Review

Ein Actionreißer ist MADE OF STEEL sicher nicht, aber ein meiner Meinung nach sehr stimmig geratenes Psychogramm eines Undercovercops auf Abwegen, auf einem Selbstfindungstrip der etwas anderen Art. Und genau in diesem Bereich sammelt der Film auch die meisten seiner Punkte.

Ein kleiner Exkurs zu Beginn betreffend den hier schonmal angestellten Vergleich mit STONE COLD, der sich aufgrund der ähnlichen Thematik zwar vielleicht anzubieten scheint, in meinen Augen aber dem Vergleich von Äpfeln und Birnen ähnelt, klar beides Obst, aber...ihr wisst schon. STONE COLD ist ein lupenreiner und untadeliger Actionfilm, der gradlinig durch seine knappen 90 Minuten prescht. Für mich 7 von 10 Punkten und eine Menge kurzweiliger Spaß. MADE OF STEEL ist aber zu keinem Zeitpunkt so auf Action fixiert wie STONE COLD, er geht tiefer. Das betrifft sowohl die Huldigung der wahren Männlichkeit innerhalb der Rockergang als auch deren letztendliche Demontage als purer nihilistischer Machtchauvinismus. Zwischen diesen beiden Polen verliert sich die Hauptfigur nun zunehmend, was sicher nicht zuletzt an dem unverarbeiteten Jugendtrauma liegt. Im Zeichen der männlichen Verbrüderung geraten Moralfragen immer mehr ins Hintertreffen, so dass aus eigener Kraft ein Ausweg wahrscheinlich gar nicht erst gesucht wird. Als die Zweifel jedoch immer stärker in Charlie Sheen wachsen liegt das an immer deutlicher zu Tage tretenden äußeren Einflüssen, v.a. an Menschen um ihn herum, die ihm vergleichsweise nahe stehen. Hier sind die Mechanismen, derer sich der Film bedient sicher eher als plump zu bezeichnen, so dass die Wandlung gen Ende sehr viel Schneller vonstatten geht als die allmähliche Wandlung im Laufe der ersten zwei Drittel. Andernfalls hätte der Film die angestrebten zeitlichen Dimensionen wohl auch überschritten. Dennoch eigentlich schade, dass man hier nicht mit der gleichen Sorgfalt und Subtilität vorgegangen ist.

Ich finde beide Filme (STONE COLD und MADE OF STEEL) verbreiten ein gelungenes Bikerimage von dem ich nicht sagen kann, ob es auch nur ansatzweise realistisch ist. Ist letztlich aber auch egal,  da die kernigen Typen trotz all ihres dämlichen Chauvinismus' auf jeden Fall viel Spaß machen. Da spürt selbst die ausgewachsenste Couchpotatoe das Benzin in den Adern kursieren! damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch auf (s.o.).

Insgesamt ist MADE OF STEEL ein überzeugend geratenes Psychodrama mit stimmiger Hauptfigur und guter Besetzung, allen voran Michael Madsen. Linda Fiorentino versucht für ein wenig weiblichen Ausgleich zu sorgen, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle, da sie gegenüber der schieren männlichen Übermacht auf verlorenem Posten kämpft. Ihr Charakter scheint mir auch der mit Abstand unglaubwürdigste im ganzen Film zu sein und ihre Motivation bleibt mir unverständlich.

Also: Fokus auf Sheen und Madsen und ab geht die Reise in den menschlichen Abgrund, ansprechend garniert mit Whiskey, bollernden Motoren und einem netten Rocksoundtrack!

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