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„I’ll be back“, nun also nach rund zehnjähriger Leinwandpause: Arnie will es noch einmal wissen, der Spielleiter bei seiner Rückkehr: Der koreanische Tausendsassa Kim Jee-woon.
Wie bei vielen Actionstars (man denke an Clint Eastwood, Sylvester Stallone und Bruce Willis) ist auch dieser Part einer, dem Alter des Darstellers angemessen ist. Sheriff Ray Owens (Arnold Schwarzenegger) ist nicht mehr der Jüngste, hat in der beschaulichen Kleinstadt Sommerton Junction nahe der mexikanischen Grenze aber auch kaum Sorgen, obwohl er früher eine große Nummer beim Drogendezernat von Los Angeles war. Nun gebietet er jedoch gerade einmal über drei Deputys (Luis Guzmán, Jaimie Alexander, Jerry Bailey) und will sich übers Wochenende erholen, da die Stadt eh beinahe ausgestorben ist, da fast alle Anwohner wegen einer Sportveranstaltung fort sind. Für den Zuschauer ist die Ironie klar: Weder gehört Owens zum alten Eisen, noch wird es etwas mit dem freien Wochenende werden.
Parallel dazu werden bereits Spuren ausgelegt (der Diebstahl einer frisierten Corvette in Las Vegas, verdächtige Fremde in Sommerton Junction), die auf einen kriminellen Masterplan hinweisen. Der nächste Schritt ist die Befreiung des zum Tode verurteilten Drogenbarons Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) aus den Händen des FBI. Der zuständige Agent, John Bannister (Forest Whitaker), veranlasst eine Großfahndung und darf innerhalb der Handlung bald den Erklärbären spielen, der Ray all die Details zukommen lässt, die dieser über seine potentiellen Gegner wissen muss.

Denn obwohl das Drehbuch es vorerst offen lässt, ob Cortez auf seiner Flucht gen mexikanische Grenze diese wirklich bei Sommerton Junction überqueren will, so lassen die Gesetzmäßigkeiten des Genres und der Filmtitel eigentlich nichts anderes zu…
„The Last Stand“ ist ein Wink in Richtung klassischer Actiontage, kein Spektakel mit jugendlicher Hauptfigur und kein komplexer Mainstreamactioner, sondern ein simpler, geradliniger Reißer mit hoher Oktanzahl. Mit Überraschungen rechnet man da besser nicht, schon allein der Filmtitel und die Trailer des Films verraten bereits, dass die Handlung in erster Linie das finale Gefecht fokussiert. „The Last Stand“ arbeitet auf diesen Höhepunkt hin, das Davor ist eine ausgiebige Vorbereitung mit ein paar kleinen Actionscharmützeln, etabliert Handlungsort und Charaktere, doch den Expositionscharakter wird der Film nicht ganz los.
Insofern kann man den Schlussakt mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Auf der einen Seite ist er de facto die größte Actionsequenz des Films, ein hartes, ausgiebiges Gefecht, in dem blutig gestorben wird und eine Unzahl verschiedener Waffen von großkalibrigen Revolvern über Scharfschützengewehre bis hin zu einer alten Gattling-Gun zum Einsatz kommt. Wie auch die vorigen Actionszenen ist das Finale dynamisch in Szene gesetzt, der Kameraarbeit merkt man die Handschrift Kim Jee-woons an, auch wenn sich der Regisseur im Vergleich zu seinem aufregenden „The Good, The Bad, The Weird“ leider merklich zurücknimmt. Neben brachialen Shoot-Outs hat der Film auch ein paar Verfolgungsjagden, Autostunts und einen derben Nahkampf zum Schluss zu bieten, in dem mal wieder der gewandte Fighter (Cortez) auf den altgedienten Brawler (Owens) trifft. Auf der anderen Seite dürfte das Finale angesichts der großen Ankündigung gerne noch etwas üppiger ausfallen, mit Blick auf die lange Exposition erscheint die Gegnerschar ein wenig zu übersichtlich, was schade ist.

Ansonsten ist das Gebotene Genreroutine. Ein Sheriff, der Bösewichter mit einem Blick erkennt, Fieslinge, die eiskalt Zivilisten und Gesetzeshüter umnieten, die ihnen im Weg stehen, ein Rumtreiber mit Potential (wird natürlich expressis verbis im Film erwähnt), der schließlich auf Seite der Guten mitkämpft – er mag zwar nur wegen Rowdytum im Knast sitzen, die Verbrüderung weckt dennoch Erinnerung an die Zusammenarbeit von Häftlingen und Cops in „Assault on Precinct 13“. Dabei ist „The Last Stand“ durch und durch generisch, bei vielen Dialogen weiß der Actionfan schon, was gesagt werden wird, ehe die Figuren die Zeilen aussprechen, die wenigen Plottwists sind absehbar und auch die Witzeleien über das eigene Alter sind nichts, was andere nicht schon früher (und auch nicht schon besser) gemacht hätten. Doch einer hält den Film am Laufen: Kim Jee-woon. Der Koreaner drückt aufs Gas und serviert die flotte Actionsause mit einem derartigen Tempo, das man die Klischees und Ungereimtheiten seines Films fast nicht mehr bemerkt.
Störfaktor bleibt allerdings Johnny Knoxville als Waffenfetischist Lewis Dinkum: Eine typische Sidekickfigur, die vom Drehbuch und Knoxville selbst als hyperaktiver Kasper angelegt wird, die durch Overacting und abstruse Marotten nervt – das Tragen einer Rüstung mag an die Zweckentfremdung des Taucherhelms aus „The Good, The Bad, The Weird“ angelehnt sein, sinnig oder lustig ist das hier nicht. Daneben steht Arnold Schwarzenegger als Oneliner klopfender Fels in der Brandung, der früher schon mal cooler war und in Filmen wie „End of Days“ auch besser schauspielerte, aber sich durchaus ordentlich macht. Peter Stormare als Nummer zwei der Fieslinge setzt Akzente, Forest Whitaker ist unterfordert, liefert aber soliden Support und Eduardo Noriega ist kein herausragender, aber doch ein überzeugender Hauptfiesling. Auch sonst macht sich das Nebendarstellerensemble ohne Topleistungen zu bringen, manch gestandener Schauspieler wie Luis Guzmán oder Harry Dean Stanton (in einer Minirolle als Farmer) mag zu kurz kommen, aber Grund zur Klage gibt es nicht.

Für ein großes Comeback hat „The Last Stand“ schlussendlich dann nicht gereicht, ein revolutionärer Actionkracher für den Massenmarkt ist Kim Jee-woons Hollywooddebüt nämlich nicht geworden, sondern in erster Linie ein durchaus gelungener, simpler Reißer für die treuen Arnie-Fans und eingefleischten Actionnerds. Das macht trotz gewisser Klischees und mal mehr, mal weniger gelungener Dialoge durchaus Spaß, aber seine frühere Popularität wird Schwarzenegger mit Filmen wie diesem jedenfalls nicht zurückerobern.

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