komische Storyentwicklung, die zwar einen guten Wiedersehwert erzeugt, aber stellenweise nicht gerade stimmig ist. Der Schluss bildet hier die Spitze, weil Sun-hwas Verhalten nicht gänzlich nachvollziehbar ist.

Trotz dieser kleinen Kritik bleibt "Bad Guy" einer der besten süd-koreanischen Filme überhaupt, der mit einer mitreißenden Geschichte und großartigen Spannungen zwischen interessanten Charakteren punktet.

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