Es dauert keine 3 Minuten bis unser Arnie die Bildfläche in gewohnter Weise ausfüllt und wie er dies in THE LAST STAND als alternder Ex-Polizist Ray Owens auch in den nächsten rund 100 Minuten tut, davon sprechen diese Zeilen. Der mit keinem übermäßigen Budget Film des koreanischen Regisseurs Kim Ji-woon besinnt sich auf bewährte Zutaten des 80er Jahre Kinos und bringt mit viel Blei in der Luft, schnellen Autos, coolen Stunts, diversen Waffen, bösen Buben vom Feinsten und jeder Menge anderer testosteron-fördernder Action erstmal ganz schön viel Protz-PS auf die Straße. Genausoviel wie die Corvette ZR1 die im Film eine wichtige Rolle spielt. THE LAST STAND will mit seiner Story, die auf einen Bierdeckel passt kein anspruchsvolles Kino sein, und wird diesem Anspruch auch gerecht und kann somit nicht sehr viel falsch machen.
Schon in EXPENDABLES 1+2 konnte uns Schwarzenegger zuletzt zeigen, dass er nach der erfolgreichen mehrjährigen Rolle als Gouverneur von Kalifornien auch heute nicht mehr, aber auch nicht weniger schauspielern kann als zuvor. Im ersten Drittel setzt THE LAST STAND weniger auf die später eskalierende Action, sondern auf gut gewählte Selbstironie und Anspielungen auf Arnies frühere Filme sowie die diversen schrägen Figuren und bekannten Charaktergesichter. JACKASS-Star Johnny Knoxville spielt den Waffennarren Lewis Dinkum allerdings recht fahrig und kann aufgrund seines comicmäßigen overactings zumindest mich nicht überzeugen. In der ersten Dialogszene mit Arnie wirkt er geradezu wie ein kleiner Junge auch wenn eine gewisse Chaotik in der Rolle angelegt ist.
Forest Whitaker als Agent John Bannister kann allerdings seine ganze Erfahrung ausspielen. Nach dem ersten Drittel übernimmt er den Screen und Arnie ist dann geschlagene 20 Minuten kaum zu sehen. In der letzten halben Stunde erleben wir dann leicht trash-geschwängerte Action und shootouts pur und die FSK 16 wird aufgrund mehrerer von diversen Waffen getroffenen und halbierten Gegner so richtig ausgereizt. Allerdings sind hier auch die Budget Beschränkungen bei den verwendeten CGI-Effekten öfter sichtbar. Dafür werden wir dann mit selten gesehenen Autoverfolgungsjagden in Maisfeldern wieder etwas entschädigt. Arnie läuft sprüche- und actiontechnisch langsam zur gewohnten Hochform auf und verteilt auch mal gerne Headshots aus nächster Nähe.
Wahrhaftes Western-Feeling kommt spätestens in der finalen High Noon Szene mit unserem Action-Hero auf einer Brücke und dem ultimativen Bösewicht zum Tragen. Wenn Arnie die Jacke auszieht und es ohne Waffen „Mann gegen Mann“ geht werden auch größere Zweifler Arnie ggfs. wieder in ihr Herz schließen können. Der südkoreanische Regisseur Kim Ji-woon ist Kennern asiatisch-geprägten Kinos und Genrefilm-Festivalbesuchern vielleicht schon seit TALE OF 2 SISTERS oder BITTERSWEET LIFE, aber spätestens seit dem sehr guten I SAW THE DEVIL bekannt.
Zusammenfassend ist die Figur des in die Jahre gekommenen Gesetzeshüters wie gemacht für Schwarzenegger, da er somit in einen humoristischen Kontext packen kann, dass man ihm das Alter von der Haltung und den Bewegungen auch tatsächlich ansieht. Warum aber auch nicht mit fast 66 Jahren? Frei nach dem Motto: 60ties are the new 40ties !! Jedenfalls rockt er trotzdem noch anständig, sowohl verbal mit seinen bekannten one-linern, als auch im Verteilen saftiger Bleiladungen oder handfester Dresche. Somit kann THE LAST STAND in gemütlicher Runde unter old-school Action-Freunden im allseitigen "Hirn-aus-Modus“ jederzeit empfohlen werden.
6,5/10 Corvettes....äh,....Punkten