Review

Geht es euch nicht auch so: Wenn ein Film schlecht ist, kann man sich nicht verkneifen desöfeteren mal ein Blick auf den Timecode zu riskieren. Diese scheinbar triviale Verhaltensweise stellt aber in Wirklichkeit eine ziemlich effektive Methode dar, über die Qualität eines Films zu urteilen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: "Die Ballade von Lucy Jordan" (Original: Montenegro) zwang mich zu keinem Zeitpunkt den Timecode zu betrachten. ;-)

Der bekannteste Film von Dusan Makavejev in der OFDb ist wohl der abgedrehte "Sweet Movie", mit ganzen 13 (!) Bewertungen. "Montenegro" und "Sweet Movie" besitzen jedoch keine offensichtlichen Gemeinsamkeiten.

Die Hauptprotagonistin Lucy Jordan lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und ihrem Schwiegervater in einem reichen Viertel von Stockholm. Im Haushalt erfüllt sie ihre Aufgaben gewissenhaft. Sie ist zudem Mitglied eines "Ladies Club" und begibt sich desöfteren auf Modenschaus, wo die neuesten Pelze vorgestellt werden.
Doch irgendwie verhält sich die junge Mutter immer merkwürdiger, was vor allem ihren Mann beunruhigt, so dass dieser sich gezwungen fühlt (ohne ihr Wissen) einen Psychiater um Rat zu bitten. Das seltsame Verhalten hat sich unter anderem im Ehebett manifestiert, wo Lucy Jordan grundlos die Decke mit einer Zigarette in Brand gesetzt hat. Es scheint so, als wäre sie in einem Käfig gefangen und würde hilflos versuchen auszubrechen.
Eines Tages macht Lucy am Flughafen die Bekanntschaft eines jugoslawischen Bauernmädchens. In ihrer Gutmütigkeit hilft sie der Fremden, ihr Hab und Gut vor den Zollbeamten zu beschützen. Die Ereignisse nehmen ihren Lauf und so gelangt die junge Mutter in eine zwielichtige jugoslawische Bar, wo sie das Lebensgefühl dieser Menschen näher kennenlernt. Selbstverständlich entwickelt sich in diesem Milieu auch eine romantische Beziehung zwischen Lucy und einem jungen Serben, der unter dem falschen Namen "Montenegro" bekannt ist. Die Ballade von Lucy Jordan endet mit einigen Toten...

"Montenegro" ist ein gelungener Film, da er es hervorragend bewerkstelligt, dramatische umd komödiantische Elemente miteinander zu verweben. Zudem findet man die Hauptprotagonistin auf Anhieb sympathisch, was jedoch gegen Ende des Films Probleme hervorrufen wird.
Aus einem soziologischen Standpunkt betrachtet, erscheint auch diese kleine jugoslawische "Parallelgesellschaft" äußerst interessant. Das einfache, bäuerliche aber unkomplizierte Leben dieser Menschen wird meines Erachtens von dem Film eindrucksvoll dargestellt. In wieweit es jetzt der Wirklichkeit entspricht, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls nimmt man die gezeigte Welt als sehr realitätsnah war.

Genial finde ich auch an einigen Stellen die Montage und die Texteinblendungen. In einer Szene sieht man beispielsweise Lucy Jordan in ihrem Ehebett. Es folgt ein Schnitt auf einen Affen, der in seinem Käfig sitzt. ;-)

Selbstverständlich muss in einem Makavejev-Film auch noch eine komplett verrückte Szene enthalten sein. Während einer Striptease-Show in der jugoslawischen Bar kommt ein kleiner ferngesteuerter Panzer zum Einsatz, an dem ein Dildo fixiert ist...

Leute, denen unkonventinelle Filme gefallen, kann ich "Montenegro" nur ans Herz legen. Mainstreamer können auch mal ein Blick riskieren, aber in diesem Fall übernimmt Subway keine Garantie:-)

Sehr Gut 9/10

Details
Ähnliche Filme